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Der Schwarz(ur)wald

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Die Colonia Tovar, ein Dorf verliert seine Idendität

Ein Lottoladen heißt „Das Glück“, die Bäckerei „Das Brot“ und der Verkaufsschlager hier ist die Wurst. „Ein guter Gast findet hier Rast. Ein froher Gast ist niemals Last“, steht in Sütterlin-Schrift im Muhstall als Wandspruch geschrieben. Trachten tragende Kellnerinnen mit tief ausgeschnittenen Dekolletéés servieren Erdbeertörtchen aus Mürbeteig mit
einem großen Klacks Schlagsahne oder wie bei Oma in der Küche duftendes Eisbein mit Sauerkraut. Die Restaurants und Hotels heißen Rebstock, Edelweiß, Baden, Freiburg, Schwarzwald oder schlicht Bierstube. kauft es“, sagt er.

Ihr denkt ich schreibe von einem kleinen Dorf im Schwarzwald ? Nein, wir
befinden uns in Venezuela jedoch ist die Die Colonia Tovar deutscher als
manches Schwarzwalddorf – auf den ersten Blick zumindest.

Die Besucher hier möchten eine Art deutsches Disneyland erleben.
1964 wurde die Colonia Tovar per Regierungsdekret zur Tourismuszone
deklariert. Zunächst kamen nur ein paar Deutsche vorbei, um die Kuriosität
in der tropischen Bergkordilleren – unweit der Karibikküste – unter die Lupe
zu nehmen. In den 80er-Jahren setzte der venezolanische Massentourismus ein.
Ein Zusammenprall der Kulturen, der Fluch und Segen zugleich für die Kolonie
bedeutet.

Doch hinter der Fassade ist nicht alles deutsch, was glänzt: Durch den
Tourismus verliert die Kolonie langsam aber stetig ihre Traditionen, sagt
Historiker Kanzler, diese einseitige Ausrichtung fresse das historische Erbe
der Koloniegründer auf. Das ist es, was ihn pessimistisch stimmt.

Es gibt eine starke Spannungen in der Kolonie: die einen wollen das Erbe bewahren
und plädieren für einen sanften Tourismus. „Aber die Ortsvorsteher würden
sogar noch die Mülltonnen gewinnbringend vermarkten.“
164 Jahre Jahre nach der Gründung der Colonia liegt las Hauptproblem der
Identifizierung der Einwohner der Colonia Tovar darin, dass die Mehrheit der
nachfolgenden Generationen niemals in der alten Heimat gewesen ist. „Wir
wüssten gerne, ob es im Schwarzwald wirklich noch so aussieht wie hier bei
uns“, sagen die beiden 30-jährigen Muhstall-Kellnerinnen Carmen Misle und
Miriam Gutt.

Was kaum noch zu finden ist, ist klassisches Deutsch. Im Zweiten Weltkrieg
wurde der Kolonie ihre Sprache genommen, Deutsch durfte nicht mehr
unterrichtet werden. „Abgesehen von einigen Wiederbelebungsversuchen in den
90er-Jahren war dies das Ende des flächendeckenden Deutschunterrichts“, sagt
Haidi Collin, Kulturbeauftragte der Kolonie. Was sich hingegen bis heute
vererbt hat, ist die badische Mundart. „Bi uns ka mer au alemannisch
schwätze“, steht auf einem Aufkleber an Collins computer

Durch eine stärkere Vernetzung, Einbindung der Jugend und eine Förderung von
Austauschprogrammen mit der deutschen Heimat will man dem aktuellen Trend
entgegenwirken. Haidi Collin hofft auf neuen Enthusiasmus, Traditionen
nicht nur zu dekorieren, sondern mit Leben zu füllen und den Kontakt zur
Heimat zu stärken.

Hoffentlich ist es noch nicht zu spät für das Dorf, welches ja eigentlich
grade durch seine Deutsche Identität zur Tourismuszone geworden ist, diese
Identität weiter beizubehalten. Sollte das jedoch gelingen dann kann die
Colonia Tovar richtungweisend sein für viele anderen Gemeinden welche mit
den selben Problemen zu kämpfen haben.

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Eine Antwort auf “Der Schwarz(ur)wald”

  1. Hanns-Peter sagt:

    „Sieht es in Deutschland wirklich so aus“, das wurden wir von unseren venezolanischen Freunden und Begleitern mindestens – wenn nicht noch öfter – gefragt, nachdem wir nach langer Anfahrt im Konvoi der einheimischen Touristen endlich die Colonia Tovar erreicht und nach langem suchen auch Parkplatz für unsere beiden PKW gefunden hatten. Die Colonia kam uns – meiner Frau und mir – eher ein bisschen „spanisch“ vor. Gut, die Häuser erinnern an Schwarzwald , ein bisschen kleiner als im „bosque negro“ , aber durchaus gelungen. Das Drumherum, von den im Artikel beschriebenen Speisen und einer scheußlichen „sowas wie Schlagsahne“ mal abgesehen ist aber leider zum totalen Tourismusnepp verkommen: SCHADE eigentlich! Unsere Venezolanos hatten auch nichts anderes vor als für Fotos zu posieren, DEUTSCH zu essen und Bier zu kaufen (nach deutschem Reinheitsgebot gebraut); das Essen hatte einen deutschen Hauch und das Bier schmeckte sogar. (Am nächsten Morgen war der Kommentar eines Venezolanos, der mächtig viele Dosen geleert hatte: „Die können Bier machen! Ich hab‘ gar keine Kopfschmerzen!)
    Fazit für uns: Colonia Tovar muss nicht unbedingt sein, aber unseren Freunden und Bekannten zuliebe würden wir natürlich im Tross wieder den Berg hinauf und unbedingt vor Einbruch der Dunkelheit wieder im Tross zurück fahren – mit möglichst viel Bier im Kofferraum!

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