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Bolivien: Wo die Teufel bis zur Kirche tanzen

27. Sep 2008Allgemein 1 Kommentar

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Vor zwei Wochen fuhr ich nach langer Zeit mal wieder nach Oruro, die Stadt in der ich aufwuchs. Sie liegt auf dem Hochland Boliviens, etwa 300 Km. südlich des Titicacasees. Sie schmiegt sich an einen Berg in dem seit 4 Jahrhunderten nach Silber und Zinn Bergbau getrieben wird.
Ich ein paar freie Stunden und ging Jairo besuchen, er ist Mönch und hat einen einmaligen Arbeitsplatz: eine Kirche in der oberirdisch einen Marienaltar steht und unterirdisch ein Teufel steht.
Jeder Orureño – so nennen sich die Bewohner Oruros – kennt die “Capilla del Socavon“, die “Bergwerkskirche“ in welcher Jairo wirkt. Sie ist mit Sicherheit eine der
merkwürdigsten Kirchen auf der Welt, denn neben dem Marienaltar führt ein tiefer schwarzer Bergwerksstollen hinab ins Dunkel. Im Stollen, unter der Kirche, befindet sich eine fast mannsgroße steinerne gehörnte Teufelsfigur.
Auch ist Jairos Kirche einmal im Jahr, im Februar, der Endpunkt des größten und buntesten Festes Boliviens, des Karnevals von Oruro, berühmt für seine Teufelstänzer und UNESCO – Welterbe
Was hat die Ehrwürdige Kirche nun mit soviel Teufelszeug und heidnischer Bräuche wie dem Karneval zu tun?.
Hier im Andenhochland vermengen sich die Glaubenswelten der indianischen Quechua und Aymara Kulturen mit dem Christentum der Europäer, die Stadt Oruro ist einer der Orte auf dem Hochland in denen dieses Zusammenleben der Kulturen am stärksten ausgeprägt ist und in Jairos “Bergwerkskapelle“ ist diese Vermengung sehr stark zu erleben.
In der Sagenwelt der Bergarbeiter von Oruro wurde der gehörnte indianische Gott Huari von der Jungfrau Maria besiegt und in die Unterwelt verbannt, wo er nun herrscht und über das Glück der Bergleute waltet. Diese Sage verbildlicht wie das Christentum die öffentliche Religion wurde und wie der indianische Glaube sich zunächst versteckt. Nach Jahrhunderten sind nun teile dieser Glaubenswelten zusammengewachsen und werden in unserem Alltag gelebt.
Bei uns befindet sich zum Beispiel in jedem Bergwerk eine gehörnte Figur aus Ton oder Stein die von den Bergleuten verehrt wird und der man Kokablätter, Alkohol und Zigaretten opfert. In dieser teuflisch aussehenden Figur lebt der Andengott Huari weiter.
Wenn die Bergleute sich zum Karneval als Teufel verkleiden und tanzen tanzt also auch der indianische Gott.
Der Karnevalsumzug endet an der Marienkapelle, wo die Teufelstänzer die Masken absetzen und als Christen der Jungfrau Maria huldigen.
Die Mönche welche die Kapelle hüten haben sich mit diesen Traditionen arrangiert und respektieren die heidnischen Elemente des Karnevals. Viele von ihnen tanzen selber als Teufel verkleidet mit!.
Im November fahre ich wieder nach Oruro um Jairo in seiner Kirche zu besuchen, er wird dann sicher viel zu tun haben, die ersten Proben für den Karnevalsumzug beginnen am ersten Novemberwochenende und die Stadt macht sich langsam bereitet für ihr wichtigstes Fest, wo die Teufel bis zur Kirche tanzen.

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Eine Antwort auf “Bolivien: Wo die Teufel bis zur Kirche tanzen”

  1. Margitta Stöhr sagt:

    Der Artikel ist sehr gut.
    Schade, dass wir voriges Jahr während unseres Besuches in Oruros die Kirche (aus Zeitgründen) nicht besuchen konnten.

    Danke. Weiter so!

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