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Peru: Maria lernt Lesen und Schreiben

01. Sep 2008Allgemein 1 Kommentar

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Es ist 14 Uhr in Alto Jesus, einem Armenviertel in Arequipa. Ich sitze neben Eduardo und Luzmila, mir gegenüber Maria, Theresa und Anna. Am Tisch nebenan warten auch schon Rosita, Maria und Angela auf ihren Lehrer Emilio, der ihnen Lesen und Schreiben beibringt. Der heutige Unterricht beginnt mit der Wiederholung und Zusammenfassung der letzten Stunde. „Ist das Stillen von Kindern wichtig?“ „Warum sollten Frauen ihre Kinder stillen?“ Luzmila antwortet:“Weil die mütterliche Wärme die Kinder schützt und Milch das wichtigste Nahrungsmittel für Babies ist.“ „Wie viele Kinder hast du denn?“, fragt Eduardo. „Acht Kinder hab ich, das reicht doch oder?“ antwortet sie. Alle lachen!

Señora Luzmila ist 65 Jahre alt, sie hat acht erwachsene Kinder. Alle können Lesen und Schreiben. Sie kann es nicht und lernt es nun seit Juni zusammen mit 14 weiteren Gleichgesinnten bei Lehrer Emilio. Luzmila ist Analphabetin, genau wie eineinhalb Millionen andere Peruaner. Im Gebiet Paucarparta, der mit 300.000 Einwohnern größte Stadtteil Arequipas zu dem auch Alto Jesus gehört, leben offiziell 1.700 Analphabeten. Überwiegend Herren und Damen wie Luzmila, Eduardo oder Maria, die ohne Familie in Arequipa leben. Sie sind oft vor Jahrzenten aus Puno oder Cusco nach Arequipa gekommen, da sie sich in der Großstadt ein besseres Leben erhofften. Viele ihrer Kinder oder Enkel leben nun in Lima, um in der Hauptstadt ihr Glück zu finden. So bleiben sie meist zurück und müssen fortan ihr Leben oft alleine meistern.

PRONAMA (Programa Nacional de Movilización por la Alfabetización) wurde 2006 ins Leben gerufen, mit dem Ziel bis zum Jahre 2011 die Analphabetenrate auf unter 4% zu senken. Das Programm spricht ca. 2 Millionen Peruaner an, ab 15 Jahren, die eine Ausbildung in Lesen, Schreiben und Grundmathematik erhalten sollen. 75% der Analphabeten sind Frauen und 67% von ihnen leben im ländlichen Raum, dort wo überwiegend die indigene Bevölkerung des Landes lebt. Die Beherrschung der spanischen Sprache soll ihnen den Zugang zu Rechten, Pflichten, Bildung und Kultur, Verständnis zur Familie und Gemeinde, einem gesunden Leben, Wirtschaft und Arbeit, sowie Umweltbewusstsein schaffen. Das Programm wird vom peruanischen Bildungsministerium gestützt und stellt alle erforderlichen Materialien, wie Bücher, Papier und Stifte. Dieses Programm hat es nun auch in die Armenviertel der zweitgrößten Stadt Perus geschafft.

„Warum haben Sie denn nie Schreiben gelernt, Maria?“, frage ich etwas verwundert. „Ich habe damals noch in Puno gewohnt und musste sehr früh anfangen meinem Vater auf dem Land zu helfen, weil meine Mutter nicht mehr da war. Da blieb keine Zeit, um in die Schule zu gehen. Als ich dann meinen Mann kennengelernt habe und wir nach Arequipa gekommen sind, wollte er nicht, dass ich Lesen und Schreiben lerne. Ich sollte mich um die Kinder kümmern.“ So geht es den meisten der Frauen hier, zu früh wurden sie in den harten Arbeitsalltag geworfen und zu spät haben sie die Möglichkeit erhalten, Zugang zu Bildung zu bekommen.

Ich helfe ein wenig bei den Aufgaben die wir durchgehen; es erinnert mich sehr an meine ersten Schuljahre. Heute wird der Buchstabe „Z“ bearbeitet. Bei einigen klappt es auf Anhieb, bei einigen dauert es länger oder erinnert eher einigen Symbolen. Theresa erhält Hilfe von ihrer Enkelin, die ihr alles vorflüstert und der Lehrer malt Luzmila auch die Buchstaben vor. Auf die Frage hin, warum er das denn macht, so würde sie es ja gar nicht selber lernen, antwortet er: „wir stellen zwar alle Materialien und wir Lehrer arbeiten auch für sehr wenig Geld, aber schlechte Augen können wir auch nicht wieder gesund machen.“

PRONAMA hat sich ein hohes Ziel gesetzt, da besonders der gesundheitliche Zustand von Augen und Händen es den älteren Herrschaften sehr schwer macht das Lesen und Schreiben zu erlernen. Jedoch ist es auch ein erreichbares und wünschenswertes Ziel.

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Eine Antwort auf “Peru: Maria lernt Lesen und Schreiben”

  1. barbara sagt:

    Schon -(?) „befremdlich “ oder erschreckend oder
    vieleicht doch nicht ganz so weit weg wie wir denken. Vor nicht soo langer Zeit waren auch hier in BRD bzw. in Europa die Frauen auch nur “ Arbeitatiere “ . Wir dürfen das nicht so weit weg “ werfen “ . Um so toller daß sich diese Frauen und auch Männer nochmal aufmachen und lernen .
    Danke für diesen Bericht .

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