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Vergnügunssteuerfrei – Taxifahren in Bogota

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Bogota ist eine Stadt mit vielen Staus. Eine Strecke, für die an einem Sonntag 20 Minuten benötigt werden, kann an einem Wochentag schon mal 40 oder mehr Minuten in Anspruch nehmen. Eigentlich keine Voraussetzungen um mich gerne von A nach B zu bewegen … wären da nicht Bogotas Taxifahrer, die jede Fahrt zu einem Erlebnis machen.

Ich möchte euch heute also zu einer Fahrt durch Bogotas Straßen einladen. Unser Taxifahrer heißt Fernando, ist um die 30 Jahre und seit 3 Jahren Taxifahrer in Bogota. Er selber ist in Bogota geboren, somit bezeichnet er sich als „Rolo“. „Rolo“ ist eine spöttische Bezeichnung, die im 19 Jahrhundert den „Bogotanern“ auf Grund ihrer Sprache von „Nicht-Bogotanern“ verpasst wurde. Charakteristisch ist die nasale Melodie der Sprache, die Tendenz alles zu mit den Endungen „ito“ oder „ita“ zu verkleinern und das deutlich rollende „R“. Daher die Anpassung des englischen „to roll“ in das spanisch klingende „Rolo“. Heute bezeichnen sich echte Bogotaner selber mit einem Augenzwinkern als „Rolo“. Auf „bogotanisch“ ist z.B. ein Mittagessen nicht einfach nur köstlich also „sobroso“ sondern eben „sabrrrrocito“

Der kleine, gelbe „Daihatsu“ rollt los. Klein und wendig sind sie, genau richtig für Bogotas Verkehr. In Europa würden sie eher als Zweisitzer, mit zwei Notplätzen gelten. Ist keiner der Fahrgäste größer als 1.80, dann lässt es sich auch zu zweit gut sitzen. Da die Kolumbianer generell etwas kleiner sind, passen auch schon 3 Menschen auf die Rückbank. Wenn die Polizei nicht in der Nähe ist – und ehrlich gesagt, wann ist sie das? – passen auch schon mal 5 Fahrgäste in den Fond. Diese Besetzung ist vor allem nach einer Nacht in der Disco sehr beliebt, viel enger war es auf der Tanzfläche auch nicht.

Einen echten „Rolo“ als Fahrer zu haben ist schon sehr angenehm. Nicht nur das ein echter „Bogotano“ alle Schleichwege kennt, noch wichtiger ist es, dass ihnen jedes Loch in Bogotas Straßendecke bekannt ist. Diese Kenntnis ist, sitzt du in einem Daihatsu, sehr wertvoll. Schnell hast du das Gefühl in einen Krater gefallen zu sein und wenn es regnet denkt so mancher an die Titanic, wenn so ein kleines Auto in ein Straßenloch schier zu fallen scheint.

So legt natürlich das erste Gespräch mit Fernando, die Fahrtstrecke fest. Nachdem wir uns da einig sind und Fernando mir einen ausführlichen Bericht über die aktuelle Verkehrslage vorgetragen hat – dabei erfahren wir auch, was er wann zum Frühstück hatte – müssen wir nun über Bogotas Straßendecke reden, klare Sache! Bogotas Straßen: Fallgruben mit etwas Teer drumherum! Da Löcher und Baustellen Verantwortung der Bürgermeister sind, gelangen wir in einem Atemzug zu den politischen Aktualitäten. Fernando ist bekennender „Polo“ Wähler, also schon mal einer, der den amtierenden Bürgermeister gewählt hat. „Polo“ oder eigentlich „Polo Democrático“ ist z.Z. die zweitstärkste politische Partei Kolumbiens und vertritt Positionen, die in Deutschland den Arbeitnehmerflügeln der Parteien zugeordnet werden würden, für kolumbianische Verhältnisse also: weeeeeeeiiiiiit links.

Aber Straßenlöcher sind links und rechts Straßenlöcher. Sie halten Fernando von einer zügigen Abwicklung seiner Arbeit ab, kosten Zeit, Benzin und Stoßdämpfer und so ist Fernando, was die Straßendecke seiner Stadt angeht, nicht mit seinem Bürgermeister zufrieden. Jetzt, ohne regionale Präferenzen setzen zu wollen, bin ich froh, dass Fernando „Rolo“ ist und nicht z.B. aus der karibischen Küste kommt. Bei diesem brisanten Thema, lässt Fernando die Hände am Steuer! Ein Fahrer aus der Karibik z.B. müsste seine Empörung mit wilden Handbewegungen unterstreichen. Dass der „Bogotaner“ für kolumbianische Verhältnisse als emotionslos gilt, werte ich, wenn es um Politik geht, als gut für die Verkehrssicherheit. Allerdings: Was eine rote Ampel anderswo bedeutet, davon hat Fernando schon mal gehört. Für Bogotas Taxifahrer besteht ihre Funktion aber nicht in der Regelung des Verkehrs. Eine Ampel wird bestenfalls als eine Art bunte Empfehlung angesehen. Ein echter „Rolo“ als Taxifahrer ist natürlich auch mit dam Wissen gesegnet, wann er eine Ampel übersehen kann oder wann er über die Empfehlung der Farbe nachdenken und wann er sie befolgen sollte.

Ob aus Bogota oder aus der Karibik oder aus Medellin, sobald das Handy klingelt und die Dame des Herzens anruft, überstürzen sich die Fahrer einig und unabhängig ihrer Herkunft in „Si, si mi amor …“-Bekundungen. Unterschiede in der Herkunft können höchstens ausgemacht werden, wenn es sich um „mi amor“ oder „mi amorcito“, also „meine Liebe“ oder „meine kleine Liebe“, handelt. Der echte, echte Rolo, also der, dessen Familie schon seit Generationen in Bogota lebt, wird zur „kleinen Liebe“ tendieren. Was aber nicht bedeutet, dass er die Dame seines Herzens weniger lieb hätte. Doch ob „mi amor“ oder „mi amorcito“, wenn eine attraktive junge Frau die Straße kreuzt, kann kein Taxifahrer dem „Hupinstinkt“ widerstehen. Auch unser Fernando nicht und so muss er postwendend seine „amorcito“ am anderen Ende mit beschwichtigenden „aiiii amorcito …“-Sätzen erklären, dass trotz Hupens, nur sie ( „mi amorcito … mamita querida“) das Licht seiner Augen ist. Das dauert natürlich und als Fernando endlich auflegen kann, erzählt er uns, dass er jetzt noch einen Freund finden muss, denn das „Hinterherhupen“ eben hat ihn eine Einladung in die Disco gekostet, für seine Frau und ihre zu Besuch weilende Schwester! Da in Kolumbien nur Paarweise ausgegangen wird, muss er jetzt einen Tanzpartner für seine Schwägerin finden. Das Problem dabei, erst nächste Woche ist Zahltag! Da kann die Schwägerin noch so sympathisch und attraktiv sein, Fernandos Freunde sind noch für eine Woche pleite, wovon ich live „Ohrzeugen“ werde. Ebenso erfahre ich, dass die Schwägerin sehr hübsch, aber auch sehr verwöhnt ist und dass sie immer eine Extra-Wurst will. Nein, so schnell wird Fernando keinen Begleiter finden, auch wenn er seine Freunde beschwörend daran erinnert (hierzu nimmt er schon mal die Hand vom Lenkrad), wie oft er ihnen aus ähnlich unglücklichen Situationen geholfen hat.

Ohne es so richtig zu merken, erreichen wir unser Ziel. Dank Fernandos Kenntnissen über Schleichwege sogar schneller als erwartet, dank seinem „Schlaglochsensor“ ohne größere Belastungen für die Bandscheibe und um die Erkenntnis reicher, dass Bogotas Verkehrsprobleme gar nichts sind im Vergleich mit der Tanzpartnersuche für eine hübsche aber verwöhnte Schwägerin. Oder ist die Moral der Geschichte doch eher: Hupe nie einer Frau hinterher, wenn deine eigene gerade mithört? Das ist sicherlich eine gute Frage an meinen nächsten Taxifahrer.

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8 Antworten auf “Vergnügunssteuerfrei – Taxifahren in Bogota”

  1. Andrea sagt:

    Ja Miguel,
    bei diesem Bericht habe ich herzhaft lachen müssen.
    Sind doch die Frauen in der Welt eigentlich überall gleich.
    Und die „Taxistas“…..gerne würde ich das mal mit erleben :o)
    Auf jeden Fall hattest Du eine Menge Spaß, oder?
    Besser ein „Rolo“ als ein „Trolo“. ;o)
    Gruß
    Andrea

  2. Miguel sagt:

    Jaa Andrea, den hatte ich wirklich. Das mit zu erleben ist relativ einfach … spreche einen Taxifahrer in Bogota oder Kolumbien an. Die Fahrt ist bestimmt unterhaltsam. Wie ist es mit den „Rolos trolos?“ 🙂

    Saluditos
    Miguel
    Bin aber kein „Rolo“, weder in Bogota geboren, noch stammen meine Eltern aus Bogota

  3. Sonja sagt:

    Hola Don Miguelito,

    wie oft habe ich solch wundersame und -volle Minuten/Stunden in Taxis bzw. „ticos“ verleben dürfen, sowohl in Kolumbien als auch in Peru. Jedoch es nie in Worte fassen, da ich immer dachte so etwas MUSS man einfach erlebt haben. Ich gebe aber neidvoll zu, du hast das Erlebnis Taxifahren zu einem wahren Lesevergnügen gebündelt. Seit nun drei Monaten bin ich wieder in Deutschland, weder beim Zugfahren oder Busfahren (das Taxifahren ist ja hier kaum bezahlbar)konnte ich dergleichen erleben. Keine dröhnende Musik, kein Hupen, keine Überholmanöver oder Adrenalinkick, kein Miteinander. Auch das Guten Tag ist nur selten einem Busfahrer zu entlocken. Und ich gebe zu- wenn auch etwas kleinlaut(habe ich mich doch oft über das Gepfeife der Männer geärgert): ich vermisse es 🙂
    Saludos desde Alemania y muchas gracias por todo de nuevo- la practicante Sonita!

  4. Miguel sagt:

    Hola Sonita,

    vielen Dank für deine netten Worte. Ich muss dir erzählen, dass ich gerade herzhaft lachen musste, als ich las, dass du das Gepfeife etwas vermisst! Hahaha! Habe ich doch noch deine empörten Berichte darüber lebhaft vor Augen.

    Te esperamos en Colombia
    un abrazo
    Miguel

  5. Kristina sagt:

    Ja, sehr unterhaltsam und interessant der Artikel.
    :o)
    Saludos
    Kristina

  6. Sandra sagt:

    Immer wieder schön diese Taxigeschichten. Besonders, wenn sie so treffend beschrieben sind!

    Hach, da kommen Erinnerungen auf…

    Grüße,
    Sandra

  7. Osslita sagt:

    Holitá Miguelito,
    wie schön, über viventura immer Deine lebendigen Berichte zu lesen! Ich verspreche Dir, ich schaffe es noch mal, in Kolumbien Taxi zu fahren und manches andere zu tun.
    abrazos
    Osslita

  8. Petra sagt:

    Hola Miguel,

    ich hoffe, wir fahren am 03.04. oder 04.04. Taxi in Bogota – vielleicht mit Fernando?

    Hasta luego Petra

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Der Autor:

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