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Bolivien: Bleibt Amalia im Dorf? – Zukunft am Titicacasee

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„Der Titicacasee liegt wie ein blauer Spiegel auf dem Hochland zwischen Peru und Bolivien. Er ist mit seinen 204 mal 65 Kilometer der größte See Südamerikas und für die Bewohner seiner Ufer, größtenteils Indianer des Aymara – Stammes, schon immer ein lebensspendendes Heiligtum. Die in der riesigen Wassermenge gespeicherte Wärme erlaubte es den hier lebenden Zivilisationen der Vorinkazeit Kulturpflanzen wie die Kartoffel oder das Hochlandkorn Quinoa zu züchten, mächtige Reiche wie das der Tiahuanaco entstanden hier, die Gründungväter des Inkareiches sollen der Sage nach der Sonneninseln entsprungen sein, auf der Mondinsel lebten die Sonnenjungfrauen, welche der Inkafamilie dienten.

Heute ist die Region um den Titicacasee nach wie vor eine der wichtigsten für Peru und Bolivien, der Tourismus boomt in der peruanischen Provinz Puno und in Copacabana auf bolivianischer Seite, über Desaguadero, dem peruanisch-bolivianischen Grenzort wird ein großer Teil der bolivianischen Exporte abgewickelt.
Die Entwicklung am See verläuft allerdings nicht gleichmäßig ab. Während das südliche Ufer durch die Nähe an die bolivianische Großstadt La Paz und die gute Anbindung an das peruanische Puno relativ wohlhabend ist, befinden sich die Dörfer und Gemeinden am nördlichen Ufer in einen langen Dornröschenschlaf.

Amalia und Victor wuchsen hier auf, auf der vergessenen bolivianischen Nordseite des Sees, dem „lado norte“. Beide sind 17 Jahre alt, neugierige, aufgeweckte Jugendliche, und haben gerade eben, im Dezember, ihr Abitur gemacht. Sie gehören zum ersten Abiturienten-Jahrgang der „Unidad Educativa Santiago de Okola“, ihrer Dorfschule.

Ihre Eltern und Großeltern sind einfache Bauern und Fischer, viele können weder lesen noch schreiben. Bis vor wenigen Jahren gab es im Dorf weder Glühbirnen noch fließend Wasser, die Straße welche am Dorf vorbeiführt und es mit La Paz und der Grenze im Norden verbindet war bis letztes Jahr eine gemeine Schotterpiste mit staubigen Bodenwellen, wenige mutige Dörfler trieben Handel und riskierten bei den langen Fahrten auf den schwankenden LKWs Ware, Leib und Leben.

Manches ist besser geworden in den letzten zehn Jahren, die Strasse ist nun geteert, La Paz dadurch in bequemen drei Stunden zu erreichen, Strom und Wasser fließen und fast jeder im Dorf hat ein funktionierendes Handy, in der Schule stehen 15 Computer für den Unterricht.

Was aber fehlt ist der Anreiz zu bleiben, die Chance auf eine Zukunft im eigenen Dorf, denn was soll ein Abiturient in einer Gemeinde mit 350 Einwohnern, aus der die meisten Jungen Menschen in die Stadt oder ins Ausland abwandern?

Amalia kleidet sich modern, sie trägt Jeans und Tennisschuhe, Ihre Mutter trägt den typischen Faltenrock und Zöpfe. Beide sprechen Aymara miteinander und tragen die Feldfrüchte in Aguayos, den bunten Umhängetüchern ins Haus. Amalia ist mit ihren 17 Jahren schon hunderte Male in La Paz gewesen, ihre Mutter war keine 10 Mal in der Stadt.
Es ist für sie und ihre Familie klar, dass Amalia mit ihrem Abitur eine Lehrstelle oder eine Arbeit in der Stadt suchen muss, im Augenblick sieht es nicht danach aus das sie, wenn sie einmal fortgezogen ist, auch mal zum Leben zurückkehrt.

Kaum ein junger Mann oder junge Frau bleibt in ihrem Dorf. Die ohnehin kleinen Parzellen werden aufgrund einer in den fünfziger Jahren schiefgelaufenen Bodenreform entweder aufgeteilt und an die Kinder vererbt, oder, wenn sie so klein sind, dass sie kaum noch Erträge erwirtschaften, vom Vater an den ältesten Sohn vererbt. Die jüngeren Kinder, die Mädchen noch mehr, sind fast automatisch dazu gezwungen sich nach der Schule ihr Glück in den Städten als billige Hilfskräfte zu suchen, die Jungs meistens in Autowerkstätten, die Mädchen als Dienstmägde.

Es prallen eine moderne Welt, mit Handys, Fernsehen, Computer, Abitur und eine traditionelle, in manchen Zügen noch mittelalterliche Welt, mit ihren Erbbräuchen, primitiven Produktionsmethoden (ägyptischer Pflug die Bauern, Ruderboot die Fischer), zusammen. Mittendrin Amalia und Victor, mit ihren Hoffnungen, Sehnsüchten und Erwartungen.

Wo liegt aber der Weg heraus aus dieser scheinbaren Sackgasse? Ein Weg ist dass die Landwirtschaft in den Dörfern modernisiert wird und mit dem Einsatz von Technologien auch Arbeitsmöglichkeiten für Techniker vor Ort entstehen, ein weiterer Weg ist dass andere Einkommensquellen außer den traditionell vorhandenen entstehen.

Peru hat den Tourismus als einen der wichtigsten Wirtschaftszweige entdeckt, der kulturelle und natürliche Reichtum des Landes zieht alljährlich über eine Million Touristen ins Land. Das bietet den Einwohner der besuchten Regionen eine wirkliche Chance auf Entwicklung und Wohlstand in ihrer Heimat an.
Bolivien, nicht weniger reich an kulturellen und landschaftlichen Schätzen hinkt zwar noch dieser Entwicklung hinterher, trotzdem wissen die Bewohner am See schon dass hier eine große Chance liegt um die Auswanderung der Jugend einzudämmen. Einige Ortschaften wie Copacabana und Yumani auf der Sonneninsel haben sich auf die Touristen spezialisiert, sogar eine Berufsschule bietet Hotelwesen und Gastronomie als Lehrfächer an.
In Amalia und Victors Dorf kommen seit einiger Zeit auch Touristen. Es sind nicht viele, und noch bleiben sie nicht lange. Sie übernachten in den Häusern ihrer Eltern und erfragen abends am Lagerfeuer immer vieles aus dem Leben in dem Dorf.
Einige ältere Dorfbewohner sehen in den Fremden eine Bedrohung für ihre Lebensart, sie erinnern daran dass selber sie als Kinder noch als Leibeigene für die Haziendabesitzer arbeiten mussten.
Amalia und Victor haben sich bisher mit den Touristen gut verstanden, beide sind aufgeschlossen und zeigen gern ihr Dorf, steigen mit den Touristen auf den großen Felsen und erklären manchmal mit Händen und Füßen die Namen der Pflanzen und Tiere.
Amalia würde gerne an der Berufsschule in Copacabana zum Guide ausgebildet werden, danach, wer weiß, Zimmer an Touristen vermieten und vielleicht ein kleines Restaurant aufmachen.

Das schöne in ihrem Dorf, das einfache Leben welches die Touristen suchen, könnte, anstatt sie für immer in die Stadt oder ins Ausland zu treiben, wieder an ihr Dorf binden.

Inwieweit ist das Träumerei? Fakt ist, dass der bolivianische Staat konkrete Schritte unternommen hat. Es wurde ein großes Förderprogramm angestoßen der mit Mittel der Weltbank in Höhe von mehreren Millionen Dollar in der Region des Titicacasees Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Müll– und Abwasserentsorgung umsetzen soll.
Es wurden Orte identifiziert die touristisches Potential aufweisen und vor allem für den Tourismus auf Dorfgemeindeebene interessant sind.
In diesen Dörfern sollen Initiativen die aus den Gemeindeversammlungen kommen unterstützt werden, zum Beispiel der Bau von Bootshäfen, Hütten oder einfache Herbergen für Touristen, Dorfmuseen oder Werkstätten für traditionelles Handwerk.
Es ist auch deutlich dass der Tourismus in die Region stark zugenommen hat, sowohl Dank der Nähe zu dem touristischen Riesen Peru, zum anderen auch weil die neuen Strassen immer mehr neugierige Städter aus La Paz an das schöne Nordufer des Sees treibt.

Ob Amalia und Victor die Beziehung zu ihrem Dorf halten werden, ob sie etwa als Erwachsene hier leben werden ist nach wie vor ungewiss, beide wissen allerdings dass im Tourismus für sie persönlich eine Chance steckt.

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2 Antworten auf “Bolivien: Bleibt Amalia im Dorf? – Zukunft am Titicacasee”

  1. norbert sagt:

    lieber Thomas,

    auf der Recherche im Netzt fand ich diesen Artikel und möchte sie um Rat fragen.

    Seit einigen Jahren habe ich einen starken Impuls nach Südamerika zu gehen. Speziell in die Region der Anden auf Seite Bolivien und Argentinien. Seit ein paar Tagen folge ich diesem Impuls mit mehr Intensivität.

    Ich bin selbstständiger Lehrer im Fach Mathematik und suche nun nach Möglichkeiten im Bergland der Anden weiterhin Mathematik zu unterrichten:)). Falls so etwas überhaupt denkbar ist ? Ich bin sehr anspruchslos und brauche keinerlei Komfort. Ebensowenig benötige ich irgendwelche Bezahlung ausser einen Wohnort und etwas zu Essen.

    In diesem Sinne bin ich unterwegs und recherchiere seit Tagen auf der Suche nach Möglichkeiten und Nachfrage.

    Vielleicht haben Sie eine spontane Idee, wohin ich mich wenden kann, bzw. einen aufklärenden Rat über die Situation in der Region ?

    Für einen möglichen Kontakt und Austausch mit Ihnen, wäre ich sehr dankbar.

    liebe Grüsse aus Dresden von Norbert.

    • Hallo Norbert,

      wundervoll zu hören, dass Sie nach Südamerika gehen wollen und Mathematik zu unterrichten!
      Die beste Adresse, um sich hier über Möglichkeiten zu Informieren ist viSozial (www.visozial.org), Ihr Kontakt ist hier Erica Lotockyj: erica(a)mundo-visozial.org .

      Zu Ihrer Information: viSozial ist eine von viventura unterstützte, selbstständige NGO, die sich in Südamerika um verschiedene soziale Projekte kümmert. Neben Aufforstungs- und Ernährungsprojekten unterstützen wir hier auch viele Schulen – Erica von viSozial kann Ihnen hier sicher weiterhelfen!

      Liebe Grüße,

      Benno

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