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Im Inneren des Protests: Brasilien während der WM

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Brafus berichtet für viventura von der WM2014 in Brasilien

Die Welt schaut nach Brasilien während der WM. Bereits vor der Eröffnung hat die Weltöffentlichkeit die Proteste der Menschen wahrgenommen, die kaum selbst eine Eintrittskarte erwerben können, aber fürchten, dass sie die Last des Großereignisses schultern müssen. Ein Beitrag für viventura von dem Team von Brafus2014.de – Birte Fuchs, Christian Frey und Kai Schächtele. 

 

“Es ist nur ein Artikel in unserer Verfassung”, sagt Wladimir Ribeiro Preto, “aber er bedeutet für uns täglich Kampf.” Artikel sechs spricht jedem Brasilianer das Recht auf eine Wohnung zu, und weil der Staat dieses Versprechen schon lang nicht mehr einlösen kann, gibt es Organisationen wie “Movimento Sem Teto São Paulo” (MSTS). Sie besetzt Häuser, die dem Staat oder der Stadt gehören, aber nicht verwendet werden, und stellt sie Menschen zur Verfügung, die sonst nicht nur keine Wohnung hätten, sondern auch keine Perspektive. Der 36-Jährige ist einer der Köpfe der Bewegung.

Wovon wir heute erzählen wollen, am Tag des Starts, ist, wie die Menschen in den Häusern von MSTS mit der WM umgehen. MSTS gilt sowohl hier im Land als auch in der internationalen Presse als eine der treibenden Kräfte der Proteste. MSTS hat ein Protestcamp unweit des Stadions errichtet. Dort leben diejenigen, die von der Copa aus ihren Favelas vertrieben wurden, entweder weil die Mieten in unbezahlbare Höhen geschnellt sind oder weil die Menschen umgesiedelt wurden. Das Camp wird deshalb im Moment wahrscheinlich genauso oft gefilmt wie die Pressekonferenzen der Nationalmannschaften.

 

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Im ehemaligen “Cine Marrocos” im Zentrum Sao Paulos, das MSTS vor einem Jahr besetzt hat, geht das Leben dagegen seinen alltäglichen Gang. Hier haben die Menschen ihren Kampf schon lang vor dieser WM aufgenommen und sie wissen, dass er auch weitergehen wird, wenn das Finale abgepfiffen ist. Auf unserem Streifzug durch das Kino und das Geschäftshaus, in dem 465 Familien leben, haben wir neben Wladimir auch Nildalva, Francisco und Helder getroffen. Und allen haben wir dieselbe Frage gestellt: Auf welcher Seite stehst du – auf der der WM oder auf der des Widerstands?

 

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“Ich heiße Wladimir Ribeiro Brito. Ich bin der Gesamtleiter des MSTS und laut Satzung bin ich der Sekretär der Bewegung. Ich werde Euch meine ehrliche Meinung sagen: Ich protestiere nicht gegen die WM, denn während die WM stattfindet oder nicht, kämpfe ich hier für die Bewohner. Mit der WM oder ohne, meine Schwierigkeiten bleiben dieselben. Das wird sich nicht ändern. Wenn ich sage, ich bin gegen die WM, was hilft mir das? Die Stadien wurden schon gebaut. Das, was ausgegeben werden musste, wurde schon ausgegeben. Und meine Situation mit den Bewohnern bleibt dieselbe: Sie müssen zu Mittag essen, zu Abend, Kaffee trinken. Soll die WM doch stattfinden, herzlichen Glückwunsch! Gott sei Dank findet sie weiter weg von hier statt, da drinnen im Stadion von Corinthians. Ich habe jeden Tag ein Spiel hier drinnen. Das ist es: das hier aufrecht zu erhalten, dieses Volk zu vereinen und zu kämpfen. Die WM endet am 13. Juli… Dann ist die WM vorbei, aber meine Probleme halten an. Ich pack’ den Fußball nicht mitten zwischen meine Probleme, denn er hilft mir nicht, aber er stört mich auch nicht.”

„Mein Name ist Nildalva Silva, ich bin 32. Ich habe eine 12-jährige Tochter und ich lebe für den Kampf um eine Wohnung. Als Brasilianerin glaube ich daran, dass unser Land sich ändern kann. Andererseits leiden wir unter der Situation des Landes, mit seiner Armut, mit dem fehlenden Verständnis unserer Bürgermeister und Ministerpräsidenten. Und wir können sehen, dass viele Familie traurig und aufgebracht sein werden, wenn sie sehen, dass so viel Geld, so viel Reichtum in Dingen steckt wie zum Beispiel im Fußball. Und gleichzeitig gibt es nichts zum Wohnen, nichts für ein würdiges Leben, und wer weiß, vielleicht nicht mal ein Brot für den Sohn.”

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“Mein Name ist Cícero Francisco dos Santos, ich bin 59 Jahre alt und was Ihr über mich wissen sollt, ist mein täglicher Kampf; so wie ich mit den anderen hier bin, mit ihnen zusammen kämpfe. Das ist es: Ich muss kämpfen gehen. Meine Position zur WM: Sie ist da, alle werde sie gucken, aber meine Position ist der Kampf um meine Wohnung. Wenn es am Tag der WM eine Besetzung geben sollte und wir kämpfen müssen, müssen wir raus gehen und für unsere Rechte und unser Ziel kämpfen: Das ist unser Eigenheim, Mädchen.”

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“Ich heiße Helder, bin 36 Jahre alt und bin homosexuell…total geoutet. Und ich bin einfach einer mehr, der Wohnraum sucht, der eine eigene Wohnung haben will und wir sind am Kämpfen. Das ist es. Das größte Problem ist der Wohnraum, den wir heute suchen.  Die Frage ist nicht, auf der Seite der WM zu sein, dafür oder dagegen. Ich glaube, jeder Brasilianer fiebert für die brasilianische Mannschaft, für sein Land, unabhängig von der Situation jedes einzelnen. Aber was wir sehen müssen, was wir nicht lassen dürfen, ist für unser Ziel zu kämpfen, unabhängig davon, dass es die WM gibt, die Lektionen und die Feste. Das Wichtige ist unser Ziel. Welches ist unser Ziel? Das ist unser Wohnraum. Die Bewegung hat Priorität, hat sie jetzt und wird sie immer haben. Die WM findet alle vier Jahre statt, aber wir brauchen sie nicht. Unabhängig von alledem sind wir nicht auf den Demonstrationen gegen die WM. Niemand hat gesagt, dass er die WM nicht in Brasilien will. Diese Bewegung gibt es nicht, ich halte diese Fahne nicht hoch. Unsere Fahne ist, dass das MSTS die Fahne für Wohnraum hochhält. Das ist es. Klar werde ich die Spiele gucken. Ich bin kein großer Fußballfan, aber wir gucken, weil alle zusammen sind, zusammen gucken, applaudieren. Wir werden zusammen sein. Außerdem laufen da viiiele schöne Beine rum. Schade, weil es 23 Spie… Zwölf… Elf und elf sind 22… also, 22, die hinter dem Ball her rennen. Da könnte ich doch der Ball auf dem Feld sein.”

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Der Autor:

Benno Schmidt

Benno
Als Marketeer bei viventura schreibe ich am liebsten über meine drei Lieblings-K aus Südameri-K: Kurioses, Kulturelles und Kulinarisches. Meine Liebe zu Lateinamerika habe ich auf einer ... weiterlesen

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