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Ecuador: Archäologie und Bürokratie

01. Okt 2008Allgemein 3 Kommentare

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Vor tausend oder mehr Jahren bauten Bewohner von Ecuador ein steinernes Monument in die Anden. Auf 2630 Meter Höhe, zwischen den beiden Andenkordilleren auf einem Hügel namens Catequilla. Von seinem Gipfel ist bei klarem Wetter eine Sicht von 360 Grad gegeben. Die beiden in Nord – Süd Richtung verlaufenden Bergketten, waren die idealen Orientierungspunkte. Die östliche Andenkordillere wurde zur Bestimmung des Aufgangs und die westliche Kordillere zur Lokalisierung des Untergangs der Gestirne benutzt. Alle bekannten archäologischen Stätte innerhalb des Blickfeldes können auch tatsächlich mit blossem Auge gesehen werden. 70 Meter Umfang hat der Halbkreis, markiert durch eine ca. 1,80 Meter hohe Mauer aus Steinen und Erde. Heute liegt in diesem Tal das Denkmal für die Mitte der Welt, die Mitad del Mundo, an einem Punkt errichtet, den eine französische Erdvermessungsexpedition im 18. Jahrhundert bestimmte. Doch das neue Denkmal liegt etwas abseits der Äquatorlinie, während das Tausend Jahre alte Monument direkt auf der Linie liegt.
Baustelle in Catequilla

Das Projekt Quitsa To begann vor 11 Jahren ausgehend von Catequilla verschiedene Messungen mit Satellitengestützten Systemen. Karten wurden studiert, Pläne skizziert, Videos und Satelittenfotos ausgewertet. Beziehungen zwischen den verschieden historischen Stätten drumherum wurden gesucht. Diese archäoastronomischen Studien führten zu einigen Bauwerken oder archäologischen Stätten wie Pyramiden von Cochasqui, Pampamarca, Rumicucho, San Franzisko Kirche oder der Kirche von Quinche. Die Kirchen stehen nämlich auf Vorkolonialen Fundamenten.

Noch ist wenig über die weiteren Funktionen bekannt, die dieses mindestens tausend Jahre alte Monument hatte und schon rücken die Bagger an, um ein paar Löcher für ein Fundament auszuheben. Geplant vom Architekten Gustavo Guayasamin. Ein ein Meter tiefer Aushub, ein Fundament aus Zement, das Baumaterial liegt noch verstreut herum. Ein eiserner Turm soll dort entstehen – niemand weiss wofür – genehmigt von der Denkmalschutzbehörde!

Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Bedroht ist das ganze Tal, da seit den sechziger Jahren in der Region eine Steinbruchindustrie entwickelt ca. 60 Steinbrüche, die keinen Sinn machen, denn die meisten Steine und auch der feine Sand für Bauten eigentlich nicht geeignet sind. Die Steinbrüche sind praktisch, weil sie nah an Quito liegen, da interessiert es nicht ob das Material geeignet ist oder nicht.

Die sozialen, ökologischen und kulturellen Folgen sind vielfältig. Aufgrund des vielen feinen Vulkanstaub der in den Steinbrüchen gelöst wird ist die gesamte Region mit Staub überzogen. An einigen Stellen hat der Wind riesige Mengen Sand angehäuft. Bei Unwettern besteht die Gefahr einer Schlammlawine. Das letzte Mal geschah dies 1997. Dieser feine Sand ist es auch, in Verbindung mit den Steinbrüchen und dem LKW Verkehr, der die Landwirtschaft im Tal erschwert. Als schlimmste kulturelle Bedrohung, muss der Steinbruch direkt unter der archäologischen Stätte Catequilla angesehen werden. Unter dem Gipfel mit dem Monument finden regelmässige Sprengungen statt. Irgendwann wird alles abrutschen.

Ein sofortiger Stop der Steinbruch Aktivitäten ist notwendig, um dem Tal der Mitte der Welt mit samt seinen Menschen und historischen Stätten eine Zukunft zu erhalten.

Die letzten Bauaktivitäten im historischen Ort, mit Genehmigung der Behörde für Kulturschutz, zeugt einmal mehr von der Ignoranz und/oder Korruption der zuständigen Behörden. Wenn nicht sofort etwas geschieht, wird das jahrtausende besiedelte Tal bald komplett transformiert sein. Catequilla wird dann auf immer verloren sein und damit auch die Identität der Ecuadorianer, deren Staat ja sogar nach der Linie genannt wurde. Dennoch scheint es nur wenig Interesse daran zu geben, die historische Äquatormarkierung zu erhalten.

Wenn die Steinbrüche stillgelegt werden sollen, müssen aber Alternative Einnahmequellen erschlossen werden. Eine davon kann der Tourismus sein. Der Besuch der historischen Stätte von Catequilla kann zu deren Erhalt beitragen und damit dem Tal der Mitte der Welt eine Zukunft sichern, die der Wichtigkeit des Ortes gerecht wird.

Dieser Artikel basiert auf spanischen Publikationen von Cristóbal Cobo und einem Interview mit ihm. Vielen Dank auch an Sebastian Salvador, der mit mir den Hügel von Catequilla erklommen hat und mir vor Ort alle Zusammenhänge erklärt hat. Weitere Informationen unter: www.quitsato.org

In Google Earth kann mit den Koordinaten 0000 und 78254330 Westlich den Ort gut finden. Bei mir wird die Äquatorlinie etwas verschoben angezeigt.

Tom Jungh,

Quito, Ecuador

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3 Antworten auf “Ecuador: Archäologie und Bürokratie”

  1. Udo sagt:

    Hallo Tom,

    es ist sehr wichtig, dass diese Informationen veröffentlicht und genannt werden. Man kann diesen Problemen am besten begegnen durch öffentliches Interesse, die dafür notwendige Information einer breiten Masse und durch die Nutzung durch den ökologisch-verträglichen Tourismus, der letztendlich Geld bringt.

    Grüße
    Udo

  2. Gertraud Neuner sagt:

    LIEBER TOM,
    WIR SIND GERADE IN ECUADOR, IN TUMBACO BEI QUITO UND HABEN HEUTE VERSUCHT, DAS ARCHAEOLOG.DENKMAL
    CATEQUILLA ZU FINDEN. BEIM STEINBRUCH WAREN WIR, JEDOCH WUSSTE DORT IM DORF NIEMAND VOM GENAUEN PLATZ DIESES DENKMALS.LEIDER SIND WIR DANN ERFOLGLOS NACH TUMBACO ZURUECKGEKEHRT… KANNST DU DIR VORSTELLEN, MIT UNS DIESES DENKMAL ZU BESUCHEN? WIE KOMMT MAN DA RAUF? WO IST DIE GENAUE LAGE?
    WIR BITTEN DICH UM BALDIGE RUECKANTWORT!

    HERZLICHE GRUESSE
    VON GERTRAUD UND JOACHIM

  3. Regina sagt:

    Hallo Tom,
    arbeite seit vielen Jahren als Grabungstechnikerin und werde im Winter voraussichtlich in Ecuador sein. Könnte mir vorstellen, bei einer Grabung zu helfen. Hast du Kontakte zur dortigen Archäologie?
    Grüße
    Regina

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