Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Ingrid wirklich in Freiheit

0 Flares 0 Flares ×

So wie ich saß während der letzten eineinhalb Stunden wohl ganz Kolumbien vor dem Fernseher um die ersten Bilder Ingrids in Freiheit zu sehen. Bilder, die die fast unglaubliche Nachricht ihrer Befreiung fassbar machen. Kein Märchen: Sie ist frei und ihr Gesundheitszustand ist erstaunlich gut. Mit ihr sind auch die drei amerikanischen Geiseln und 11 Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte befreit worden.
Ingrids Pressekonferenz

Die Befreiung selbst, in manchen ausländischen Medien fälschlich als Kampfhandlung dargestellt, ist ein wahrer Streich der Streitkräfte gewesen, nach einem Drehbuch das einem James Bond Filmes würdig wäre.

Die aktuelle missliche Lage der FARC nutzend, Kapital aus der aktuellen Führungs- und Kommunikationskrise innerhalb der Guerillaorganisation ziehend, gelang es dem Militär ihr Personal unter die Guerilla-Einheiten zu schleusen, die für die Bewachung der Geiseln zuständig waren. Sie gewannen das Vertrauen der lokalen Führer, gaben sich mittels gefälschter Befehle und Dokumente (Vorlagen entstammten den "berüchtigten" Reyes-Computer) als Gesandte der obersten FARC-Führung aus. Ihr Auftrag: die sich in mehreren Lagern befindlichen 15 Geiseln zusammen zu führen und zu einem bestimmten Ort aus zu fliegen, wo Cano, der neue Befehlshaber der FARC, sie in Empfang nehmen würde. So wurden die Geiseln zusammen und in Handschellen in zwei Hubschrauber gebracht. Begleitet wurden sie vom Kommandant der FARC-Gruppe. Einmal in der Luft, so erinnert sich Ingrid, sei etwas passiert. Da sie enttäuscht ihren Gedanken nach ging, merkte sie nur auf einmal wie ihr Peiniger über mehrere Jahre plötzlich nackt auf dem Boden lag und einer der Piloten sagte: "Wir gehören den kolumbianischen Streitkräfte an. Ihr seid in Freiheit!" Laut Ingrid drohte nun der Hubschrauber in den folgenden Minuten abzustürzen, so sehr seien die Befreiten in ihrer Freude herum gesprungen. Die Aktion, bei der kein Schuss abgegeben wurde, bezeichneter sie in Spanisch und Französisch als perfekt.

Als wäre die Geschichte nicht schon unfassbar genug, versetzte Ingrids erster Auftritt nach so vielen Jahren der Gefangenschaft, in freudiges Erstaunen. Als wäre sie nicht über 6 Jahre im Dschungel vergraben gewesen, beantwortete sie alle Fragen mit Geduld, Emotionen und voller politischen Weisheit. Sie scheint über alles bestens informiert zu sein und ihre Antworten werden vielen zum Nachdenken geben.

So sagte sie u.a.:

– Die Geiseln befürworten militärische Befreiungsaktionen. Ihnen ist es lieber bei einem Befreiungsversuch zu sterben, mit dem Gefühl der Freiheit näher gekommen zu sein, als im Urwald zu verrotten und eventuell von einer nicht nachvollziehbaren FARC-Jusitz hingerichtet zu werden. Hier erinnerte sie ausdrücklich an die 11 Abgeordneten des Departments Valle, welche vor einem Jahr ermordet wurden. Sie widersprach damit auch ihrer, neben ihr stehenden Mutter, die Uribe, wegen seines Festhalten an einer militärischen Aktion als eine mögliche Option, immer stark kritisierte.

– Chavez und Correa sind als Vermittler für weitere Befreiungen wichtige Personen. Sie müssen aber akzeptieren, dass das kolumbianische Volk Uribe und nicht die FARC als ihren Regenten gewählt haben. Daher sollten sie die kolumbianischen Institutionen respektieren. Ein Frieden ist für sie nur unter Bewahrung der kolumbianischen Demokratie und ihrer Institutionen möglich.

– Der wichtigste Schlag gegen die FARC sei die Wiederwahl. Bisher sei der zyklische Amtswechsel der Präsidenten für die FARC eine Zeit gewesen, sich wieder zu organisieren und Kraft zu gewinnen. Dass durch die Wiederwahl diese Einarbeitungszeit einer Regierung wegfalle, hätte den Druck auf die FARC ohne Unterbrechung aufrecht gehalten und ihnen die zeit der Erneuerung geraubt.

– Uribe sei der Präsident gewesen, den Kolumbien in dieser Zeit gebraucht hätte. Nicht nur, dass er die FARC zurückgedrängt habe, auch dass er die PARAs entwaffnete, sei etwas, was sie sich als Präsidentin nicht zugetraut hätte.

– Die FARC scheinen in den Augen der Geiseln große Probleme zu haben und unter starkem Druck zu stehen. Die Logistik leide sehr, Nahrungsmittel, Kleidung, Medikamente seien nur seit einem Jahr nur schwer zu bekommen.

Für mich hat sich heute eine starke Frau zurück gemeldet. Ingrid zeigte aus welchem Holz sie gemacht ist und dass sie bald wieder eine wichtige Rolle in Kolumbien spielen wird. Ich freue mich darauf.

Share Button

7 Antworten auf “Ingrid wirklich in Freiheit”

  1. Sarah sagt:

    Miguel, vielen Dank für diese interessante Zusammenfassung. Ich kann mir gut vorstellen, was für glücklichen Momente ihr diese Tage erlebt! Viele Grüße, Sarah

  2. Miguel sagt:

    Sarah vielen Dank für Deine netten Worte. Es ist eine wirklich besondere Stimmung. Gestern gab es Hupkonzerte und Autokorsos in der Stadt, als wäre Kolumbien Fußball-Weltmeister geworden.

    Nach dem Schock der Freude über die Befreiung von Menschen, die zum Teil 10 Jahre verschleppt waren, erwacht nun das Land mit dem Gefühl, dass ein Ende der FARC möglich ist, dass in Kolumbien überall der Frieden einkehren wird. Das ist soo schön, soweit wagten wir bisher nicht zu denken.

  3. Diana sagt:

    Hallo Miguel,
    als ich heute morgen die Nachricht ueber die Befreiung der FARC-Geiseln gelesen habe, hatte ich Gaensehaut vor Freude. Endlich kommt die Zeit in der die kolumbianische Regierung die Guerilla langsam in den Griff bekommt. Kolumbiens Einwohner sind so herzlich und gastfreundlich dass sie es verdient haben endlich in Ruhe zu leben.

  4. Peter und Helga sagt:

    Hallo Miguel, hallo Nicole,
    als wir heute im Fernsehen die Nachricht von der gelungenen Befreiungsaktion sahen, haben wir uns sehr mit Euch und allen Menschen in Kolumbien verbunden gefühlt und gefreut. So hoffen auch wir, daß dies ein wichtiger Anfang für einen dauerhaften Frieden in Eurem schönen Land ist.
    Alles Liebe von Peter und Helga

  5. Miguel sagt:

    Hallo Diana, hallo Peter und Helga,

    vielen Dank dafür, dass Ihr Kolumbien und seine Menschen nicht vergesst und jetzt mit an ihrer Freude teilnehmt.

    Ich teile Eure Einschätzungen und Hoffnungen. Das Ende dieser sinnlosen Gewalt ist eingeleitet und bald ganz Kolumbien den Frieden und sie Sicherheit geniesst, die bisher nur in den Guerilla freien gebieten zu erleben ist.

    Ganz liebe Grüße nach Deutschland und Österreich

  6. Roy sagt:

    Hallo Nicole und Miguel,
    vielen Dank für die sehr umfangreichen Informationen. Ich drücke Euch und ganz Kolumbien die Daumen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich dieses schöne Land mit seinen vielen freundlichen Menschen bald wieder besuchen könnte.

    Ganz liebe Grüße auch an Alejo und die vielen anderen. Roy

  7. Miguel sagt:

    Hola Roy,

    toll wieder von Dir zu wissen. Siehst Du, Dein Marsch mit der Präsidentengarde damals hat der kolumbianischen Armee Glück gebracht 😉 . Also warten wir hier auf Dich. Danke für Deine guten Wünsche

    Un abrazo Nicole, Alejo, Miguel

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Kolumbien 2016

Tweets von @viventura_de

viExplorer

Kolumbien 2017

21 Tage, inkl. Flüge
Top-Highlights Kolumbiens
  • Cartagena: Koloniales Schmuckstück
  • Kaffeepflücken in der Kaffeezone
  • Popayan, Tatacoa Wüste & San Agustin
  • Traumstrände im Tayrona Nationalpark

ab 3099 EUR