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Kolumbien setzt auf ökologischen Tourismus

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habitacion del ALMEJALÖkologischer Tourismus: Allheilmittel für den Tourismus oder purer Etikettenschwindel? Heute möchte ich euch vorstellen, wie eine Gruppe touristischer Unternehmer in Kolumbien ökologischen Tourismus definieret und anhand eines praktischen Beispiels zeigen, wie er in die Tat umgesetzt wird.

Die weltweite Aufmerksamkeit am letzten Klimagipfel in Stockholm belegt das Interesse am Schutz und der Bewahrung unseres Planeten. Es überschreitet Grenzen und ist zum persönlichen Anliegen vieler Menschen geworden. Gerade dem Tourismus sollte der Erhalt unserer Erde eine wichtige Aufgabe sein und er könnte eine führende Rolle dabei übernehmen. Dabei ist es wichtig, nicht nur Flora und Fauna dieser Welt zu schützen, sondern auch die verschiedenen Kulturen mit ihren Bräuchen müssen erhalten bleiben.

Doch wie kann diese Aufgabe in die Praxis umgesetzt werden? Was muss ein „ökologischer“ Tourismus beinhalten, wenn so etwas überhaupt möglich ist. Ohne anmaßen zu wollen, dass wir DIE Antwort darauf hätten, möchte ich euch vorstellen, wie einige kolumbianische Unternehmungen diese Fragen beantworten. Gleich zu Beginn: Eure Meinung hierzu ist uns überaus wichtig und natürlich sehr willkommen.

Im Tourismus finden wir viele Anbieter, die sich gerne mit dem Etikett „ökologischer“ Tourismus schmücken. Es verkauft sich gut, und macht einen guten Eindruck. Doch es gibt in Kolumbien noch keine verbindliche Regelung,  die einen solchen Tourismus festlegt oder besagt, welche Kriterien zu erfüllen sind. So haben vor allem wir ausländischen Veranstalter uns zur Aufgabe gemacht, Regeln aufzustellen und die Charakteristika eines ökologischen Tourismus für unsere Anbieter zu definieren. Nach langen Nachforschungen, Diskussionen und Formulierungen haben wir uns auf diese vier Pfeiler geeinigt:

1. Schutz und Erhaltung der Flora, Fauna und Kultur

2. Finanziell tragbar

3. Einbeziehen der örtlichen Gemeinden

4. Bewusstsein über die Kriterien des ökologischen Tourismus zu schaffen, und dessen Verbreitung zu fördern

Wie setzt man das um? Anhand des Beispiels der „Lodge El Almejal“ möchte ich euch die Umsetzung dieser vier Forderungen vorstellen. „El Almejal“ liegt am gleichnamigen Strand bei der Ortschaft „El Valle“, die zur Gemeinde Bahia Solano ( 06º 23′ 08″ N / 77º 23′ 54″ O ) im nördlichen Pazifik Kolumbiens gehört. Um zu „El Almejal“ zu gelangen, fliegt man am besten bis nach Bahia Solano. Von hier sind es ca. 40 Minuten bis zu „El Valle“ und zum Strand Almejal. Die Straße ist weitestgehend ungeteert, wie es sich für eine Straße durch den Dschungel eigentlich auch gehört. In die Gelegenheit höher als in den zweiten Gang zu schalten, kommt der Fahrer kaum. Das Wort „fahren“ kann auch durch „schaukeln im Schildkrötentempo“ passend ersetzt werden. Die Fahrt ist entspannt und gehört zum Erlebnis „pazifische Wildnis“.

Sollte es regnen, dauert die Fahrt entsprechend länger, bleibt aber entspannt und die Ankunft am Strand entschädigt für die lange Anfahrt: An dem großen, weiten, fast menschenleeren Strand,  lässt es sich gut aushalten, und man kann dort wunderschöne Sonnenuntergänge beobachten. Bei starkem Wellengang sitzen die Surfer auf ihren Brettern und warten auf „die“ Welle. In den Monaten zwischen Juli und Oktober können von hier aus auch Buckelwale beobachtet werden. Könnte es ein eindrucksvolleres „Willkommen“ geben, als aufspringende Wale?

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Die Lodge verfügt über geräumige und komfortable Hütten, jede mit ihrer eigenen Terrasse. Von hier hat man den Blick in einen Garten voller Orchideen, Früchte und vieler anderer Blumen. In der Hängematte baumelnd kann man wunderbar viele bunte Schmetterlinge  beobachten, die von den exotischen Blumen im Garten angezogen werden. Entspannung pur.

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Vom Restaurant aus ist die Sicht auf das nahe Meer sehr gut. Das Essen hier ist lecker und exotisch: Gerichte aus der Region, zubereitet mit den besten Zutaten aus der Gegend. Am Beispiel der Speisen finden wir gleich zwei der vier Kriterien erfüllt: Finanzielle Tragbarkeit und Einbeziehen der Gemeinden.

Finanzielle Tragbarkeit, weil der Großteil der Früchte, des Gemüses und der Kräuter in den Gärten der Lodge gezogen wird. Da der Sandboden am Strand nährstoffarm ist, produziert die Lodge ihren eigenen Boden, dank  der  Kompostierung der organischen Abfälle, die im Hotelbetrieb anfallen. Hier sollte noch erwähnt werden, dass die Kompostierung in Kolumbien nicht sehr verbreitet ist. El Almejal nimmt hier somit eine Vorreiterrolle ein.  Dadurch, dass die Lodge lokale Speisen serviert und auf  internationale Küche verzichtet, gibt sie den Menschen aus der Umgebung nicht nur Arbeit, sondern  auch eine Chance ihre Küche, als Ausdruck ihrer Kultur, den Besuchern zu präsentieren. Es werden keine Köche von außerhalb geholt, die ein Schnitzel oder Pommes Frites zubereiten können. Kein Zweifel, ein Fischgulasch nach Choco Art oder ein Nachtisch aus Mais bekommt keiner so gut hin wie diese Menschen, die es verstehen, die  kulinarischen Schätze der Region auf den Tisch zu bringen. Zusätzlich erlaubt die Lodge den Kunsthandwerkern der Gegend ihre Arbeiten an der Rezeption zu zeigen und zu verkaufen.

Zwischen September und Januar können Touristen aktiv am ersten Pfeiler des Ökotourismus mitwirken, dem Schutz und Erhalt der Fauna. Während dieser Zeit legen die großen Meeresschildkröten ihre Eier in den Sand des Strandes. Die Eier werden eingesammelt, und in einer abgezäunten Fläche auf dem Gelände der Lodge vergraben. Hier sind sie sicher vor tierischen und menschlichen Fressfeinden. Wenn die Schildkröten dann schlüpfen, tragen die Touristen diese an den Strand und begleiten sie bei ihrem Lauf zum Wasser. Keine leichte Aufgabe für die Kleinen, noch dazu, wenn Adler oder Geier auf sie warten. Ohne den Schutz durch die Touristen, würden sich viele vergebens durch den Sand kämpfen. Aber auch das Schwimmen will für eine kleine Schildkröte erst einmal gelernt sein.  Gar nicht so einfach herauszufinden, die Strömungen so zu nutzen, dass sie nicht immer wieder an den Strand zurückgeworfen werden. Es bedarf einiger Anläufe, bis auch dieses Hindernis überwunden ist. Zurück bleibt der Beobachter, der befreit „seinem Patenkind“ nachsieht, wenn es endgültig in die Weiten des Pazifiks abtaucht.

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Während einer Wanderung durch den „Lehrpfad“ der Lodge sind weitere Beispiele für den Schutz und Erhalt der Flora sichtbar. Der Pfad ist nur 500m lang, doch der Rundgang dauert bis zu zwei Stunden. Dank der ausführlichen Informationen über die aufregende Vielfalt an Pflanzen und über die Tricks, die diese nutzen, um  sich einen „Platz an der Sonne“ zu sichern, lernt der Besucher viel über die Pflanzenwelt, und wie sie geschützt werden kann. Die Zeit vergeht wie im Fluge, während die Guides die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer fesseln. Wer dachte, Pflanzen würden sich nur damit beschäftigen grün zu sein, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass einige Pflanzen durch den Dschungel wandern? Richtig gelesen, 3 Meter in 40 Jahren. Zugegeben, Michael Schumacher ist eindeutig schneller, aber er muss sich nur auf vier Reifen und nicht auf ein gutes Dutzend Wurzeln konzentrieren. Andere Pflanzen wiederum täuschen Schmetterlinge mit Blüten, die wie sich sonnende Schmetterlinge aussehen. Weil sie nicht in der Lage sind, Wachs zu produzieren, das ihre Pollen vor dem Regen schützt, übernehmen so die Schmetterlinge diese Aufgabe… Listig!

Was würdet ihr sagen, würde euch der Guide auf einmal zurufen „Achtung, da steht ein Velociraptor!“ oder irgend ein anderer vor 70 Millionen Jahren lebender Dinosaurier. Keine Sorge, der „Lehrpfad“ ist keine kolumbianische Version des Jurassic Parks, doch findet ihr hier Pflanzen, die genetisch seit 70 Millionen Jahren unverändert sind und somit als lebende Fossilien gelten.

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Spätestens am Ende dieser Wanderung werdet ihr die Wichtigkeit des Schutzes und Erhalts eurer Umwelt aufgesaugt haben. Ihr werdet auch zustimmen, dass dafür die Gemeinde einbezogen werden soll, und dass in unserer heutigen Welt auch ökologisch orientierte Unternehmen ihre finanzielle Tragbarkeit sichern müssen. Schlussendlich seid ihr der vierte Pfeiler des ökologischen Tourismus: Ihr habt euch über diese Art von Tourismus informiert und werdet eventuell bei der Wahl eures nächsten Urlaubs auf solche Kriterien achten.

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Neben El Amejal gibt es noch weitere Lodges und touristische Unternehmungen in Kolumbien, die den Gedanken des ökologischen Tourismus in die Realität umsetzen.  Ebenfalls an der pazifischen Küste  etwas südlich von Nuquí, befindet sich zum Beispiel die Ecolodge El Cantil (Breitengrade 5º 37’28¨; Längengrade 77º 25′ 09.2¨). Direkt am Meer und mitten im Urwald gelegen bietet sie eine wunderbare Aussicht auf den Pazifik und ist umgeben von vielen kleinen Flüssen mit frischem Wasser. Wer die Natur und die Ruhe liebt, ist hier genau richtig. Auf der viActive Kolumbien Pazifik kannst du die Magie der kolumbianischen Pazifikküste selbst erleben und dich von der ökologischen Nachhaltigkeit der Lodge überzeugen.

Erzählt mir doch bitte: Was ist für euch ökologischer Tourismus?

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6 Antworten auf “Kolumbien setzt auf ökologischen Tourismus”

  1. Andrea sagt:

    Was es für mich ist? Genau das!
    Es ist für mich immer wieder ein Horror, nach solchen Erlebnissen in irgendeine Stadt zurück zu kommen.
    Da will man am Liebsten gleich wieder in die Natur zurück und niemanden sehen und hören. Sehr schöner Bericht, Miguel.

  2. Morn sagt:

    Diese Natur ist schon was feines. und sollte auch weiterhin geschützt werden.

  3. Miguel sagt:

    Hallo Andrea,

    danke für deine Worte. Den von dir beschriebenen Schock bei der Rückkehr in die „Zivilisation“ angeht, kann ich wirklich nachfühlen. Länder wie Kolumbien haben zum Glück noch viele Gebiete, in denen man sich vor dem modernen Alltag zurück ziehen kann. Ich haffe sehr, dass wir in Kolumbien diese lange, wenn nicht für immer bewahren können.

    Saludos desde Bogotá

  4. Miguel sagt:

    Buenas Morn,

    ganz deiner Meinung. Wenn du oder einer der Leser Vorschläge habt, was wir noch unternehmen könnten um über den Tourismus für den Erhalt dieser Natur zu sorgen, freue ich mich sehr, diese zu erfahren.

    Saludos

  5. Christina sagt:

    Ich finde, dass die Lodge und das dazugehörige Angebot für die Touristen schon sehr gute Ansätze eines ökologischen Tourismus zeigt. Sehr wichtig ist immer die lokale Bevölkerung miteinzubeziehen und das wird ja auch umgesetzt, z.B. regionale Küche… Wie sieht es aus mit der Bauweise der Lodge, ist sie im natürlichen Baustil gebaut, wurde natürliches Baumaterial benutzt? Wird eine Art Ökostrom verwendet, wie wird mit Müll umgegangen? Werden Einheimische auch als Guides eingesetzt?..wie wäre es mit neben dem Schildkrötenprojekt und dem Lehrpfad auch noch einen Einblick in kulturelle Aspekte zu geben, so z.B. Kochen oder Herstellung von regionalen handwerklichen Besonderheiten…es gibt viele Möglichkeiten ökologischen Tourismus zu fördern…wichtig ist auch nicht in die natürliche Umgebung einzugreifen und die Natur und Kultur der einheimischen Bevölkerung zu wahren. Wenn es bei dem Schildkrötenprojekt also wirklich vorrangig um Schutz geht, so finde ich es auch sehr gut (andererseits: greift man hier nicht in den natürlichen Lebenskreislauf ein, da bin ich mir unsicher) Kolumbien und auch viventura (ihr berichtet über dieses Projekt und gebt den Anstoß mit der Festlegung eurer Kriterien…logisch DIE Lösung gibt es nicht) ist auf dem richtigen Weg und wer weiß vielleicht wird es auch irgendwann einen stärkeren Einfluss der Regierung geben um diese sanftere Form des Tourismus zu fördern, so wie es z.B. in Costa Rica der Fall ist. Es lohnt sich die Entwicklung weiter zu beobachten.

  6. Miguel sagt:

    Hallo Christina,

    vielen Dank für deine Gedanken, sie motivieren weiter zu machen und zeigen weitere Möglichkeiten auf.

    Zu deinen Fragen:
    1. Baumaterial: wird sowohl in El Cantil als auch in Almejal aus der Umgebung geholt, es ist das gleiche Material, dass auch die Einheimischen benutzen. Ausnahmen gibt es bei den Bädern, für die Kacheln und Keramik aus dem Inland gebracht wird. Ebenso sind Nägel aus dem Inland.
    2. Einheimische Guides: ja, in beiden Lodges. Gerade Pozo (El Cantil) hat sich durch sein Wissen und seine natürliche, freundliche Art bei allen Besuchern als wahrer Botschafter seiner Kultur behauptet. Am Rande: Pozo hat keinen Schulabschluß, Schreiben und Rechnungen ausstellen sind nicht seine Lieblingsaufgaben. Ich bewundere ihn aber u.a. dafür, dass er seinen drei Töchtern durch seine Arbeit in El Cantil das Studium ermöglichen konnte. Auch wenn sie wegen ihrer Berufe nicht mehr in Nuqui bleiben können, ist auch er sehr stolz auf seine Töchter.

    El Cantil produziert seine eigene Energie mittels einer Wasserturbine. Der Strom reicht gerade aus, um Kamerabatterien und Handys zu laden. Es gibt nur zwischen 18 und 22 Uhr Strom. El Almejal wird über das örtliche Netz versorgt, der Strom wird aus Wasserkraft gewonnen, wie 80% des kolumbianischen Stroms gewonnen wird.

    Organischer Mühl wird im Falle von El Almejal kompostiert. Dort werden die Touristen auch zur Mühlvermeidung angehalten, d.h. man ermutigt die Besucher Wasser in großen Kanistern zu kaufen und dann den Bedarf für die Wanderung oder den Tag einfach in die Feldflasche umzufüllen. Es werden Pfandflaschen benutzt. El Cantil bittet die Besucher um Mühlsortierung. Nicht organischen Mühl sollen die Besucher wieder nach Nuqui, wo es ein Mühlanlage oder am besten nach Medellin oder Bogota zurücknehmen.

    Ich sehe deine Bedenken wegen des Eingriffs in den natürlichen Lebenskreislauf, wenn der Mensch einem hungrigen Geier davon abhält eine Schildkröte zu verspeisen. Leider ist aber dieser Kreislauf durch den Menschen schon aus dem Gleichgewicht gebracht. Er hat die Brutplätze der Schildkröten zerstört. Dazu sind menschliche Nesträuber die effektivsten „Eierfinder“!

    Deine Idee, dass Touristen die Rezepte nachkochen oder regionale Handwerkliche Besonderheiten herstellen finde ich sehr gut. Ich werde sie mal mit El Cantil und El Almejal besprechen, aber auch mit anderen Unterkünften, die wir nutzen. Tatsache ist, dass wir in Salento den Gruppen die Möglichkeit bieten, mit Unterstützung eine einheimischen Kunsthandwerkerin, ihr eigenes Souvenir aus den Samen der nahen Wälder zu machen.

    Christina, noch einmal vielen Dank für deine Gedanken und vor allem für dein Interesse an einem ökologisch vertretbaren Tourismus.

    Beste Grüße aus Bogota

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

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