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Ecuador: Ceviche gegen Heimweh

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Es ist Sonntag Nachmittag und bei strahlendem Sonnenschein in Quito erfasst mich plötzlich das Heimweh. In den Jahren meines Studentenlebens habe ich häufig die frischen, sonnigen Frühlingsnachmittage am Wochenende in den Berliner Parks verbracht. In Quito gibt es einige Grünflächen, die ich hauptsächlich vom Vorbeifahren kenne und so beschließe ich, zur aktiven Heimweh-Bekämpfung, Vertrautes zu suchen und das Freizeitverhalten der Quitenos auf öffentlichen Grünflächen zu erkunden.

Mein Ziel ist der Park La Carolina, ein großer Park im Norden der Stadt, umgeben von Wohnvierteln und großen Einkaufszentren. Durch die Hochhäuser-Zeilen nähere ich mich dem Park und höre schon von weitem Musik.

Quitos Parks haben mich schon öfter überrascht: eine abendliche Lasershow im frisch renovierten Alameda-Park, Akrobatik übende Jugendliche, die sich im El Ejido-Park auf einen Straßenumzug vorbereiten oder eine Mountainbike-Veranstaltung auf den steilen Stufen des Itchimbia-Parks. Was sich von weitem anhörte wie ein Open-Air-Festival im Carolina-Park ist eine dreiköpfige Band, die ihre riesigen Lautsprecher mitten im Park aufgestellt hat.

Auf den ersten Blick erscheint mir vieles vertraut. Abgesehen von den fehlenden Grillschwaden hatte ich gleich eine Assoziation mit dem Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg. Es ist sehr belebt und auf dem Rasen tummeln sich jede Menge Familien und Pärchen.

Erst gehe ich am botanischen Garten vorbei, wo mir ein großer grinsender Wurm entgegen kommt – ein Salsarhythmen-dudelnder Zug beladen mit begeisterten Parkbesuchern, die eine Rundfahrt durch den Park machen. Auf den Wegen flanieren sorgfältig herausgeputzte Jugendliche neben Großfamilien, deren Kinder sich auf ihren Fahrrädern zwischen den Spaziergängern durchschlängeln, junge Frauen binden sich gekonnt ihre kleinen Kinder im Tragetuch auf den Rücken. Am Rand eines Weges sitzt ein älteres Paar Indígenas in traditioneller Kleidung. Der Mann ist dabei eine Geige neu zu bespannen, um mit seiner Musik ein paar Münzen zu verdienen.

Ich bin am südlichen Ende des Carolina-Parks angelangt. Die Landschaft ist geprägt von einem verzweigten System von Kanälen, auf denen Tretboote fahren. Menschentrauben stehen an Essensständen an, um sich mit Leckereien zu versorgen. Verschiedene Düfte steigen mir in die Nase: der Karamellduft von pinker Zuckerwatte und glasierten Äpfeln, die Würze frittierten Fleischs und typischem Ceviche mit Chochos, kalte Suppe mit Lupinenkernen. Ich stelle mich an einem der Ceviche-Stände an und bekomme für 60 Cent ein Plastikschälchen mit Chocho-Kernen, geröstetem Mais und Bananenchips. Die restlichen Zutaten wie Koriander, Tomatensauce, scharfes Aji und Limetten nehme ich mir aus großen Schüsseln, die wie ein Buffet aufgereiht sind. Lächelnd hilft mir eine Frau die frischen Limetten richtig herum in die ungewöhnlich geformte Presse einzulegen. Fürsorglich entscheidet sie auch gleich, dass ich mindestens zwei Limetten möchte.

Nach meinem andinen Snack schlendere ich vorbei an weiteren Essensständen und Luftballonverkäufern nach Norden. Norden ist hier im Park einfach zu bestimmen, weil sich die meisten Flugzeuge tief über den Park hinweg dem innerstädtischen Flughafen von Quito nähern. Außer kleinen Kindern und „Gringas“ wie mir achtet niemand auf die großen Maschinen.

Auf einer kleinen Wiese gerät ein Mini-Vergnügungspark in mein Blickfeld. So langsam bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich mich in einem Stadtpark befinde oder auf dem Rummel! Ein junger Mann hält mit Muskelkraft ein 5 Meter hohes „Riesen“-Rad in Betrieb, sein Kollege gleich daneben ein Kinderkarussell. Statt auf Karussellpferden können die Kinder im sehr beliebten rot-blauen Spiderman-Wägelchen ihre Runden drehen, aber auch in dem modernen schwarz-maskierten Spinnenmann. Trotz Handbetrieb ist das Karussell also keineswegs veraltet: den Wagen ist anzusehen, dass sie mit der Zeit gehen und ihre Besitzer die Figuren aus Glasfasermatten je nach Mode umbauen und umlackieren! Aus Micky-Maus mach Spiderman.

Die kleine Schienenbahn ein paar Meter weiter fährt nicht durch Muskelkraft im Kreis, sondern hängt an einem aus der Kreismitte ausgehenden Stromkabel. An der Seite der kleinen Lok ist ein großer Kipphebel befestigt, den der „Schaffner“ im Nebenher-Rennen umlegt, um die scheppernde Bahn anzuhalten. Ich muss ein wenig grinsen, denn während die Kinder fröhlich ihren Eltern zuwinken, schwitzt der Schaffner aus jeder Pore.

Etwas kritisch beobachte ich zunächst die abgesägten Luftgewehre, geladen mit einem gefiederten Nagel, mit denen die Parkbesucher aus zwei Metern Abstand auf eine 2x2m große Holzplatte voller Süßigkeiten schießen können. Nach kurzem Zuschauen entschließe ich mich zu zwei Schuss für 25 Cent und gewinne so meinen Nachtisch, einen kleinen Schokoriegel. Auffällig ist die Schusstechnik: es gibt keine Kimme und Korn, alle Schützen zielen locker aus der Hüfte. Die Süßigkeiten hängen so eng beisammen, dass die Trefferquote mindestens bei 90 Prozent liegt. Allerdings treffen manche Schützen nicht mal die Platte selbst. Die junge Frau am Stand erklärt mir, dass sie gut aufpassen muss, um den Lauf zur Not herumzureißen. Manchmal schafft sie es nicht, wie die vernarbte Kiefer hinter der Platte bezeugen kann.

Je weiter ich nach Norden komme, desto karger wird der Parkbewuchs. Zwischen unzähligen Volleyball- und Basketballfeldern schlängelt sich ein Trimm-dich-Pfad entlang. Am Rand der Spielfelder, die von bunt zusammengewürfelten Spielern jedes Geschlechts und Trainingsgrades bevölkert sind, werden Wetten auf den Ausgang der Spiele abgeschlossen. Unter den Zuschauern entdecke ich den verschwitzten Schalterbeamten meiner Bank, den ich sonst nur in Anzug und Krawatte kenne. Er erklärt mir, dass die Wetteinsätze bis zu hundert Dollar betragen, ein kleines Vermögen in Ecuador. Er selbst ist aber aus rein sportlichen Gründen hier 😉

Die fröhliche entspannte Wochenendstimmung des Parks hat sich auf mich übertragen. Den Carolina-Park würde ich nicht unbedingt als grüne Lunge bezeichnen, aber Spaß macht er allemal. Über den Parkplatz, vorbei an einer Gruppe tanzender Menschen die für ihre evangelische Freikirche werben, gelange ich wieder auf die Shyris-Allee und besteige den Bus nach hause. Mein Heimweh ist verflogen, die Begeisterung für meine Wahlheimat in Südamerika dagegen wurde mal wieder geschürt.

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Eine Antwort auf “Ecuador: Ceviche gegen Heimweh”

  1. Hola Ute,

    Mein Kommentar dazu:

    Viventura gegen Fernweh.

    Meine Freundin lebt in Quito und oft wäre ich gerne bei Ihr. Eure Artikel bringen mich Ihr immer etwas näher. Danke
    Christine

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