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Peru: Debatte über Museumsbau

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Das Angebot Deutschlands, ein Museum zur Erinnerung an die Opfer des peruanischen Bürgerkrieges in den 80er und 90er Jahren zu finanzieren, hat in Peru eine Debatte ausgelöst. Die Regierung Perus hatte diese Spende, die sich auf etwa 1,56 Millionen Euro belaufen würde, mit der Begründung abgelehnt, dass ein Projekt dieser Art angesichts der Armut und des Hungers im Land nicht als vorrangig angesehen wird. Der Verteidigungsminister Antero Flores-Araoz hatte in einem Radiointerview zu verstehen gegeben, dass wenn es den Menschen an medizinischer Versorgung fehle, ein Museum überhaupt nichts nütze. Der Ministerpräsident Yehude Simon schlug stattdessen vor, die Spende in Entschädigungen für die Opfer oder Angehörige, Schulen und Gesundheitsstationen zu investieren.

Die Idee zum Museumsbau entstand bei einem Besuch der deutschen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die im März 2008 eine Fotoausstellung zu den Schrecken des Bürgerkriegs sah. Der bewaffnete Konflikt zwischen der terroristischen, maoistischen Untergrundbewegung „Leuchtender Pfad“ („Sendero Luminoso“) und den Regierungstruppen verursachte zahlreiche Folterungen, Verschleppungen, Ermordungen und sogar die Ausrottung ganzer Dörfer. Die Gesamtzahl der Toten im „Sendero-Krieg“ schätzt die sogenannte „Wahrheitskommission“, eine Untersuchungskommission, die sich mit den Menschenrechtsvergehen vom „Leuchtenden Pfad“, der Regierung und dem Geheimdienst befasst hat, auf fast 70 000.

Das Angebot, ein Museum in Gedenken an diese Opfer zu finanzieren, wurde von der peruanischen Regierung abgelehnt, obwohl Deutschland signalisierte, zusätzlich Hilfe für die Betroffenen fördern zu können. Diese Entscheidung stieß in Peru besonders bei Bürgerrechtlern, Intellektuellen und Künstlern auf heftige Kritik. Sie vertreten die Meinung, dass ein Land sich nicht entwickeln kann, ohne seine Kultur, seinen Geist und seine Seele zu entwickeln. Der Menschenrechtsaktivist Francisco Soberón sagte, es sei bedauerlich, dass der Regierung der Wille fehle die Erinnerung zu fördern und zu pflegen, damit sich die Vergangenheit nicht wiederhole.

Was meint ihr? Ist ein Museum in Peru in Gedenken an die Bürgerkriegsopfer „Luxus“ und sollte das Geld lieber in andere Projekte wie z.B. Schulen und Gesundheitsstationen investiert werden? Oder vertretet ihr die Meinung, dass ein solches Museum notwendig ist, damit an die Vergangenheit erinnert wird und sich solche Verbrechen nicht wiederholen?

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12 Antworten auf “Peru: Debatte über Museumsbau”

  1. Andrea sagt:

    Ich tendiere eher dazu, dass der Armut Abhilfe geschaffen wird, als ein Museum zu errichten.
    Die Menschen wissen auch so um die schlimme Zeit, da müssen sie nicht auch noch ständig daran erinnert werden.
    Es gibt viele Länder, in denen sich die Politiker mehr um die Vergangenheit sorgen, als um ihr Volk!

  2. maren sagt:

    Ich denke ebenso wie Andrea,alle 2Jahre wird mir dies leider immer wieder extrem bewußt und besonders in diesem Jahr, da das Geld fehlt welches die Helfer des OP-Teams Rostock ( ein chirurgisches OP-Team der Uni Rostock)dringend benötigen.

    Seit Jahren sind diese unaufhörlich alle 2 Jahre in Ihrem Urlaub unentgeldlich in Peru um dort Kinder und Erwachsene behandeln zu können mit Wolfsrachen, Lippen-,Kiefern- und Gaumenspalten.

    Leute die ohne diese Hilfe nie ein normales Leben wie wir führen könnten, da diese al die notwendigen OP´s nie bezahlen könnten.

    Ohne die Helfer aus Rostock von dennen sie behandelt werden und auch nachbehandelt, sobald es die Gesundheit der Patienten zulässt,diesen Krankheiten ein Ende zu setzen oder zumindest ein gesundes Maß an Lebensqualität herzustellen ohne damit zusehr in Ihr Leben einzudringen eben „Hilfe zur Selbsthielfe“ zu leisten gäbe es für viele von Ihnen nie eine Hoffnung auf Besserung.
    Gezeichnet durch die Erfahrungen vom Leid der Menschen und dem damit verbundenem Wissen das es Besserung geben kann wenn sich die Menschen auf das wesentlichste bessinnen, auf das was zählt, nämlich : Die Menschen die noch da sind, sollte man helfen, in diesem Sinne folgen wir auch mitunter einer Bitte unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel welche das Projekt der Uni Rostock mit einem Spendenaufruf unterstützt und bittet um Hilfe für das Ärzteteam. Wenn Ihr möchtet so seht euch das ganze mal an
    unter:www.mkg-aerzte-peru.de
    unter Punkt: Dokumente
    unter Spendenaufruf2009
    oder
    mailt mich an, wenn Ihr es nicht findet und Ihr spenden möchtet und schribt in Betreffzeile Peru da ich sonst alles weglösche wenn ich den Absender nicht kenne.
    Dann schicke ich euch die nötigen Daten

  3. Karina sagt:

    Hallo Andrea und Maren,

    Danke für eure Meinungen und Ideen!
    Ich stimme euch zu, dass im Bereich Gesundheit und Bildung nie genug Unterstützung da sein kann.
    Aber ist es wirklich so einfach? Ist nicht die Basis für die Entwicklung eines Landes die Demokratie? Und wenn den Bürgern eines Landes vergangene politische Probleme nicht bewusst sind, besteht da nicht die Gefahr zukünftiger Spannungen?

  4. Andrea sagt:

    Hallo Karina,
    ich will NICHT sagen, dass es generell sinnvoll ist die Vergangenheit ruhen zu lassen. Klar wäre ein Museum nett. Aber ich denke es kommt bei der Bevölkerung auch an, wenn man es in der Schule in die Geschichtsbücher aufnimmt. Ich denke nicht, dass jeder Bürger ins Museum rennt um sich die schlimme Vergangenheit ins Gedächtnis zu rufen. Das ist Wunschdenken. Die Alten wissen um die schlechten Zeiten und geben es an die Jungen weiter. So war es doch auch bei uns. Das ist die beste Art und eine uralte noch dazu, vergangenes zu übermitteln. Und so werden auch die schlechten Zeiten nicht vergessen. Ich glaube nicht, dass da ein Museum notwendig ist. Zumal ja auch nicht jeder Bürger in dieser Stadt lebt, (ich denke es wäre Lima gewesen)in der es hätte erbaut werden sollen. Nicht jeder hat die Mittel z.B. von Cusco aus oder von den ländlicheren Gebieten oder von Arequipa aus nach Lima zu düsen um sich das Museum anzsehen. Die Leute brauchen ihre Soles für wichtigeres. Ich finde einfach, die 1,56 Millionen Euros wären in wichtigere Organisationen wie Gesundheit, Schulbildung und ähnliches besser investiert. Ich war in ländlichen Schule, ca. 1-1,5 Std. von Cusco entfernt und habe gesehen, mit welchen Mitteln die Kinder lernen müssen. Hier ist Hilfe, so finde ich persönlich, notwendiger als in ein Museum.
    Lieben Gruß
    Andrea

  5. Karina sagt:

    Hallo Andrea,

    ich stimme dir auf jeden Fall zu (auch wenn das Thema natürlich komplex ist). Wollte mit meinem Beitrag nur zu weiteren Kommentaren und Gedanken einladen. 😉

    Liebe Grüße

  6. Andrea sagt:

    Hallo Karina,
    mach Dir keine Sorgen, das ist völlig in Ordnung.
    Das war nur ein weiterer Gedankengang von mir. ;o)
    Schöne Grüße
    Andrea

  7. Karina sagt:

    An alle Interessierten:

    Der Bau des Museums wurde jetzt ausgeschlossen. Das peruanische Regierungsmitglied José Antonio García Belaunde begründete die Entscheidung damit, dass die Zeit noch nicht gekommen sei, da die Narben noch nicht verheilt seien und in der peruanischen Bevölkerung noch Uneinigkeit über das Thema herrsche.
    Die Entscheidung wird weiterhin von Menschenrechtlern und Intelektuellen kritisiert. Sie werfen der Regierung vor aus Selbstschutz gehandelt zu haben, da sie zum Teil auch an den Vergehen beteiligt war.

    Viele Grüße,
    Karina

  8. Constantina sagt:

    Der Museumsbau zu dieser Zeit und an diesem Ort ist überflüssig, angesichts der hier herrschenden Not! Ein Freund aus Arequipa erzählte mir von den wirt-
    schaftlichen Problemen. Aus diesem Grund unter-
    stützen wir mit unserem Arbeitskreis seit Jahren ein Heim in Cersi, das ohne diese Hilfe nicht existieren könnte.
    Herzliche Grüße
    Constantina

  9. D.R. sagt:

    Es ist höchste Zeit, das Museum zu bauen. Das Geld für Sozialprojekte und Kultur-/Erinnerungsprojekte kann man nicht so direkt gegeneinander aufrechnen. Hätte Deutschland anstatt eine Holocaustgedenkstätte zu bauen besser die Pendlerpauschale erhöhen sollen? Eine solche Argumentation verbietet sich wohl. In Deutschland, das wirtschaftlich nach dem 2. Weltkrieg wirtschaftlich am Boden lag, haben uns die Alliierten mit viel Einsatz geholfen, unsere Vergangenheit aufzuarbeiten. Der Bürgerkrieg in Peru ist zwar nicht mit dem 2. Weltkrieg zu vergleichen, dennoch ist es manchmal einfach nötig, auch mal einen kleinen Anstoß von außen zu bekommen – wie jetzt eben durch das Angebot Deutschlands. Ich finde die Idee des Museumsbaus hervorragend, es gibt bisher in ganz Peru noch keine Gedenkstätte, wo wirklich allen Opfern des Bürgerkrieges gedacht wird. Dafür wäre ein solches Museum der optimale Ort. Würde man jetzt auf Aufklärung und Versöhnungsarbeit zwischen den Peruanern, die sich noch vor wenigen Jahren kriegerisch gegenüberstanden, verzichten, könnte es passieren, dass es zu einem neuen Sendero Luminoso, zu einem neuen Fujimori kommt. Die Folgen wären verheerend, in so einer Situation wäre die Hilfe jeden „Arbeitskreises“ völlig dahin und weitgehend unmöglich.
    Also:
    Her mit dem Museum. Und zwar schnell.

    PS: García Belaunde ist der Außenminister

  10. A. Krämer de Huerta sagt:

    Ich stimme „D.R.“ voll zu.
    Was hier in dieser Diskussion fehlt ist ein bischen der Einblick, wer das Museum abgelehnt hat und warum. Abgelehnt haben es nicht Menschenrechtler, auch nicht Betroffene, auch nicht Menschen, die in Peru gegen Armut oder für Bildung oder medizinische Versorgung aktiv sind, und auch nicht die Mitarbeiter der Wahrheits- und Versöhnungskommission, sondern die Regierung. Teile der jetzigen Regierung waren unter demselben Präsidenten Garcia, der jetzt wieder regiert, zeitweise auch damals an der Macht. Logisch ist ihnen nicht an einer Aufarbeitung gelegen, weil viele von ihnen selbst involviert waren, und nicht auf rühmliche Art. Das allein und nichts anderes ist der Grund für die Ablehnung.
    Übrigens ist das Ganze nicht besonders lange her und nicht wirklich Vergangenheit. Der für die 90er Jahre verantwortliche Ex-Präsident Fujimori sitzt derzeit im Gefängnis und wartet auf sein Urteil, u.a. wegen zahlreicher Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit diesem schmutzigen Krieg. Die Übelebenden unter den Opfern leben noch und sehen die Täter. Wer auch im Gefängnis sitzt, sind zahllose Personen, die seit den 80er Jahren auf ein Gerichtsverfahren warten und von denen einige rein garnichts mit dem Terrorismus zu tun hatten, sondern auf Grund von Denunziation inhaftiert wurden. Derzeit rotten sich Reste des sog. Sendero Luminoso wieder zusammen, in der Selva diesmal und in Zusammenarbeit mit den Narcotraficantes (Drogenmafia, Kokain).
    Ein Wort zu den fehlenden Ärzten in Peru: kaum ein Land hat so viele Ärzte im Ausland wie Peru, auch das mit eine Folge der Geschehnisse in den 80er und 90er Jahren.
    Ich hoffe, etwas Klarheit in die Diskussion gebracht zu haben.

  11. A. Krämer de Huerta sagt:

    hab noch was vergessen:
    es gibt bereits ein kleines Museum zum Thema in Ayacucho, dem fehlen allerdings die Mittel.

  12. Karina sagt:

    @ D.R. und A. Krämer de Huerta:

    Danke für eure Kommentare und euren etwas „anderen Blickwinkel“ auf das Thema!

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