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Peru startet durch!?

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Version.de.la.Llama.Peruana_78831„Was? Eine Pizza in Berlin ist günstiger als in Lima?“, fragte meine beste peruanische Freundin verwundert, als sie kürzlich in Deutschland zu Besuch war. Ist Peru wirklich so teuer geworden oder ist Berlin einfach eine sehr günstige Stadt, auch im weltweiten Vergleich? Tatsächlich bezahlt man 4,50 EUR für eine Pizza in Berlin, 5,00 EUR dagegen in einer Pizzeria der mittleren Preisklasse in Lima!

Nach fast 3 Jahren in Deutschland stellt sich mir die Frage, ob sich in meinem Heimatland viel geändert hat. Auf der Suche nach einer Antwort rufe ich zu Hause an. Jeder Peruaner kann sich leicht an an die 1980-er Jahre erinnern, als die Inflation zu einer Hyperinflation wurde. Der monatliche Gehaltsscheck meines Vaters schrumpfte innerhalb von 3 Monaten auf den Wert meines Taschengeldes. Meine Mutter hat jedoch nicht das Gefühl, dass das Leben in Peru teurer geworden ist. Sie ist sehr positiv gestimmt und erzählt, dass meine Schwester einen neuen Job hat und mein Bruder demnächst in seine neue Eigentumswohnung zieht. Sogar Paul McCartney war vor kurzem in Lima!

Das mag ja alles ganz normal für Europäer klingen, aber gilt das nun auch für Peruaner? Vor kurzem las ich das Buch „Gespräch in der Kathedrale“ des peruanischen Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa. Ich erinnere mich an eine Stelle des Buches besonders gut. Dort fragt sich die Hauptfigur des Romans, der hoffnungslose Santiago Zavala: „En que momento se jodio el Peru?“ Wann genau hatte sich Peru in die Scheiße gesetzt? Dieses Gefühl der Verzagtheit hatte auch mich manchmal begleitet. Peru war ein wunderschönes, vielfältiges Land, aber mit einem Volk ohne Hoffnung, ohne Bildung und mit jeder Menge Pech; seit 1982 war Perus Fußball-Nationalmannschaft nicht mehr bei einer Weltmeisterschaft vertreten! Darunter leiden die Peruaner sehr.

mario.vargas.llosa

Foto: Mario Vargas Llosa (TheManBookerPrizes)

Hat sich das jetzt geändert? Ich recherchiere in einer peruanischen Zeitung und bleibe bei einem Artikel über die Staatsschulden Perus hängen. In einer Zeit, in der Europa um ihre Sorgenkinder wie Griechenland oder Portugal bangt, ist Peru sehr stolz auf seine geringe Schuldenquote. Im Jahr 2010 lag diese bei nur 15% des BIP. Im selben Jahr hatte die Wirtschaftsnation Deutschland eine Schuldenquote von 83%. Aber wer nicht viel hat, kann auch keine großen Kredite aufnehmen…

Könnte es also sein, dass sich Peru das schöne neue Leben nur einbildet? In einer deutschen Zeitung entdecke ich einen Artikel über Lima. Heutzutage werden 100% mehr Bücher in Peru verkauft als in den 80-er Jahren und die Kinos und Theater sind so gut besucht wie noch nie. Weiterhin steht geschrieben, dass vor rund 10 Jahren noch jeder zweite  Peruaner unterhalb der Armutsgrenze lebte, heute ist es nur noch jeder dritte. Das bedeutet, dass in einem Land mit knapp 30 Millionen Einwohnern in der Zwischenzeit 5 Millionen Menschen die Armut verlassen haben und nun, nach vielen Jahren des Kampfes, zur Mittelschicht gehören, die ihr Geld für Kultur und Unterhaltung ausgibt und sogar bereit ist, regelmäßig Steuern zu zahlen!

LimaFoto: Lima

Es scheint sich also wirklich etwas getan zu haben. Der Tenor Juan Diego Florez tritt im Konzerthaus Baden-Baden auf, ein Artikel über den peruanischen Fotografen Mario Testino erscheint in der deutschen Vogue und ein peruanischer Film erhält erstmals einen Goldenen Bären auf der Berlinale 2012. So etwas gab es vor ein paar Jahren noch nicht. Freunde und Familie betrachten Peru jetzt als eines der erfolgreichsten Länder Südamerikas. Sie posten Fotos auf Facebook von ihren Neuwagen, Häusern und ihrem letzten Urlaub.

Die Frage sollte deshalb wohl nicht mehr lauten „Wann genau hatte sich Peru in die Scheiße gesetzt?“, sondern „Wann genau hat Peru den Weg aus der Scheiße gefunden?“ Obwohl es noch immer viel zu tun gibt und Peru mit großen Problemen wie Kriminalität, Korruption und sozialen Konflikten zu kämpfen hat, ist die Stimmung im Land so gut wie schon lange nicht mehr. Wer weiß, vielleicht schaffen wir es so auch wieder zu einer Fußball-Weltmeisterschaft…

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Entwicklung in Peru oder anderen südamerikanischen Ländern? Wir freuen uns über viele Kommentare!

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2 Antworten auf “Peru startet durch!?”

  1. Alexander Götz sagt:

    En qué momento se había jodido el Perú?
    Die Textstelle in Vargas Llosas Roman ist leicht zu finden, da es der 2. Satz ist. Und als Vargas Llosa 1969 diesen Satz schrieb, stand Peru das Schlimmste ja noch bevor.
    Mittlerweile hat sich aber wirklich ein beeindruckender Wandel vollzogen. In den 80ern und bis in die 90er Jahre wollten noch die meisten Peruaner auswandern (und viele haben es auch getan), aber das ist mittlerweile nicht mehr so (manche sind auch zurückgekehrt).
    In der Woche um den 28. Juli nimmt der innerperuanische Reiseverkehr jedes Jahr enorm zu. Die Limenos möchten v. a. ihre Verwandten in den Provinzen besuchen, aber auch (endlich!) Cusco und Machu Picchu kennenlernen. Vor wenigen Jahren hatten dafür die meisten noch kein Geld.
    Aber das sollte den Blick auf das andere Peru nicht vernebeln:
    Noch immer sterben jedes Jahr in Puno und den benachbarten Departamentos hunderte von Kindern an Lungenentzündung, weil sie nicht ausreichend gegen die eisigkalten Nächte geschützt werden (können). Es bleibt eine Aufgabe für Generationen, Strom, Infrastruktur etc. in die entlegendsten Andendörfer zu bringen. Mal sehen, ob Humala, der ja aus einer der ärmsten Andenregionen stammt, in diese Richtung etwas bewegt.
    Wann also hat Peru den Ausweg aus der Misere gefunden? – Mit der Niederschlagung des Terrorismus, – mit der Einführung wachstumsfördernder Wirtschaftsreformen unter Fujimori, – mit der Wiedererlangung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit seit 2000 (bei allen Defiziten), – mit der Erschließung der Gasvorkommen, – mit dem Aufblühen des Tourismus, – und nicht zuletzt mit dem Unternehmergeist, der Tatkraft, dem Erfindungsreichtum vieler Peruaner, was endlich Früchte trägt.
    (Seit 1996 erlebe ich diesen Wandel in eigener Anschauung.) Viva el Perú!

    • Reni sagt:

      Hallo Alexander,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Es ist toll, wenn auch du diesen Wandel miterlebst. Selbstverständlich hast du Recht: Es geht noch längst nicht allen Peruanern so gut wie der neuen Mittelschicht. Das sollten wir auf keinen Fall vergessen. viSozial engagiert sich deshalb weiterhin in Peru für die Verbesserung der Lebensbedingungen. Wir hoffen jedoch wie du, dass die Regierung auch in den ärmsten Regionen des Landes etwas verändern kann.
      Viele Grüße, Reni

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Der Autor:

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