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Wie Sie Missverständnisse in Brasilien vermeiden

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Vor ein paar Wochen ging ich ins Engenhao Stadion in Rio de Janeiro, um den Fußball-Klassiker zwischen den Mannschaften von Flamengo und Vasco da Gama zu sehen. Es war sehr aufregend für mich, die Möglichkeit zu haben, ein Weltklasse-Spiel zu sehen und freute mich vor allem auf Ronaldinho, der 2011 nach Brasilien zurückkehrte und bis vor kurzem für Flamengo spielte.

Während ich in der Schlange stand, um ins Stadion zu kommen, begann ich eine Unterhaltung mit anderen Fußball-Fans und fragte sie nach Ronaldinho.

„Also wie spielt Ronaldinho denn bei Flamengo?“

„Wer?“

„Na, Ronaldinho“?

„Hä?“

„RONALDINHO! FIFA Weltfußballer der Jahre 2004 und 2005!? Hat auch bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 für Brasilien gespielt. Spielte in Barcelona und Madrid. Den müssen Sie kennen…“

„Ahhh, ‚Gauschu‘! Ja, er ist großartig, besser als je zuvor.“

„Nein nein, ich meine R-O-N-A-L-D-I-N-H-O!!!“

„Ja, wir reden über den selben Spieler, mein Freund! ‚Honaudschinju Gauschu’…“

Foto: Vasco vs. Flamengo (Michael Grubinger) viventura Blog

Foto: Vasco vs. Flamengo (Michael Grubinger)

 

Verwirrt? So ging es mir anfangs auch. Aber dann realisierte ich, dass ich mein Leben lang den Namen einer der besten Spieler in der Fußballgeschichte Brasiliens falsch ausgesprochen habe. Die Aussprache des brasilianischen Portugiesisch ist nicht so einfach wie mancher vielleicht glauben mag, da viele Buchstaben eine andere Bedeutung haben als die, die wir im Englischen, Deutschen oder Spanischen benutzen. Ohne in linguistische und phonetische Details gehen zu wollen, hätte ich wohl so etwas wie ‚Honaudschinju Gauschu‘ sagen sollen, um mich verständlich zu machen.

Wie kommt das? Die größte Überraschung ist zunächst, dass ein „R“ im brasilianischen Portugiesisch am Anfang eines Wortes wie ein nicht-stummes „H“ gesprochen wird, wie „Hallo“ im Deutschen. Ja richtig, die „Schöne Stadt“ mit dem weltberühmten Zuckerhut und der Christus-Statue wird korrekt „Hio“ ausgesprochen und  nicht „Rio“.  Weiter klingt ein L am Ende einer Silbe wie ein „U“ (das Land selbst heißt also eigentlich „Brasi-U“!). Außerdem wird ein „D“ vor einem „I“ immer wie ein „dsch“ in „Dschungel“ gesprochen. „NH“ ist wie ein spanisches „ñ“. Und schließlich wird eine unbetonte Silbe, die am Ende des Wortes auf „O“ endet, wie ein „U“ gesprochen. Deshalb hätte ich anstatt „Ronaldinho“ eigentlich „Ho-nau-gee-new“ sagen sollen. Ein ganz schöner Zungenbrecher…

Gondelbahn auf den Zuckerhut in Rio. Photo: viventura

Gondelbahn auf den Zuckerhut in Rio. Photo: viventura

 

Warum jedoch sprach der Flamengo-Fan vor dem Stadion dann über „Gaucho“ (gesprochen wie „Gauschu“)? Dieser Spitzname wird oft Brasilianern gegeben, die aus dem Staat Rio Grande do Sul kommen. Da Ronaldinho ursprünglich aus Porto Alegre, der Hauptstadt des Staates, kommt, wurde  seinem Fußballnamen das Wort ‚Gaucho‘ hinzugefügt, um ihn von seinem Fußballkamerad und Landsmann Ronaldo zu unterscheiden, der bereits vorher in Brasilien als „Ronaldinho“ bekannt war. Als Ronaldo nach Europa ging, nannte er sich aber einfach „Ronaldo“, wodurch Ronaldinho seinen Beinamen „Gaucho“ in Europa weglassen konnte.

Porto Alegre. Photo: Pedro Belleza, Flickr

Porto Alegre. Photo: Pedro Belleza, Flickr

 

Jedoch können nicht nur Fremde Schwierigkeiten haben, brasilianische Namen richtig auszusprechen. Auch Brasilianer, die versuchen englische Namen oder Wörter auszusprechen, können witzige Missverständnisse erzeugen. Als ich zum Beispiel mit einem Freund in einer Bar in Belo Horizonte saß, fragte er mich plötzlich:

„Magst du ‚HOCKEY‘, Miguel?“

Zunächst wunderte ich mich über die Frage, da weder Eishockey noch Feldhockey, Unihockey oder Rollhockey beliebte Sportarten in Brasilien sind. Aber dann erinnerte ich mich an die Regeln der portugiesischen Aussprache in Brasilien und antwortete:

„Ja, mag ich sehr, vor allem Rockmusik aus den 80-er Jahren!“

Und das war genau das, was mein Freund wissen wollte! Schon wieder verwirrt? Wie bereits oben erwähnt, wird ein „R“ wie ein nicht-stummes „H“ betont. Zusätzlich scheint die brasilianische Zunge Probleme mit der Aussprache der letzten Silben oder Konsonanten außer „m“, „n“ und „s“ zu haben, ohne ein „y“ oder „ey“ anzuhängen.  Dann wird zum Beispiel „Hip Hop“ zu „Hippy Hoppy“ oder „Facebook“ zu „Facey Bookey“. Wenn man also das „H“ durch ein „R“ ersetzt und das „ey“ am Ende des Wortes weglässt, wird man sehen, dass mein Freund mich tatsächlich nach „ROCK“-Musik gefragt hat!

Originaltext Englisch: Michael Grubinger

Reisen Sie mit uns nach Brasilien und erleben Sie selbst hautnah Land, Leute und ihre Sprache.

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5 Antworten auf “Wie Sie Missverständnisse in Brasilien vermeiden”

  1. Hendrik sagt:

    Schöner Artikel, danke, Miguel. Ich erinner mich an Giovane Elber, der nie so richtig warm wurde mit dem Namen von Herrn „Hummeniggy“. Ein weiterer Klassiker: „Malzbier“ wird in Rio wie „Mausibär“ ausgesprochen 😉

  2. Pinpon sagt:

    Stuss!

  3. Yara sagt:

    Mit der Gewohnheit, ein Wort nicht einfach mit einem trockenen Konsonanten enden zu lassen, werden auch Wortspiele gemacht. Diese sind für Menschen, denen es an brasilianischen Aussprache – Kenntnissen mangelt, natürlich unverständlich.

    So gab es vor Jahren eine Supermarktkette namens PEG PAG. Eine seit langem in „Hio“ 😉 ansässige Deutsche musste erst durch ihre dort geborenen Kinder darauf aufmerksam gemacht werden, dass dies nicht „päkpak“ ausgesprochen wird, sondern „pägipagi“ (Ein unbetontes „e“ am Ende eines Wortes wird wie ein „i“ ausgesprochen). Das klingt genauso, wie „pegue e pague“ = „nimm und zahle“!

    • Mausibär für Malzbier, PegPag für Pegue e Pague, Honaudschinju für Ronaldinho… Brasilianisch ist schon eine herrliche Sprache 🙂
      Muito obligado für den Kommentar!

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