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Mountainbiking in Medellin – nichts für Anfänger?!

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Mountainbike-Rennen.in.Medellin_abcd-480-81853„Wie ist dein Name, mein Freund?“
„Miguel.“
„Miguel? Keine Sorge, am Ende des Tages haben wir einen neuen Namen für dich…“
Eine ziemlich merkwürdige Unterhaltung , um meinen ersten Tag mit „UPBike“ zu starten, dem Mountainbike Club der Universidad Pontificia Bolivariana in Medellin.

Es war sechs Uhr morgens an einem Sonntag Anfang Oktober, kurz nach Sonnenaufgang. Mein erster Sonntag in Kolumbien, ich war erst einige Tage zuvor angekommen.
„Startet ihr immer so früh am Morgen? Sechs Uhr?“
„Ja allerdings, Miguel. Du wirst sehen, in ein paar Stunden wird es brütend heiß hier sein…“
„Ok…“
„Du willst doch sicher nicht diese Berge in der größten Mittagshitze hochfahren…“

Ich schaute auf und dachte für mich: ‚Wow, wir sind tatsächlich von Bergen umringt, Medellin könnte fast eine tropische Version von Innsbruck sein!‘ Bald wuchs unsere Gruppe zu ungefähr einem Dutzend Fahrern an, die alle begannen, sich vorzustellen. Unter anderem lernte ich „la gata“ (die Katze), ihren Freund „el tigre“ (der Tiger), „raqueta“ (der Schläger), und „el galeno“ (der Waliser) kennen. Lustig, dass niemand seinen richtigen Namen zu verwenden schien…

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Foto: Berge rund um Medellin (Camilo Posada – flickr.com)

Übrigens waren wir nicht die einzige Fahrrad-Gruppe, die so früh am morgen schon unterwegs war. Wir sahen hunderte von anderen Fahrradfahrern mit ihren dazugehörigen Gruppen. Fahrrad fahren ist der zweitgrößte Sport in Kolumbien nach Fußball und extrem beliebt. In Medellin zum Beispiel wird die Hauptstraße durch die Stadt an Sonntagmorgen und Dienstag- und Donnerstagabenden für den normalen Verkehr gesperrt, um eine sichere Fahrradstrecke anzubieten, die „ciclovia“ genannt und von tausenden Fahrradfahrern jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht genutzt wird.

„Fahren wir auch auf der Ciclovia?“
„Nein, Miguel. Die Ciclovia ist für Familien, Kinder, Inline-Skater und Straßenfahrräder…“
„Ok, also findet man die wahren Mountainbike-Abenteuer außerhalb des Tals?“
„Genau! Okay Freunde, welche Aufwärm-Strecke sollen wir Miguel als Erstes zeigen? Alto de las Palmas?“

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Foto: Fahrradfahrer auf der Ciclovia (Rene Suter – viventura)

Ich hatte keine Ahnung, wo oder was Alto de las Palmas war und begann mit meinen neuen Freunden los zu fahren. Ich war in ziemlich guter Form, da ich erst mit Fahrrad und Zelt für acht Monate durch Neuseeland gereist bin und dabei fast 10.000 Kilometer zurückgelegt habe. Deshalb machte ich mir zu Beginn keine allzu großen Sorgen. Jedoch sollte ich bald feststellen, dass die Fahrer in meiner Gruppe außergewöhnlich gut waren. Wir verbrachten die nächsten 90 Minuten damit, eine sehr enge und kurvige Straße hinaufzufahren, die uns einen immer spektakuläreren Blick auf Medellin im Tal verschaffte, bis wir endlich den Bergsattel erreichten.

„Willkommen in Alto de las Palmas, Miguel!“
„Ihr seid doch verrückt! Das war euer Aufwärmen? Ihr seid ja nicht einmal außer Puste!!“
„Sehr gut geschlagen, Miguel! Du hast deine erste Prüfung bestanden…“
„Meine erste Prüfung?“
„Ja, deine erste Fitness-Prüfung…das war ein Scherz, mein Freund!“
„Ok, hehe. Wie hoch sind wir hier eigentlich?“
„Ein bisschen über 2.500 Meter…“

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Foto: Fahrt nach Alto de las Palmas (Michael Grubinger – viventura)

Wow, unser ‚Aufwärmen‘ würde in die Kategorie „Bergfahrt“ bei großen Fahrradwettkämpfen wie der Tour de France oder dem Giro d’Italia fallen! Die Gruppe erklärte, dass es rund sechs oder sieben verschiedene Möglichkeiten gibt, um aus dem Tal von Medellin zu kommen und somit das große Netzwerk an Mountainbike Routen auf der Hochebene zu erreichen, das Kolumbiens zweitgrößte Stadt umgibt. Hier oben, wo die Temperaturen ein bisschen angenehmer sind, kann man wunderschöne und natürliche Wege finden, die Kaffeefincas mit kleinen Dörfern verbinden, über tausende kleine Hügel nach oben und unten führen und spektakuläre Abkürzungen durch extrem friedliche Wälder bieten.

Der heutige Plan war, genau solch eine Abkürzung in Richtung eines Dorfes mit dem Namen Santa Elena auszuprobieren. Niemand aus der Gruppe ist diese Strecke jemals gefahren. Das Abenteuer durch den Wald konnte also beginnen – wir fuhren enge Wege hinauf und hinunter, kletterten weiter bis auf 3000 Meter, fuhren wieder nach unten, sprangen über zahlreiche Baumwurzeln, überquerten tiefe Canyons auf alten Bahnbrücken, umfuhren Büsche und Farne die über den Weg wuchsen, durchquerten Bäche und Flüsse und verloren uns schlussendlich in der dichten Vegetation des Waldes. Die Gruppe begann, über die Situation zu diskutieren während ich lächelnd zuhörte und für mich selbst dachte, dass das Abenteuer nun wirklich losging…

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Foto: Überquerung von Zugbrücken (Michael Grubinger – viventura)

„Wir können hier auf keinen Fall weiterfahren.“
„Hmm, aber es scheint, als ob wir auch nicht zurückfahren können…“
„Aber Santa Elena muss hier irgendwo in der Nähe sein…“
„Ok, dann versuchen wir unser Glück und fahren weiter…“

Es war unmöglich, weiter zu fahren und so entschieden wir uns, die Fahrräder durch die dichte Vegetation zu schieben und mehr oder weniger der Richtung zu folgen, die den meisten als richtig erschien. Kein GPS-Gerät würde hier helfen, da wir uns in unmarkiertem Gelände befanden. Deshalb mussten wir unserem Bauchgefühl folgen. Wir stiegen über Zäune, versuchten einem zugewachsenen Weg zu folgen und kletterten über ein paar Felsen, die den Weg versperrten…

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Foto: dichte Vegetation – hier muss geschoben werden (Michael Grubinger – viventura)

„Sei vorsichtig mit dem ‚musgo‘, Miguel!“
„Musgo? Was ist ‚mus…‘ AAAAAAAAAAARGH!!“

Bevor ich meinen Satz zu Ende sprechen konnte, rutschte ich bereits auf den moosbedeckten Felsen aus und purzelte ein paar Meter kopfüber mit dem Fahrrad nach unten. Glücklicherweise hatte ich mich nicht verletzt und auch meinem Fahrrad schien den Sturz überlebt zu haben. Das glitschige Moos hatte meinen Fall verursacht, sorgte aber auch für eine sanfte Landung – ich war von Kopf bis Fuß mit Moos bedeckt.

„Das war ‚musgo‘, Miguel!“
„OK, großartig, ich habe gerade ein neues Wort gelernt, dass ich wahrscheinlich nie wieder vergessen werde!“

Wir mussten alle sehr darüber lachen, ich schüttelte das Moos von meiner Kleidung und wir führten unser Abenteuer fort. Nach ein paar Stunden fanden wir endlich einen Weg aus dem Wald und sahen wieder eine befahrbare Straße.

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Foto: abgelegene Dörfer auf der Strecke (Michael Grubinger – viventura)

„Das muss die Straße nach Santa Elena sein, Miguel.“
„Hmm, sind wir nicht von hier gekommen?“
„Oh mein Gott, du hast Recht! Wir müssen die ganze Zeit im Kreis gefahren sein!“
„Hehe, war das jetzt meine Orientierungsprüfung?“
„Ja, haha, diese hast du auch bestanden. Und auch deine Charakter-Prüfung…“
„Character-Prüfung?“
„Ich mach nur Spaß. Aber wir mögen deine positive Einstellung!“

Wir erkämpften uns einen Weg zurück auf die Straße und entschieden, uns auf den Rückweg zu machen, da es schon später Nachmittag war. Die Abfahrt nach Medellin machte sehr viel Spaß, obwohl ich es ein wenig schwierig fand, mit dem halsbrecherischen Tempo von einigen aus der Gruppe mitzuhalten. Die Stadt hieß uns mit feuchtheißen 30 Grad willkommen.

„Wirst du uns nächstes Wochenende wieder begleiten?“
„Klar. Ich hatte einen tollen Tag heute!“
„Großartig! Oh, übrigens haben wir einen neuen Namen für dich gefunden!“
„Wirklich? Was denn für einen?“
„Von nun an werden wir dich ‚Musgo‘ nennen.“

Originaltext Englisch: Michael Grubinger. Übersetzung: Reni Kulosa

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2 Antworten auf “Mountainbiking in Medellin – nichts für Anfänger?!”

  1. Stefax sagt:

    Hi Musgo Miguel,

    immer wieder unterhaltsam, deine Stories!

    Bis denn!

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

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