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Ein Europäer in Venezuela

29. Okt 2008Allgemein 2 Kommentare

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Nun lebe ich schon seit fast 20 Jahren in Venezuela, beherrsche die Sprache, aber immer noch kommen mir manche Dinge hier spanisch vor. 😉

So zum Beispiel die Rollenverteilung Frauen und Männer oder Männer und Frauen. Am Wochenende fahren wir Venezolaner, besonders die Städter, gerne in die Natur, denn davon haben wir ja reichlich! Zur Auswahl steht das Meer oder das Baden in einem Fluss. Die Entscheidung nach dem Ausflugsziel scheint wohl danach getroffen zu werden, wer Lust auf die Essenszubereitung hat: Mann oder Frau! Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Keine Ahnung, aber ich weiß, dass ich bisher am Strand ausschließlich Männer und immer beim Grillen gesehen habe. Am Fluss sind ausschließlich Frauen für die Zubereitung von ausschließlich! Sancocho (Suppe) zuständig.

Dann gibt es auch noch so manche Hausmittelchen, die ich noch nicht begriffen habe:  Neugeborenen wird ein zusammengerollter, feuchter Bindfaden auf die Stirn legt damit sie keinen Schluckauf bekommen. Was genau macht der Bindfaden?

… oder mit Wasser gefüllte Frischhaltebeutel werden ins Wohnzimmer gehängt, damit die Stubenfliegen fern bleiben!?!?!? Ist da noch etwas anderes außer Wasser drin?

Eine Eigenart der Venezolaner (bzw. Südamerikaner) stehe ich sehr kritisch gegenüber. So gibt es die Angewohnheit, den Motor des Fahrzeuges 15 Minuten vor Abfahrt schon einmal warm laufen zu lassen. Mein Nachbar, der diesem Brauch ebenfalls regelmäßig nachgeht, erklärt mir, dass das nötig sei, damit sich das Motoröl gut verteilt und der Wagen die nötige Betriebstemperatur bekommt. Als ich ihm dann konterte, dass moderne Autos das nicht brauchen und schon gar nicht bei 35 Grad im Schatten und dass er mit seinem Verhalten unnötig die Umwelt mit Abgasen belastet, zuckt er mit den Schultern. Jeder, der es nicht besser weiß, läßt in Venezuela sein Auto warm laufen – ist die Antwort meines Nachbars – und dass es so von Mechanikern empfohlen wird und angeblich sogar in den Handbüchern der Autos steht.

Ich hoffe, dass ich niemals in die Verlegenheit komme einem Venezolaner zu erklären, warum es in Deutschland Geschwindigkeitsbegrenzung gibt, die selten eingehalten werden oder warum wir unsere Gartenzwerge mehr lieben als unsere Häuser oder warum in Bayern das Grundnahrungsmittel Bier ist.

Es wäre doch spannend zu wissen, was einem Südamerikaner in Europa an Kuriositäten auffällt!

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2 Antworten auf “Ein Europäer in Venezuela”

  1. Andrea sagt:

    Hallo Peter,

    ich bin jetzt noch am Lachen. Dein Bericht ist echt klasse!!!!

    Einige der aufgezählten Eigenarten sind wirklich gut ;o)
    Aber zu den wassergefüllten Frischhaltebeuteln kann ich vielleicht Abhilfe schaffen. In Mexico macht man das auch. Die Fliegen werden durch die Spiegelung des Wassers im durchsichtigen Beutel verwirrt und verlieren so ihre Orientierung.
    Eigentlich ganz simpel, oder?

    Wir haben das im Dschungel auch so gemacht und es hatte wirklich geklappt. Ich hätte es damals nicht wahrhaben wollen.

    Vielleicht kann Dir ja der Ein oder Andere bei einer weiteren Kuriosität helfen?

    Schönen Tag noch nach Margarita.
    Hier ist übrigends der totale Wintereinbruch mit viel Schnee :o(
    Wie gerne wäre ich doch da jetzt in der Wärme.

    Gruß
    Andrea

  2. Andres Bernado Rohde sagt:

    Auch ich habe fast 17 Jahre in Venezuela, >Insel Margarita, gelebt und kann Peter gut verstehen! Zu den Wasserbeuteln hat man mir auf meinen Reisen als Reiseleiter erklärt, das Wasser in den Beuteln wirke wie ein Vergrösserungsglas und somit schrecke es die Mücken oder „Mosquitos“ ab. Aus diesem nämlichen Grund kann man in Venezuela fast in jeder Hütte, zumindest auf dem Lande, einen oder mehrere Wasserbeutel hängen sehen.
    Habe gelacht, als ich Deinen Kommentar über das „Motorwarmlaufen“ in Venezuela las….Ich war mit einer Venozolanerin aus Puerto La Cruz verheiratet und sie und ihre Familie sowie etliche Auto-Mechaniker erzählten erzählten mir exactamente das Gleiche !! Meiner Meinung nach wird es ein Venozolaner NIE verstehen, das bei 35 Grad Hitze ein Motor nicht warm laufen muss.
    Ich habe allerdings eine Menge Touristen-Touren in die Berge nach Caripe (ca. 900m hoch gelegen) als Reisefüherer begleitet und dort ist es morgens um sieben noch empfindlich kühl, so max um die 15Grad und dort könnte man es noch eher verstehen, nicht aber auf Margarita, wo die Temperatur 365 Tage nicht unter 35 Grad tagsüber fällt. Auch in Merida ist es wohl eher verständlich, da über Nacht die Temperaturen schon mal auf 5 Grad fallen können……
    Das Ritual mit dem Bindfaden ist einfach ein Glaube, daß das Kind in seinem kommenden Leben ein gutes Leben hat, das Leben sozusagen „rund“ läuft und es Erfolg hat….
    So wenigstens erzählte man es mir in meiner venozolanischen Familia…….

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