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Venezuela – Sozialismus im 21. Jahrhundert

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Hugo ChavezMacht Sozialismus in heutigen Zeiten einen politischen Sinn? Der Begriff des Sozialismus des 21. Jahrhunderts ist bekannt und weit diskutiert, seit Venezuelas Präsident diesen 2005 in seiner Wahlrede anbrachte. Seit dem ist es Präsident Chavez‘ Steckenpferd, mit welchem er eine Revolution im Land führen möchte.

Es ist ein Konzept, welches schwer zu verstehen ist, da selbst eigene Regierungsmitglieder sowie Akademiker widersprüchliche Aspekte kundtun und Probleme aufweisen, welche den Sinn des Systems verschwimmen lassen. Exakte Informationen zu finden stellt sich als schwierig heraus.

Was den Sozialismus des 21. Jahrhunderts so wenig greifbar macht ist, dass es ein System ist, welches sich im Aufbau befindet. Ein System, welches Lösungen für Probleme sucht, wenn diese auftreten, denn in Venezuela gibt es kein vorgefertigtes Programm wie in anderen Staaten, die auf die eigene Landesgeschichte zurückgreifen können. Jedes Land hat seine Geschichte und seine eigenen unterschiedlichen Erfahrungen, welche sie prägen. So musste sich der Sozialismus des 20. Jahrhunderts an jede Realität anpassen. Es ist keine einzelne Formel, auf die man heute aufbauen kann, man kann vielmehr von den Sozialismen des 20. Jahrhunderts sprechen.

Im Folgenden sind Theorie und Praxis des Sozialismus des 21. Jahrhunderts zusammen getragen ohne diese zu bewerten.

Herzlichst möchte ich Sie dazu einladen mit mir diese zu diskutieren.

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Um die Venezuelas Situation zu verstehen, müssen die Ereignisse des 20. Jahrhunderts berücksichtigt werden. Der Einfluss der USA hat diese Zeit geprägt. Die guten Kommissionen aus Erdölverkäufen ans Ausland, Gewinne aus Verkauf von importierten Waren, Korruption und die Ausbeutung der Arbeiterklassen ließen die Schere zwischen Arm und Reich in Venezuela immer weiter auseinanderklaffen. Es bildeten sich zwei Blöcke in der Gesellschaft: eine Mehrheit der Arbeiterklasse und eine Minderheit aus einigen reichen Familien, die sowohl die wirtschaftliche, als auch die politische Macht besaßen. Danach trat der Neoliberalismus in Kraft, in dessen Vollzug Budgets für soziale Programme und Grundversorgung (Gesundheitswesen, Bildung, Wohnraum und Lebensmittel) reduziert wurden. In diesem Prozess hat die Regierung ihre Verantwortlichkeit gegenüber der Bevölkerung Venezuelas mehr und mehr abgegeben, in dem verschiedene Grundversorgungssektoren privatisiert wurden.

1999 wurde der Kommandant Hugo Chavez Frias zum Präsidenten Venezuelas gewählt. In einem Ambiente großer Bedürftigkeit der Bevölkerung positionierte er sich in seiner Rede gegen die soziale Ungerechtigkeit und wollte eine kapitalistische Wirtschaft mit sozialen Maßnahmen, die vor allem den Menschen an sich anerkennen, einführen. Von diesem Moment an erkannte die Regierung ihre „sozialen Schulden“ beim eigenen Volk an. Aber erst 2005 begann Präsident Chavez das Konzept des Sozialismus des 21. Jahrhunderts anzubringen.

Karl Marx

(von: William Glen)

Das System des Sozialismus des 21. Jahrhunderts basiert auf der sozialistischen Tradition von Karl Marx und Friedrich Engels, Lenin, Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci. Aber gleichzeitig sollen die begangenen Fehler der Vergangenheit in seiner Anwendung berücksichtigt werden. Das neue Konzept möchte sich an die neue Realität anpassen und durch neue Erkenntnisse erweitert sein. Ein großer Fehler der Vergangenheit war zum Beispiel den Schwerpunkt auf die Großindustrie zu setzen und diesem den Menschen und die Natur überzuordnen. Nun soll mit alternativen Systemen wie kleinen lokalen Industrien gearbeitet werden. Außerdem wird versprochen die Natur zu respektieren.

Das politische System des Sozialismus des 21. Jahrhunderts
Während des Prozesses der Sozialisierung werden viele Elemente berücksichtigt, sogar Komponenten, die nicht greifbar sind, wie das Recht eines Volkes über das eigene Schicksal entscheiden zu können. Die Entscheidungskraft wird in die Hände des Volkes übergeben. Die Gleichheit eines jeden, unabhängig seiner Rasse, sowie die wichtige Rolle der Frau für die Gesellschaft, wird anerkannt.

In Venezuela arbeitet die Regierung seit 1999 an der Sozialisierung des Wohlergehens, der politischen Partizipation und den Möglichkeiten durch die Schaffung des Parlamentarismus der Straße und die Funktion von Kommunalen Räten als öffentlichen Organen der Entscheidung und Handlung.

Hugo Chávez

(von: Franklin Reyes / J. Rebelde)

Das Produktionssystem und das Eigentumsrecht des Sozialismus des 21. Jahrhunderts
Die Produktionsmittel gehören dem Kollektiv und der Markt wird von Kooperation, Komplementen und Solidarität regiert. Es ist das Ziel so viel zu produzieren, wie gebraucht wird und sich an der gerechten Verteilung zu beteiligen. Die Gewinne der Bauern und Arbeiter sind für ihre eigenen Bedürfnisse und die des Kollektivs, anstatt für einen Chef. So ändert sich der ganze Sinn des Marktes in den von einfachem Warenaustausch.

Der Staat vertritt die Interessen der Arbeiter indem er getreu der Mehrheiten regiert. Die Wirtschaft sollte eine Selbstentwicklung aufweisen und die Politik Selbstverwaltung mit Demokratie. Es werden Produktionsmethoden der Indigena Gemeinden in Betracht gezogen, denn diese haben tausende von Jahren in einer integrierten Gesellschaft gelebt – im Einklang mit der Natur und ohne Ausbeutung in ihren eigenen Reihen zu entwickeln.

Die Regierung von Hugo Chavez begann den Prozess der Enteignung, welcher einige Jahrhunderte zuvor begonnen hatte, umzukehren. Aber es handelt sich um ein demokratisches System in welchem Eigentumsverhältnisse respektiert werden.

Chavez

(von: Cecilia)

Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts versteht sich als eine Vertiefung und Ausweitung des Sozialismus. Mit Mitteln wie Nationalisation und Sozialisation von verschiedenen Sektoren der Produktion und Dienstleistungen, Verbreitung und Lehre von sozialistischer Ethik und Festigung des Austausches mit den Nachbarländern durch Kooperation, sollen die Themen des Sozialismus behandelt und zum neuen System geändert werden. Die Verteilung der  Gewinne aus dem Erdölverkauf spielt eine große Rolle. Die Gewinne sollen in der venezolanischen Gesellschaft gerecht verteilt und kontrolliert verwendet werden.

Das Konzept des Sozialismus des 21. Jahrhunderts ist in vollem Aufbau. Präsident Chavez lud aktuell zu Diskussionen im Lande ein um dem Konzept eine Form zu geben und die Möglichkeit zur aktiven Teilnahme zu bieten. Der Vorteil von einem so neuen und formbaren Konzept könnte sein, dass ein maßgeschneidertes Wirtschafts- und Sozialsystem, sowie ein politisches Modell entsteht.

Was denken Sie, machen diese Ideen Sinn? Und wenn ja, wären diese auch umsetzbar?

Nehmen Sie teil am Dialog und diskutieren mit mir wohin die politische Reise Venezuelas führen soll.

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8 Antworten auf “Venezuela – Sozialismus im 21. Jahrhundert”

  1. Martin von Malfer sagt:

    So schön auch die Idee eines versuchsweisen Komunismus sein mag, letzten Endes wird auch in Venezuela jeder Versuch scheitern, gegen das egoistische Naturell des Einzelnen vorzugehen. Unternehmertun ist leider die einzige Art Fortschritt zu erreichen. Nicht umsonst sind alle komunistischen Systeme auf Kurz oder Lang dazu verdammt entweder in einer Diktatur zu enden (also nicht in einer Demokratie), oder aber im Chaos, wonach es zusammenbricht. Es gibt keinen Komunismus, nur einen Staatskapitalismus, und jeder der erkennt nach welchen bürokratischen Regeln dieser operiert, weiss, dass hier unnötig Ressourcen vergeudet werden, welche nur den Bürokraten, und in immer geringeren Masse dem Volk zu Gute kommen. Ausserdem bricht ein jedes auf dem Sozialismus System basierende Staatswesen unter der Last der Korruption und Vetternwirtschaft zusammen.

  2. Winfredo sagt:

    Die Ideen machen einen Sinn, da viele Länder Lateinamerikas unter neokolonialer Ausbeutung leiden. Eine kleine korrupte Oberschicht eignet sich den Großteil des Reichtums an, die Arbeiter und der Rest der Bevölkerung ist arm oder verarmt immer mehr. Deswegen ist der Versuch sinnvoll hier eine grundlegende Änderung durchzuführen. Natürlich müssen Korruption, Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch durch entartete Bürokraten unterbunden werden, sonst kann kein Sozialismus aufgebaut werden. Auch auf dem Gebiet der Frauenrechte ist Venezuela vorbildlich, in Caracas wird im März 2011 eine Weltfrauenkonferenz durchgeführt werden.

  3. Peter Hans Schmidt sagt:

    Martin von Malfer schreibt:
    „Ausserdem bricht ein jedes auf dem Sozialismus System basierende Staatswesen unter der Last der Korruption und Vetternwirtschaft zusammen.“

    Genau so ist es! Das sozialistische System bricht unter der Last der Korruption und der Vetternwirtschaft zusammen! Daran ist es bereits in der so reichen Sowjet Union und ihren Satteliten-Staaten einschl.Ost-Deutschland zusammengebrochen, und hier in Lateinamerika wird es mit noch viel mehr Grund zusammenbrechen. Denn wir wissen und kennen es alle die hierin diesen chaotischen Ländern leben oder gelebt haben, in Korruption sind die Lateiner Weltmeister!

    Dazu kommt die von der venzolanischen Regierung beabsichtigte „Planwirtschaft“, auch hier in Ecuador! Diese ist nach den Erkenntnissen, die wir in der ehemaligen DDR während 45 langer Jahre gewonnen haben, Schuld an der Knappheit aller Waren einschliesslich der Grundnahrungsmittel.

    Außerdem wird in Venezuela und Ecuador beabsichtigt, jegliche Groß-Industrie sowie die Agrar-Erzeugung nach und nach in Staatshände zu überführen. Das ist ein kapitaler Irrtum, und dürfte das Ende des allgemeinen Wachstums und der Prosperität bedeuten, denn die notwendigen privaten Kapitalinvestitionen bleiben aus, die persönliche private Initiative ist ausgeschaltet, denn die Staatsbetriebe und deren Entscheidungen werden wie bekannt, nicht von Wirtschaftsexperten sondern von „vertrauenswürdigen politischen Parteifunktionären“ geleitet und gefällt. Man stelle sich nur vor, wie das Unternehmen in 5-10 Jahren bilanziert. Die ohnehin sich sich ständig verknappenden finanziellen Gewinne werden nicht in notwendige moderne wirtschaftlichere Maschinen reinvestiert, sondern müssen erst einmal an den Staat abgeführt werden (sprich „Buro político“ ) und dort wird dann politisch, aber nicht technisch entschieden, ob eine Reinvestierung oder nicht erfolgen kann. Folge: Investitionen für technisch notwendige Maschinenanschaffungen sind erschwert oder bleiben ganz aus. Nach einigen Jahren ständiger technischer Veralterung des Unternehmens besitzt es keine Konkurrenzfähigkeit mehr und anstelle Steuern an den Staat abzuführen, benötigt es staatliche Hilfe, um es überhaupt einigermassen am Leben zu erhalten und um laufende Kosten sowie die Löhne für Arbeiter und Angestellte zu bezahlen. In dieser Phase wäre praktisch jedes Privatunternehmen bereits gesetzlich verpflichtet, bankrott anzumelden, nicht so das Staatsunternehmen.

    Es ist leider so, dass der Kapitalismus nicht unbedingt das ideale Wirtschaftssystem ist, aber bislang das Einzige was in der Praxis Erfolg gehabt hat und zu einem gewissen Wohlstand der Bürger geführt hat.

  4. Bevor Chavez kam wahr die Situation vom Volk sicher nicht befriedigend. Deswegen wurde er damals mit grosser Mehrheit gewaehlt. Er versprach Veraenderung. Nach ueber 10 Jahren sieht man was aus all diesen, schoenen, Plaenen geworden ist. Die Infrastruktur faellt zusammen, es wird nirgens investiert, die Mittelklasse „rutscht“ runter und von den vielen Armen die es vorher schon gab ist die Mehrheit auch nicht besser drann. Als persoehnlich Betroffener fragt man sich fast jeden Tag ob es ueberhaupt noch Sinn macht hier weiter zu machen. Schade um dieses sehr schoene Land das ein wirkliches Paradis sein koennte wenn nur die Menschen umdenken wuerden.

  5. Kristina sagt:

    Ja, ich finde auch. So schön die Idee des Soz. ist, es wird immer daran scheitern, dass der Einzelne mehr will als der Nachbar und sich irgendwie doch jeder selbt der nächste ist. Das konnte ich in der DDR live miterleben. Andersrum fehlte auch das Bewußtsein, Verantwortung zu übernehmen. Der Staat macht das ja schon für mich. Auch ich bin kein Freund des Kapitalismus, habe aber leider auch keine bessere Idee.

  6. Susann sagt:

    Vielen Dank für eure ehrlichen Kommentare. Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts ist ohne Zweifel ein Thema, ja, ein System mit vielen Ecken und Kanten. Genau darum interessiert uns eure Meinung.

    Ich persönlich fühle mich auch oft an die Erfahrungen der DDR erinnert, wenn ich die Entwicklungen in Venezuela mitbekomme. Und dann frage ich mich, ob und wie Venezuela es schaffen kann nicht in die selben Fehler zu verfallen. Ich denke auch, dass das eigene Ego eines Jeden eher der Macht und/oder Gier verfällt und dem Sozialismus im Weg steht.

    Andererseits ist es an der Zeit etwas anderes zu probieren um die Armut zu konfrontieren. Angesichts der grossen Bevölkerungsgruppe, die betroffen ist, sollte nichts unversucht gelassen werden um wenigstens eine bessere Grundversorgung gewährleisten zu können.

  7. Winfredo sagt:

    Der Sozialismus macht durchaus Sinn, wenn er nach den von Marx entwickelten Prinzipien durchgeführt wird. Korruption, Vetternwirtschaft,bürokratisches Herumkommandieren usw. sind alles Übel des Kapitalismus, die nicht so einfach aus den Köpfen der Menschen verschwinden werden, das erfordert einen langen Umdenkungsprozeß und ein dialektisches Denken anstelle dem Herbeten von Phrasen wie ‚der Mensch ist halt egoistisch und machtgierig und wird es immer bleiben…‘.
    Aber das hat man halt in der DDR leider nicht gelernt. Macht euch doch die Mühe, Marx und den dialektischen Materialismus zu studieren.
    Der Schauspieler Mario Adorf führte in einem Interview jüngst aus warum er sich für Karl Marx engagiert:
    “Ich glaube, dass seine Persönlichkeit neues Interesse wachrufen sollte und dies auch tun wird. Gerade in der Krise des Kapitalismus gibt es ein Bedürfnis zu verstehen, wer der Mann war. Welche Alternative existiert zu diesem System? Was lief bei den Revolutionen falsch? Lag das an ihm? Was war das überhaupt für eine Mensch? Diese Fragen interessieren mich schauspielerisch enorm.“
    Schaut auf die Krise in Argentinien, die verschütteten Bergleute in Chile… der Kapitalismus zeigt täglich seine Überholtheit.

  8. Susann sagt:

    Hallo Winfredo,

    danke für deine Anregungen. Ich denke auch, dass der Sozialismus ein Thema ist, dem man im normalen Alltag oft begegnet und es sich schon deshalb lohnt sich etwas mehr damit zu beschäftigen. Die Ideen sind gut – es geht eben um die misslungene Umsetzung, die sich in so vielen verschiedenen Situationen und Ländern gezeigt hat.

    Es ist ein langer Prozess, der vorangehen muss, um das Gemeinschaftsdenken des Einzelnen zu stärken und das Ego etwas abzuschwächen. Aber gerade in der heutigen Zeit sieht man, dass eingefahrene Systeme überholt sind und nach Verbesserung schreien. In Venezuela öffnet die ganze Diskussion um den Sozialismus des 21. Jahrhunderts eine Tür zu etwas Neuem, bietet eine Chance. Doch es hängt von der Regierung und der Bevölkerung ab, in welche Richtung sich die neuen Ideen bewegen und wie viel Neues sie aufnehmen und verwirklichen.

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