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Erschöpft aber Glücklich: Brasilien während der WM

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Logo Brafus für viventura Nicht TransparentDie Welt schaut nach Brasilien während der WM. Bereits vor der Eröffnung hat die Weltöffentlichkeit die Proteste der Menschen wahrgenommen, die kaum selbst eine Eintrittskarte erwerben können, aber fürchten, dass sie die Last des Großereignisses schultern müssen. Ein Beitrag für viventura von dem Team von Brafus2014.de – Birte Fuchs, Christian Frey und Kai Schächtele. 

Passa Quatro, den 25. Juni

Liebe Freunde von viventura, unsere Reise durch Brasilien während der WM geht bereits in ihre dritte Woche und in den vergangenen Tagen haben wir uns immer wieder gefragt, welche Eindrücke sich bei uns wohl festsetzen werden. Unser Blog www.brafus2014.com haben wir ja überschrieben mit dem Auftrag, herauszufinden zu wollen, was die Fußball-Weltmeisterschaft mit Brasilien macht und was Brasilien mit der WM.

Doch was macht Brasilien eigentlich mit uns? Um diese Frage zu beantworten, wollen wir kurz unseren Besuch in Horizonte Azul in der vergangenen Woche Revue passieren lassen. Nach über einer Woche im Zentrum von São Paulo, dieser riesigen, lärmenden und niemals zur Ruhe kommenden Megapolis, haben wir uns am Montag vergangener Woche abends in den Bus gesetzt und uns auf den Weg in Richtung Süden gemacht. Wir mussten zweimal umsteigen und waren, weil die Zeit schon weit fortgeschritten war, nur zwei Stunden unterwegs. Im Berufsverkehr braucht man für diese Strecke gern mal bis zu zwei Stunde länger.

Brafus2014_Luciana, Paloma, Davi_Christian Freyfor_viventura

Unser Ziel war das Haus von Luciana und Paloma, zwei Frauen Anfang 30, die mit Palomas Sohn Daví in dem Haus leben, in dem Luciana aufgewachsen ist. In Horizonte Azul leben etwa 30 000 Menschen. Es ist ein Arbeiterviertel, zu dem genauso eine kleine Favela gehört wie Straßenzüge, in denen sich Bars, zweistöckige Gebäude und Computerläden abwechseln. Damit wir bei ihnen übernachten konnten, holten Luciana und Paloma den kleinen Daví zu sich ins Schlafzimmer. Sie nahmen uns mit einer Herzlichkeit und Selbstverständlichkeit auf, die uns sofort das Gefühl gab, zuhause zu sein.

Brafus2014_Luciana und Paloma_01_Christian Freyfor_viventura

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, blickten wir nicht nur über die Dächer des Viertels, sondern auch auf die sich am Horizont aufbauende Kette aus Laubbäumen. Als wir durchs Viertel liefen, begegneten uns spielende Kinder und eine Kuh. Auf dem Weg zum nahe gelegenen See grasten Pferde auf offener Wiese. Es war uns, als tauchten wir ein in eine andere Welt. Doch das Leben in Horizonte Azul ist nicht so idyllisch, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Luciana hat uns beispielsweise ausführlich erzählt, was sie jeden Tag an Strecke und Anstrengung auf sich nehmen muss, um zur Arbeit im Zentrum São Paulos zu kommen. Bis zu acht Stunden ist sie täglich unterwegs, Erschöpfung ist ihr ständiger Begleiter.

Wir sprachen mit ihr außerdem darüber, was es heißt, in einem Viertel groß geworden zu sein, das zum Distrikt Jardim Ângela gehört. Es gilt als besonders arm und war wegen seiner hohen Mordrate Ende der 90er Jahre eines der gefährlichsten Viertel der Welt.

Brafus2014_Silvana_Christian Frey_for_viventura

Auch Luciana hat in ihrer Kindheit Gewalt und Kriminalität erlebt. Doch sie hat sich davon emanzipiert und sich mit Paloma und Daví die Familie aufgebaut, die sie als Kind nicht hatte. Auf die Frage „Magst du dein Leben?“, die wir jedem Gesprächspartner zum Schluss unserer Interviews stellen, sagte sie einen Satz, den wir wahrscheinlich lange nicht vergessen werden: „Es ist schwierig, oft ermüdend, aber insgesamt bin ich glücklich. Ich habe nicht alles, was ich gerne hätte, aber ich bin alles, was ich gerne bin.“

Es sind auch solche Momente, deretwegen wir hierher gekommen sind. Es klingt immer ein wenig pathetisch, wenn man sagt, dass man von Menschen aus anderen Ländern so viel lernen kann. Aber Lucianas Satz haben wir in unseren Rucksack der kleinen Weisheiten gesteckt und werden ihn von nun an mit uns herumtragen. Was macht also Brasilien mit uns? Unsere vorläufige Antwort lautet: vor allem dankbar, weil wir Zeit mit Menschen verbringen dürfen, die uns nicht nur ihre Türen öffnen, sondern auch ihre Köpfe und Herzen. Schon wieder so ein pathetischer Satz. Aber was soll man machen, wenn man nicht nur Frauen wie Luciana trifft, sondern auch welche wie Silvana? Silvana lebt nur ein paar Gehminuten von Luciana, Paloma und Daví entfernt. Sie hat uns zu sich eingeladen, um uns mit ihr und ihrer Familie das zweite Gruppenspiel der Brasilianer anzusehen.

Brafus2014_Bei Silvana_Christian Freyfor_viventura

Silvana arbeitet als Köchin in einem nahegelegenen Sozialprojekt, in dem Kinder Zeit verbringen, Sport treiben und ein Instrument lernen können. In ihrer Kindheit lebte sie selbst jahrelang unter einer Plastikplane. Sie hat nie zu schreiben und zu lesen gelernt. Mit 18 bekam sie ihr erstes Kind. Heute sind es sechs und es gibt sogar schon den ersten Enkel. Mit gerade mal 40 Jahren ist Silvana schon Großmutter. Obwohl sie es schon mehrmals zu lernen versucht hat: Schreiben und lesen kann sie bis heute nicht. Seit sie als Kind davon geträumt hat, eines Tages ein Leben zu führen, in dem sie das Essen nicht mehr aus dem Müll fischen muss, hat sie mit aller Kraft an der Verwirklichung dieses Traums gearbeitet.

Brafus berichtet live aus Brasilien von der WM 2014 - viventura

Heute lebt sie mit ihrem Mann, den sechs Kindern und dem Enkel in einem eigenen Haus mit zwei Stockwerken. Und mit einem Herd mit sechs Gasflammen. Über ihr Haus sagt sie: „Zwanzig Jahre lang habe ich davon geträumt ein solches Haus zu haben. Jedes Ziegelsteinchen dieses Hauses wurde mit viel Liebe und vielen Träumen gesetzt.“

Brafus berichtet live aus Brasilien von der WM 2014 - viventura

Brafus berichtet live aus Brasilien von der WM 2014 - viventura

Auf die Frage, ob sie ihr Leben möge, sagte sie uns: „Ja, denn ich sehe mich als eine weitere gewinnende Brasilianerin mit dem, was ich es bis hierhin geschafft habe. Wir hatten viele Möglichkeiten, etwas zu werden, was wir nicht hätten sein sollen. Und das liegt am Kämpfen und Wollen meiner Mutter. Sie war eine Kämpferin.“

Spät am Abend sind wir von diesem Gespräch (das wir demnächst ausführlich in unserem Blog dokumentieren werden) zu unserem Zuhause bei Luciana und Paloma gegangen. Es war ein stiller und demütiger Spaziergang.

Herzliche Grüße und bis zum nächsten Mal,

 

Ihre Birte Fuchs, Christian Frey und Kai Schächtele

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2 Antworten auf “Erschöpft aber Glücklich: Brasilien während der WM”

  1. Reiseblog sagt:

    Wunderbar recherchiert und geschrieben. Auch die Bilder sind klasse… ich will nach Brasilien! 🙂

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Benno Schmidt

Benno
Als Marketeer bei viventura schreibe ich am liebsten über meine drei Lieblings-K aus Südameri-K: Kurioses, Kulturelles und Kulinarisches. Meine Liebe zu Lateinamerika habe ich auf einer ... weiterlesen

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