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Patagonien extrem: Interview mit Bergsteiger R. Jasper

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robert.jasperRobert Jasper gilt seit langem als einer der weltweit erfolgreichsten Kletterer im Eis und Mixedgelände. Neben dem Klettern hält er Dia- und Firmenvorträge, veranstaltet Outdoortrainings und Bergführungen und schreibt derzeit an einem Buch über seine Erlebnisse in den Bergen der Welt. Während seiner langjährigen Laufbahn zog es ihn auch mehrmals nach Südamerika. Wir hatten die Möglichkeit, Robert Jasper ein paar Fragen zu stellen.

Foto: Robert Jasper

viventura: Sie gelten als der weltweit erfolgreichste Mixed-Kletterer. Können Sie unseren Lesern kurz erklären, was man sich darunter vorstellen muss?

Robert Jasper: Unter Mixedklettern versteht man das Klettern in gemischtem Gelände aus Fels und Eis mit Eispickeln und Steigeisen. Diese Art des Kletterns kann man z. B. auch an den großen Nordwänden der Alpen vorfinden.

Was begeistert Sie am Extrembergsteigen?

Zunächst liebe ich die großen Herausforderungen an der Steilwand oder am Berg. Am meisten reizen mich jedoch Erstbegehungen an den großen Nordwänden. Neue Wege zu erkunden und sportliche Höchstleistungen in die Tat umzusetzen ist das Größte. Auf Expeditionen wie bei meiner vergangenen nach Feuerland ans „Ende der Welt“ ist es für mich ein großes Abenteuer, die letzten „weißen Flecken“ auf der Landkarte zu entdecken. Mit Freunden Berge zum ersten Mal zu besteigen, hoch zu klettern, wo noch nie ein Mensch zuvor war – das ist einfach genial!

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Foto: Robert Jasper

Sie sind mehrmals in Patagonien und Feuerland geklettert. Was fasziniert Sie so an diesem Teil Südamerikas, dem sogenannten „Ende der Welt“?

Am meisten fasziniert mich die wilde Schönheit der Natur und die fast überall noch unberührte Bergwelt. Zwar herrscht dort extremes Klima, Sturm, Regen und wegloses Gelände fordern den erfahrenen Bergsteiger, das aber gerade macht auch das Abenteuer spannend. Ab und zu gibt es dann doch mal ein paar Sonnenstunden als I-Tüpfelchen, das macht dann die wilde Schönheit der Bergwelt aus. Nirgendwo anders auf der Welt ist man den Naturgewalten so hautnah wie dort unten. Das ist zum Bergsteigen zwar denkbar ungünstig, geht man aber durch dick und dünn und harrt oft wochenlang im Schlechtwetter aus, wird man mit fantastischen Natureindrücken und manchmal sogar mit einem dieser bizarr eisverkrusteten Gipfel belohnt – das ist für mich ein Traum.

Welche Expeditionen in Südamerika waren für Sie am prägendsten und warum?

Die meisten meiner Expeditionen waren echt harte Brocken. Man setzt sich ja hohe Ziele. Da die Wetterbedingungen so unberechenbar und extrem sind, kann man noch so gut trainiert und fit für den Berg sein. Viel hängt von der Psyche, dem Durchhaltewillen und dem Wetterglück ab. Man muss cool bleiben und auf die Chance warten, dann ist Schnelligkeit und höchstes Kletter-Können meist der Schlüssel zum Erfolg. Die Erstbesteigung des Cerro Murallon Nordwand, die auch für den Piolet d’Or, dem Oscar des Bergsteigens, nominiert wurde, war für mich genauso wie die schnellste Besteigung des Cerro Torre, wo wir schon 1992 den Speedrekord aufstellten, oder die diesjährige Erstbesteigung des Monte Giordano über die „Shark’s Fin Ridge“ ein absolutes Highlight.

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Foto: Robert Jasper

Zu Ihren Highlights zählt auch die weltweit schnellste Besteigung des Cerro Torre. Wie haben Sie sich die dafür notwendige Kondition erarbeitet?

In bin Profibergsteiger, ich trainiere Berglauf, Klettern und gehe sehr viel bergsteigen. 1992 schaffte ich mehr als 50 extreme Alleingänge in den Alpen, die Nordwände von Eiger, Matterhorn und Grandes Jorasses waren darunter, da ist man dann fit für solche Sachen.

Hatten sie bereits die Möglichkeit, Südamerika abseits von Kletterrouten kennenzulernen?

Nein, ich brauche immer das Gipfelziel als Auslöser für meine Reisen. Ich war aber bei meinen mittlerweile sieben Expeditionen nach Patagonien und Feuerland immer mehrere Monate unterwegs, natürlich lernt man da Land und Leute kennen. Ich liebe Argentinien, es ist ein grandioses Land, wo man noch viele Abenteuer erleben kann. Die Leute sind echt locker drauf, manchmal ist alles recht chaotisch, aber am Ende klappt es dann doch meist. Sie sind einfach sehr temperamentvoll, herzlich und spontan, eben genau so wie das patagonische Wetter.

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Foto: Robert Jasper

Können Sie unseren Lesern Ihre persönlichen Top 3 Orte in Südamerika nennen?

Buenos Aires ist die Hauptstadt von Argentinien, um die man nicht herum kommt, eine echt tolle Stadt. Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt ist für mich ein ein Highlight, weil sie der Ausgangsort für viele meiner Abenteuerexpeditionen und vor allem der letzte Punkt unserer Zivilisation war.  Der Ort Chalten ist für mich ebenfalls sehenswert, vor 20 Jahren standen da nur ein paar Hütten. Heute bekommt man alles, es ist für mich das Chamonix Südamerikas, das Bergsteiger-Mekka! Von dort sieht man die bizarren Berge wie den Cerro Torre, wenn das Wetter gut ist. Ich kann nur jedem empfehlen auf Entdeckungsreise zu gehen, es lohnt sich hinter den Kulissen der Orte auf Suche zu gehen.

Können Sie unseren Lesern Ihre persönlichen Top 3 Orte in Patagonien/Feuerland nennen?

Erstens die Schneehöhle unter der Nordwand des Cerro Murallon, dann die Schneehöhle auf der Schulter des Cerro Torre und schließlich die Schneehöhle auf halber Höhe am Monte Sarmiento. An diesen drei Orten habe ich insgesamt sicher über einen Monat verbracht, das waren sehr emotionale Momente in meinem Bergsteigerleben. Wir mussten auf gutes Wetter hoffen und abwarten. Man friert, hungert und hofft, das war sehr zermürbend. Am Schluss stand aber immer ein grandioser Gipfel, ein echtes Abenteuer, die Farbe in einem Gemälde, ein Juwel für mich als Bergsteiger.

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Foto: Robert Jasper

Sind sie während Ihrer Expeditionen auch mit Einheimischen in Kontakt gekommen? Wie haben Sie die Mentalität dieser Leute empfunden?

Ja, mit ganz verschiedenen Leuten. Die Gauchos und Fischer führen ein entbehrungsreiches, hartes Leben, meist in der Wildnis, für uns fast unvorstellbar. Sie reden nicht viel, lernt man sie aber kennen, sind sie sehr herzlich und meist auch sehr zufriedene Menschen. Ich habe auch den Gouverneur der Provinz „Feuerland, Antarktis und südatlantische Inseln“ kennengelernt, ein sehr gebildeter Mann, der sich auch von unserer Bergbegeisterung anstecken ließ und uns mit einer Genehmigung in einer aussichtslosen Situation half. Aufgefallen ist mir, dass, egal welchen Beruf die Menschen haben, sie meist recht zufrieden wirken. Oft geht es auch etwas gemütlicher, eben „tranquilo“, als bei uns in Deutschland zur Sache.

Haben Sie etwas von Kultur und Traditionen in Patagonien kennengelernt? Hat sie davon etwas besonders beeindruckt?

Ja, die Lebensweise der Feuerland-Indianer hat mich beeindruckt und wirklich vor Rätsel gestellt. Wir konnten sie nur mit Fellen gekleidet in dieser rauen, kalten und wilden Natur überleben? Wir kommen trotz unserer Hightech-Ausrüstung und warmen Schlafsäcken oft bei den Expeditionen an die Grenzen des Menschenmöglichen. Die Indianer haben dort jedoch gelebt!

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Foto: Robert Jasper

Gibt es einen Berg in Südamerika, den Sie unbedingt noch besteigen wollen und warum?

Ich bin sehr glücklich, dass die letzte Expedition schlussendlich erfolgreich war und wir den Monte Giordano erst-besteigen konnten. Cerro Torre, Cerro Murallon, Monte Sarmiento, das waren schon harte Brocken und mehr Berge als ich je zu träumen gewagt hatte. Na ja, ganz ehrlich gesagt habe ich aber da schon noch ein paar Träume. Sobald ich unbestiegene Berge sehe, fange ich das Träumen wieder an. Diese Berge müssen aber jetzt erst einmal warten. Es gibt so viele Länder auf der Welt. Ich will in den kommenden Jahren erst einmal wieder ins Himalaja und in andere Bergregionen reisen, da habe ich auch noch ein paar Träume offen.

Welche Ausrüstung können Sie Nicht-Bergsteigern für eine Klettertour in Patagonien empfehlen? Was sollte man unbedingt dabei haben?

Ohne meine Marmot Nano Gore Tex Jacke gehe ich auf keine Expedition, die sollte immer in Feuerland oder Patagonien dabei sein. Wind und wasserdicht und trotzdem atmungsaktiv, das kann man dort unten jeden Tag gut gebrauchen!

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Foto: Robert Jasper

Auf unserer Patagonien XXL Tour bieten wir eine 3-tägige Trekkingtour durch den Torres del Paine Nationalpark an. Können Sie unseren Lesern einen Tipp geben, wie sie sich geistig und körperlich am besten auf die bevorstehende Anstrengung vorbereiten können?

Immer spontan blieben, die gute Laune nie verlieren und das Beste aus jedem Tag machen. Egal ob es schneit oder regnet, gerade dann ist das Abenteuer oft am größten. Wenn die Sonne lacht, wird es dann nur umso schöner…

Bitte vervollständigen Sie diese Sätze:

– Südamerika ist für mich… der Kontinent, wo ich die Naturgewalten hautnah erleben kann, der Kontinent meiner Träume.

– Mein südamerikanisches Leibgericht ist …Cafe con leche mit einem guten Stück Kuchen. Nach einer zweimonatigen entbehrungsreichen Expedition ist aber auch nichts gegen ein zünftiges Asado am Lagerfeuer mit einem Glas Rotwein einzuwenden.

Wir danken Robert Jasper für das interessante Gespräch. Mehr Informationen über den Bergsteiger erhalten Sie hier.

Erleben Sie mit uns die atemberaubende Natur Patagoniens und Feuerlands. Entdecken Sie auf unserer viActive Patagonien Tour Buenoes Aires, Ushuaia, Chalten und Cerro Torre.

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