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Chile: Teletón – eine Chance für Alvaro

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„Muy bien- das hast du gut gemacht!“, lobe ich meinen fünfjährigen Patienten Álvaro, der wackelig, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf der Matte am Boden des Therapieraumes sitzt. Er ist sichtlich stolz darauf es geschafft zu haben, sich den Pullover alleine über den Kopf zu ziehen, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren. Alvaro ist eines der mehr als 250.000 Kinder, die Unterstützung der Organisation Teletón www.teleton.cl erhalten. Er ist seit der Geburt körperlich behindert. Seine Diagnose ist eine angeborene, vom Gehirn ausgehende Lähmung, die sowohl seine Arme, als auch Oberkörper und Beine betrifft. Dies hindert ihn daran, sich wie andere, gesunde Kinder normal zu entwickeln und sich in seinem Leben zu entfalten und zu integrieren.

Als ich vor 10 Monaten nach Chile kam, fiel mir immer wieder auf Lebensmittelverpackungen, Plakaten etc. das Zeichen von Teletón auf. Ich musste nicht lange recherchieren, um herauszufinden, dass es sich dabei um eine Initiative für behinderte Kinder handelt, was mein Interesse als Ergotherapeutin besonders steigerte.

Ergotherapeuten behandeln Menschen in allen Altersstufen, die aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung Probleme haben, ihren Alltag selbstständig zu meistern. Die Patienten lernen, ihre Kompetenz bei der Durchführung von alltäglichen Tätigkeiten wie zum Beispiel Hygiene, Essen, Freizeitgestaltung und Beruf zu steigern. Dazu benötigen sie sowohl motorische Funktionen als auch unterschiedliche Denkleistungen. Durch gezielte Maßnahmen trainieren wir die Funktionen, die dem Patienten fehlen, um die für ihn wichtigen Aktivitäten selbstständig oder mit so wenig Hilfe wie möglich durchführen zu können. Dies hilft nicht nur sich im Alltag zurecht zu finden, sondern steigert auch das Selbstbewusstsein!

Während meiner Arbeit im Rehabilitationszentrum der Teletón in Santiago bekam ich einen Einblick in die verschiedenen Programme des Therapieangebots und sah mit wie viel Empathie, Freude und Professionalität sich das große Team des Zentrums für Álvaro und die anderen Kinder und deren Familien einsetzt. Besonders beeindruckt war ich von der Vielfalt an Materialien und therapeutischen Maßnahmen. Das Angebot beinhaltet von Gruppentherapien mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Alltagstraining im Therapiebad, über handwerkliche Tätigkeiten und Therapie mit Hunden, bis hin zu beruflichem Training alles, um jedem Kind eine gezielte, individuelle Behandlung zu ermöglichen.

„In jedem Schritt bist du“ war die Schlagzeile der letzten Marathon- Spendenaktion Teletón, bei der von 30. November bis 1. Dezember 2007 mehr als 18 Millionen Euro gespendet wurden.

Den Startschuss gab 1978 der deutsch-chilenische Fernseh- Moderator Mario „Don Francisco“ Kreutzberger. In einer 27-stündigen, nationalen Fernsehshow rief er Chile zu finanzieller Unterstützung der Gesellschaft für die Hilfe behinderter Kinder auf – eine Gruppe aus Ärzten, Erziehern und Eltern, die sich für behinderter Kinder einsetzt. Seit jenem großartigen Erfolg ist Teletón zu eines der erfolgreichsten Werke für behinderte Kinder in Chile geworden und gilt als Vorreiter im Bereich Kinderrehabilitation. Es werden nicht nur immer mehr behinderte Kinder unterstützt, sondern die Arbeit von Teletón führte auch zu einer kulturellen Veränderung in Chile hinsichtlich der Akzeptanz und Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft. In den letzten Jahren wurde vermehrt an der Verbesserung der Lebensqualität gearbeitet, beispielsweise am Vermindern von Hindernissen im öffentlichen Bereich durch das Anbringen von Rollstuhlrampen und der behindertengerechten Umgestaltung von U-Bahnen und U-Bahn-Stationen. Ein Schwerpunkt gilt auch der vermehrten Integration von behinderten Menschen in Schulen und Arbeitsplätzen.

In 10 Rehabilitationszentren, verteilt auf Chile, sind fast 700 Mitarbeiter für die Betreuung von über 24.500 Patienten zwischen 0-21 Jahren und deren Familien verantwortlich. Jedes Jahr gibt es ca. 2500 Neuzugänge.

Überzeugt davon, wie groß der Erfolg der Teletón wirklich ist, wurde ich vom 28-köpfigen Team der Ergotherapie. Hier lernte ich auch Álvaro kennen, der seit seinem zweiten Lebensjahr Patient ist. Für uns selbstverständliche Tätigkeiten wie zum Beispiel sich im Bett aufzusetzen, sich zu waschen oder sich die Schuhe zu zubinden, muss Álvaro mit großer Anstrengung erlernen. Kein Wunder also, dass er mich anlächelt, als er zum ersten Mal beim Pulloveranziehen nicht wieder auf den Rücken fällt. Auch die Augen seiner Mutter strahlen, als sie den kleinen Fortschritt ihres Sohnes sieht.

Nicht nur Álvaro selbst wird in der Stiftung betreut, sondern auch seine Eltern, die psychische Unterstützung und Tipps für die Förderung und Integration Álvaros bekommen, sei es, Tagesabläufe zu Hause besser zu organisieren oder Álvaro einen Platz in einem geeigneten Kindergarten zu besorgen.

Ein paar Meter von uns entfernt sind die Therapeuthin Laura und ihre Patientin Alexandra gerade lautstark in Aktion. Mit den Worten „Oli- trae!“ (Oli- bring!) fordern sie den Therapiehund Oliver dazu auf, verschiedenfarbige Bälle zu holen. Oliver folgt dem Befehl mit vollem Einsatz und hinterlässt – außer dem Ball und einem feuchten Kuss auf Alexandras Backe – auch ein begeistertes Lächeln in ihrem Gesicht. Alexandra kann sich aufgrund ihrer Behinderung schwer konzentrieren und kommt deshalb kaum zu positiven Ergebnissen. Mit Oliver hat die Ergotherapie einen anderen Weg gefunden, auf Alexandra zu zugehen und ihre Leistungen zu entfalten. Für Alexandra ist Oli mittlerweile ein guter Freund, mit ihm gelingt plötzlich alles viel besser.

Álvaros Aufmerksamkeit ist mittlerweile auch bei Alexandra, Laura und Oliver, und als Belohnung für seinen Therapieerfolg darf Álvaro die letzten Minuten seiner Therapieeinheit mit Oliver verbringen.

Schon ist wieder ein Tag um. Ich verabschiede mich von den Kindern, ihren Eltern, den Therapeuten und Oliver, steige in die U-Bahn und lasse das Erlebte noch einmal revue passieren. Bald ertappe ich mich dabei, wie ich unbewusst lächle.

Isabella Kerschbaumer

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