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Papa bleib in Spanien!!

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Claudio hat keine Lust zu basteln. Traurig sitzt er auf seinem Platz und schaut zu, wie seine Schulkameraden das Geschenk zum Vatertag zurechtschneiden, kleben und bemalen. Er wird seinen Vater nicht sehen am Vatertag.

Claudio ist einer von sechs Kindern in seiner Schulklasse, die fern ihrer Eltern aufwachsen. Seine Großeltern kümmern sich um ihn und seine drei Geschwister, da seine Eltern in Spanien arbeiten. So wie ihm, geht es mehr als 150.000 Kindern (2000) in Ecuador, Tendenz steigend. In ihrem Heimatdorf Yangana, im Süden des Landes, in der Provinz Loja, gibt es weder Arbeitsplätze noch Perspektiven auf eine berufliche Zukunft, so dass Claudios Eltern Andrés und Maria vor zwei Jahren nach Murcia gegangen sind. Seitdem sind sie einmal an Weihnachten nach Hause gekommen, um mit ihren Kindern sein zu können. Sonst bleibt der Anruf an das einzige Telefon im Dorf die einzige Kommunikationsmöglichkeit.

Ihnen gleich tun es ca. 1500 Lojaner wöchentlich. Vorzugsweise suchen sie in Spanien ihr Glück und schuften für eine bessere Zukunft ihrer Kinder. Sie zählen zu den schätzungsweise 1,2 Millionen Ecuadorianern in Europa, von denen rund 60%, wie Claudios Eltern noch keine legalen Papiere haben.

Claudio aus Yangana

Der Europarat lässt nun jene Inmigranten nach der Verabschiedung der sogenannten Rückführungsrichtlinie bangen. Denn diese Richtlinie sieht vor, illegal eingereiste Flüchtlinge bis zu 18 Monate zu inhaftieren, Kinder werden hier nicht ausgenommen. Danach erfolgt die gewaltsame Rückführung ins Heimatland und das Verbot, in den nächsten 5 Jahren europäischen Boden zu betreten. Dem EU-Reglementarium fehlt nur noch die Absegnung durch den Ministerrat und dann haben die EU-Mitgliedsstaaten 2 Jahre Zeit, diese Vorschriften in nationales Recht umzusetzen.

Andrés und Maria haben Angst wie Straftäter behandelt zu werden. Sie fragen sich, warum sich Europa so abschottet, hat Südamerika doch so vielen Europäern vor, während und nach dem 2. Weltkrieg Zuflucht geboten. Protest hört man auch von den südamerikanischen Staatsoberhäuptern. Ecuadors Präsident Rafael Correa, der als erster Präsident seines Landes auch die Problematik der Migration ernst nimmt, hat die Richtlinie als „Schandverordnung“ bezeichnet und eine gemeinsame Antwort Lateinamerikas angekündigt. Erster Schritt ist die im Mai vollzogene Gründung der UNASUR, der Union Südamerikanischer Nationen als Gegeninstrument zu dieser Abschottungspolitik der EU.

Für Ecuador, mit einem Emigrantenanteil von 15% der Gesamtbevölkerung wäre diese Durchsetzung des Gesetzes nicht nur ein menschliches Debakel. Die von den im Ausland lebenden Ecuadorianern gesandten Gelder, sogenannte remesas, stellen die wichtigsten Deviseneinnahmen des Landes dar. 2006 wurden rund 1,453 Mrd. USD allein aus Spanien nach Hause geschickt und hier für den Hausbau, Gesundheit, Bildung und Lebensmittel verwendet. Diese Remesas bilden somit 7% des nationalen Bruttoinlandproduktes und kurbeln die Binnenwirtschaft an.

Durch eine gewaltsame Rückführung seiner Eltern würde Claudio so vielleicht wieder bei seinen Eltern aufwachsen und mit Freude für den Vater- und Muttertag basteln. Doch sehr wahrscheinlich müsste er dann spätestens nach Abschluss der 6-jährigen Grundschule in die Stadt gehen, um dort zu arbeiten. Denn trotz der Schulpflicht in Ecuador gehen laut inwent 1,5 Mio. Kinder (40%) zwischen sechs und fünfzehn Jahren nicht zur Schule und müssen für den Familienunterhalt mit verdienen.

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3 Antworten auf “Papa bleib in Spanien!!”

  1. Ushi Engel sagt:

    Ecuadors Wirtschaftsprobleme koennten mit geloest werden mit fairen Preisen fuer z.B. Bananen, Kaffe und Kakau!

    UNASUR sollte faire Preise gegenueber dem Westen erzwingen – dann waeren die landwirtschaflichen Arbeiter nicht gezwungenen ihre Kinder zur Arbeit einzusetzen, bzhw. zu emmigrieren

  2. Sonja sagt:

    Der Artikel ist sehr ergreifend. Wie weit müssen Eltern gehen, um mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, ihre Kinder nicht aufwachsen zu sehen? Leider ist es nicht nur in Ecuador alltäglich, viele von den Industrieländern beherrschte Länder, haben diese Probleme. Mit welchem Ausgang? In Spanien als Unwillkommen zu gelten und als „Latinos“ beschimpft zu werden…

  3. Harald sagt:

    „…gibt es weder Arbeitsplätze noch Perspektiven auf eine berufliche Zukunft, so dass Claudios Eltern Andrés und Maria vor zwei Jahren nach Murcia gegangen sind…“
    Und hier beisst sich die Katze in den Schwanz. Woher hatten dann die Eltern das Geld für eine Passage nach Spanien? Oder sind es doch die etwas besser gestellten und die „Armen“ siechen nach wie vor ohne Arbeit und Perspektive dahin..?

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Der Autor:

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