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Regenwald- Avocalypse: Die weltweiten Auswirkungen des Avocado – Hypes

Regenwald- Avocalypse: Die weltweiten Auswirkungen des Avocado – Hypes

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Es war Frühling und ich stand in einem kalifornischen Supermarkt, als mich plötzlich ein junger Mann ansprach. „Entschuldigung, wissen Sie irgendetwas über Avocados?“. In seinen Händen hielt er zwei dunkelgrüne, warzige Früchte, die er mir ratlos entgegenstreckte. „Ich weiß nicht, ob diese hier reif sind.“ „Ich weiß es auch nicht“, sagte ich, damals noch vollkommener Avocado-Neuling. Das war vor drei Jahren. Was auf meine Kalifornien-Reise folgte waren zwei Jahre in Peru, dem Land der Alpakas und…genau, Avocados. Wann immer gerade Erntezeit war, gab es für mich Avocados. Avocados mit Reis, mit Brot, als Guacamole. Ich musste praktisch nur meine Hand ausstrecken, und schon war ich im Besitz reifender Avocados. Wenn ich sie nicht sogar selbst ernten konnte, bekam ich drei Stück für dreißig Cent- ein Traum für alle Avocado-Fanatiker in Deutschland!

Mini Avocado-Limette-Tarts Quelle: maxpicture.freegreatpicture

Mini Avocado-Limette-Tarts Quelle: maxpicture.freegreatpicture

Auf Instagram, Blogs und Speisekarten häufen sich die Rezeptideen mit Avocados. Die Superfrucht gibt es auf belegtem Toast, im Salat, im Smoothie oder sogar im grünen Cocktail. Während dieser Artikel entsteht, wird ein neuer Avocado-Hype verbreitet: Die Avocado Fries! Von nun an gibt es Avocado auch gebraten und frittiert, in der Lasagne oder als Pasta-Beilage. Acai-Beeren, Maca, Quinoa oder Chiasamen: nichts kann mithalten mit der Avocado. Doch unter die „So gesund lebst du, wenn du eine Avocado am Tag isst“ und „Der Avocadokern: noch gesünder als die Avocado“ – Artikel mischen sich zunehmend Aufforderungen, auf die beliebte Frucht zu verzichten. Schließlich stammen Avocados in Deutschland nicht aus Nachbars Garten, sondern von Riesenplantagen in Mexiko, Peru und Südafrika. Ihr Massenanbau hat moralisch und umwelttechnisch nicht verantwortbare Auswirkungen, heißt es. Doch was haben westliche Ernährungstrends mit der Abholzung von Wäldern in Mittel- und Südamerika oder der Existenzangst von südafrikanischen Kleinbauern zu tun? Und wie gesund ist eine Avocado eigentlich?

5 Fakten: Ursprung und Gesundheitsmythos

Avocado-Ernte Quelle: wikimedia/Neil Palmer Photography

Avocado-Ernte
Quelle: wikimedia/Neil Palmer Photography

1. Wortherkunft

Die Bezeichnung „Avocado“ stammt vom Nahuatl-Wort „ahuacatl“ (Hoden) ab. Je nach Land wird sie wegen ihres Aussehens und Effekts auch als „Alligatorbirne“ oder „Butterfrucht“ bezeichnet.

2. Ursprung

Südmexiko ist der Ursprungsort der Avocado und auch heute neben Südafrika, Chile, Israel und Peru das wichtigste Anbaugebiet für Avocados. Ursprünglich wurde der Samen der Avocado durch Säugetiere wie das Riesenfaultier verbreitet, welche die Avocado mitsamt ihres Kerns fraßen und ausschieden. Der Avocadokern enthält neben vielen Nährstoffen das für Menschen ungefährliche Gift Persin und ist sehr bitter. Dennoch kann er stark verkleinert ebenfalls konsumiert werden. Ihm wird eine krebshemmende Wirkung zugeschrieben.

3. Import

Im Jahr 2015 betrug der Import von Avocados in Deutschland über 45.000 Tonnen – Tendenz steigend! Die bekanntesten Sorten in Europa sind die dunkle, warzige Hass-Avocado und die grünglänzende Fuerte.

4. Gesundheit

Eine Avocado wiegt zwischen 300-500g und enthält pro 100g um die 24g Fett und 0,5g Kohlenhydrate. Die Früchte gehören zu den Lorbeergewächsen, enthalten viel Vitamin E und Kalium und sind reich an ungesättigten Fettsäuren, die für gesunde Haut und glänzende Haare sorgen. Der regelmäßige Verzehr von Avocados unterstützt die Senkung des Cholesterinspiegels und stärkt das Immunsystem. Außerdem sind Avocados eine beliebte Fettalternative geworden – z.B. im Schokoladenpudding! Obwohl fettreiche Nahrungsmittel sonst nur mit Gewichtszunahme in Verbindung gebracht werden, hat die Avocado einen positiven Einfluss auf die Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Die Milderung von Gelenkbeschwerden sowie ein Anti-Aging-Effekt sind hingegen nicht eindeutig bewiesen.

5. Reifeprozess

Avocados werden unreif geerntet, gelagert und transportiert. Sie sind dann genießbar, wenn ihre Schale leicht nachgibt.
Tipp zum Reifeprozess:Wickelt man unreife (harte) Avocados in Zeitung ein und lässt sie 2-3 Tage liegen, reifen sie schneller nach.
Tipp für Guacamole:Limettensaft schmeckt lecker in der Guacamole und schiebt den Oxidationspozess auf. Soll die Guacamole aber noch ein bisschen länger aufbewahrt werden, hilft auch eine dünne Schicht Wasser über der glattgestrichenen Masse. Abgedeckt mit Frischhaltefolie kann das ganze dann in den Kühlschrank und die Flüssigkeit vorm Genießen wieder abgeschüttet werden.

5 Fakten: Die Problematik des Avocado-Hypes

Quelle: pixnio.com

Quelle: pixnio.com

1. Wasserverbrauch

Ein Kilo Avocados (also ca 2-3 Früchte) benötigen zu ihrer Aufzucht über 1000l Wasser. Da die Avocado in tendenziell trockeneren Gebieten besser wächst als z.B. im Hochregenwald, sorgen aufwendige Bewässerungsanlagen für das nötige Wasser, das anderswo fehlt. Das unter anderem Kalifornien in der größten Dürreperiode seiner Geschichte steckt, ist mittlerweile jedem bewusst.

2. Anbau und Abrodung

Um Platz für legale und illegale (!) Plantagen zu schaffen wird massenweise Wald gerodet. In Mexiko liegt die Anbaufläche von Avocados bei über 134.000 Hektar, pro Jahr kommen bis zu 4.000 weitere Hektar hinzu.

3. Arbeitsplätze

Der Traum vom Kleinbauer, der seine Avocadobäume zwischen anderen Nutzgewächsen in Kieferwäldern (Mexiko) oder Regenwald (Peru) anpflanzt, existiert nicht für die europäischen Massenimporte. Zwar gibt es noch Landwirte, die weiter in kleinem Maße Avocados anbauen, doch der Großteil des Gewinns wird auf riesigen Avocadoplantagen erwirtschaftet. Diese ultramodernen Plantagen sorgen zwar für Arbeitsplätze, sind aber der Tod für Kleinbauern und den Wald.

4. Pestizide

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist vor allem in südamerikanischen Großanbaugebieten ein Problem. Die Pestizide sind ein Risiko für die Arbeiter und Anwohner. Bei direktem Kontakt mit den Mitteln drohen anhaltende Gesundheitsschäden wie Atemnot und Hautverätzungen.

5. Export

Der Transport von Avocados nach Deutschland belastet wie alles Überseegemüse das Klima. Zwar gibt es auch Avocados aus Spanien, diese machen aber nur einen Bruchteil der importierten Früchte aus. Ob aus Australien, Mittel- oder Südamerika: bis zu unserem „grünen“ Smoothie ist es ein weiter Weg.

Quelle: pixabay

Quelle: pixabay

Klar ist: Wer wirklich die Umwelt schonen will, müsste in Deutschland auf Avocados verzichten. Wie die Zeit-Autorin E. Raether verkündete, gilt: „Selbst eine Bio-Avocado ist eine weit gereiste Trinkerin“. Doch wenn der Avocado-Hype abflaut, was wird dann folgen? Der Süden hat gleich einiges an potentiellem Superfood zu bieten, auf das sich Blogger und Genießer bei ihrer nächsten Reise stürzen können. Kaktusfeigen und Aguajen, die Kakaofrucht und Kiwisha…irgendwie sind diese Lebensmittel doch vor allem eines in Europa: ziemlich weit weg von ihrem Ursprungsort. Wer so richtig auf den Geschmack gekommen ist, kann sich damit trösten, dass Avocado-Liebe nicht immer durch den Magen gehen muss: Avocados lösen derzeit die Ananas-Prints auf T-Shirts sowie Kaktus-Tattoos ab. Selbst Rucksäcke gibt es im grünen Avocado-Design!

Was ist eure skurrilste Entdeckung während des Avocado-Hypes?

Quellen

Avocado mit Verbrauchswerten
Das Märchen von der guten Avocado
Avocado
Avocado Warenkunde
Exotische Frucht mit Nebenwirkungen
Die verheerenden Folgen des Avocado-Hypes

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Der Autor:

Kaya Herkersdorf

Kaya
Die reisefreudige Freiburgerin wuchs zwischen Pferden und Hügeln auf. Kalte Wintertage versüßte sie sich am Liebsten mit Skiabfahrten, bevor sie sich nach ihrem Abitur mitten ins Herz Perus ... weiterlesen

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