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Peru: Telefonieren auf peruanisch

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Fragend schaut mich Lizbel an. Warum ich den Tag mit ihr verbringen möchte? – das kann sie sich einfach nicht erklären. Ob ich denn nichts Besseres zu tun hätte? Es ist Mittwoch morgen und ich spaziere noch etwas müde in Richtung „Plaza de Armas“, dem Hauptplatz Arequipas. Schon vom weiten höre ich sie, die Telefonverkäufer – „Llamadas, llamadas, llamadas“ (Anrufe).

Ich betrete den Platz in Mitten voller Tauben, Schuhputzern, Polizisten, Straßenverkäufern und Besuchern. Schüchtern wedelt eine junge Frau mit ihrem braunen Handyband rum und fragt „llamada?“. Schon immer wollte ich wissen, was es mit den Telefonverkäufern auf sich hat und so schließe ich mich der jungen Frau an.

Lizbel, die Telefonverkäuferin, ist 24 Jahre alt, nur ein Jahr älter als ich, und vermietet ihre drei Handys für Gespräche seit nun mehr acht Monaten. Sie erzählt mir, dass sie eine Freundin irgendwann einmal mitgenommen hat und sie so ins Geschäft kam. Vorsichtig sehe ich mich um. An jedem Eingang des Plazas stehen mindestens zwei Anrufverkäufer. Dies merkt sie wohl und erklärt mir, dass jeder hier sein Revier, also seinen festen Platz, hat.

Lauthals schreit sie wieder: „Llamadaaaas!“ und tatsächlich der erste Kunde. Eine Minute kostet 50 Centavos (0,12 Euro), der junge Mann telefoniert drei Minuten und gibt Lizbel anschließend 10 Soles. Sie betrachtet den Schein skeptisch und bittet ihn um einen anderen. „Du musst bei den Scheinen aufpassen! Falschgeld und kaputte Scheine nimmt keiner an.“ erklärt mir Lizbel. Da ich selbst auch schon mal Falschgeld erhielt, wollte ich wissen, wie man den Unterschied erkennt. Sie hält mir den Schein unter die Nase und ich erkenne deutlich ein Wasserzeichen. Vorsichtig knickt sie den Schein am Rand, wo die Zahl zu erkennen ist. Wenn sich die Farbe ändert, ist er echt.

Wir laufen den Eingang am Plaza hoch und runter, Lizbel erzählt mir ein bißchen über sich. Sie wohnt in einem Vorort von Arequipa. Eine Stunde mit dem Bus braucht sie, um nach Hause zu fahren. Da ihre Mutter alleine ist, musste sie schon früh arbeiten, um die Familie finanziell zu unterstützen. Die Schule besuchte sie deshalb nur bis zur 6. Klasse. Naiv frage ich, ob sie irgendwelche Träume oder Vorstellung für ihr Leben hat. Nüchtern antwortet sie nur: „Als ich ein Kind war, hatte ich Träume. Nun versuche ich wenigstens so viel zu verdienen, dass ich davon Lebensmittel kaufen kann.“

Wie viel sie im Monat verdient, will oder kann sie nicht sagen. Es reicht auf jeden Fall gerade so, um etwas zu Essen zu kaufen, erklärt sie mir. In den zwei Stunden, in denen ich sie begleitete, verdiente sie 17,50 Soles (4,17 Euro). Die 50 Centamos, die sie pro Minute verdient, sind nicht ihr Gewinn. Mit Claro, einen peruanischen Mobilfunkanbieter, hat sie einen Jahresvertrag und muss natürlich die monatlichen Gespräche bezahlen.

Die Sonne scheint und so nimmt Lizbel ihre neongelbe Weste als Sonnenschutz. Das schwere an dem Job ist das Stehen, die Sonne oder der Regen, berichtet sie. Vor Regen gibt es keinen Schutz, denn am Platz gibt es keine Unterstellmöglichkeiten und außer ihrer „Llamada-Weste“ hat sie auch keinen Sonnenschutz.

12 bis 13 Stunden arbeitet Lizbel täglich, je nach dem wie viel sie verkauft. Gerade ist das Geschäft nicht so gut und der Platz scheint auf einmal leer. Wir unterhalten uns mit Fede, dem Schuhputzer, neben an. Etwas verärgert fragt er Lizbel, wieso sie gestern nicht „Adiós“ gesagt hat. Er hätte sich Sorgen gemacht. Fede holt zwei kleine Wasserflaschen aus seiner Tasche hervor und lässt sie im Gebüsch verschwinden. Der Alte sagt: „Die sind für uns zwei. Denn wir haben noch einen langen Tag!“ Wie eine kleine Familie, so gibt man am Plaza auf sich Acht und hilft sich.

Und der Alte hat Recht, die Sonne scheint bedingungslos und schon nach knapp 2 Stunden schmerzen meine Beine vom Stehen.

Am Ende des Vormittages bin ich in Gedanken. Lizbels Geschichte hat mich berührt und beeindruckt. Denn ihr Leben begann scheinbar viel früher. Wir sind zwei junge Frauen, die zwei komplett unterschiedliche Leben leben – ja, nahezu in verschiedenen Welten. Es war toll ein Stück ihrer Welt kennenzulernen. Wenn sie auch anfangs etwas skeptisch war, hat sie sich doch über das Interesse an ihrem Leben gefreut. Ich verabschiede mich und bedanke mich für den interessanten Vormittag, drehe mich um und höre sie wieder: „Llamadas, llamadas, llamadas!“.

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