Balineros - Kolumbiens furchtlose Seifenkisten-Piloten

Von Samara s 08.04.14 18:50

Wer von uns als Kind Seifenkisten gefahren ist, weiss was für ein Riesenspaß diese kleinen Fahrzeuge ohne Motor sein können. Doch wussten Sie, dass es Leute gibt, die Seifekistenfahren zu Ihrem Lebensinhalt und Brotverdienst gemacht haben? Pro7 und Sat1 haben vor kurzer Zeit eine tolle Reportage zu diesem Thema gedreht, welche eine Gruppe von waghalsigen Seifenkistenfahrern begleitet, die dieses Fortbewegungsmittel nicht aus Spaß sondern für Ihren Brotverdienst nutzen!


Auf der gefährlichsten und einzig für Lastwagen befahrbaren Passstraße, die Linea 5, an der Andenkordillere Kolumbiens, arbeiten die furchtlose Piloten, die sogenannten Balineros, mit ihren selbstgebauten Seifenkisten. Ihren Namen haben sie von den Kugellagern, den Balineras, auf denen ihre Karren rollen. Bis zu 80 Stundenkilometer können diese selbstgebaueten Fahrzeuge die aus ein paar Brettern und vier Räder aus Kugellagern bestehen, erreichen!

 

(c) Geo.de

 

Fahrzeug: Die Fahrzeuge der Balineros könnten minimalistischer nicht sein: Eine Holzplatte dient als Basis, unter diese wird vorne ein simpler Deichselbaum für die Lenkung geschraubt, weiter hinten werden noch zwei Ränder angebracht. Die Räder selbst bestehen aus großen Kugellagern aus LKWs, welche mit dicken Gummilappen überzogen werden.
Federung, Aufhängung, Polsterung? Fehlanzeige! Selbst Bremsen kennen die furchtlosen Balineros aus Kolumbien nicht! Zwei dicke Gummilappen werden durch Löcher im Fahrzeugboden über den Boden geschleift, auf den der Pilot mit seinen Füßen sein Körpergewicht stemmt und so die Seifenkiste abbremst. Gelenkt wird der Schlitten durch einen Gurt am Deichselbaum, an dem der Pilot zerrt und so die Achse in eine Richtun gedreht. Auch durch das Verlagern des Körpergewichts kann man Einfluss auf die Fahrt dieser halsbrecherischen Gefährte nehmen.

 

(c) gerhardgreti.at

 

Die Passstraße: Früher war das Gebiet rund um die Linea 5 zu Teilen von der  Guerilla und paramilitärischen Gruppen besetzt. Ein Autoservice war hier undenkbar. Da auch die LKWs zu dieser Zeit deutlich anfälliger als heutige High-Tech-Gefährte waren, etablierten sich die Seifenkisten als praktische Helferlein, die sich erst von den LKWs auf den steilen Pass hinaufziehen lassen und dann von dort losrollen, um in Not geratenen Truckern zur Hilfe zu kommen. Die Balineros sind wie das ADAC auf der Linea 5. Durch das neue High-Tech Mechanismus der neuen LKWs,  werden die Balineros nicht mehr so oft benötigt, sodass viele  Balineros meistens "nur noch" die Schwertransporter waschen müssen anstatt LKWs zu reparieren. Durch diese extrem gefährliche Passstraße mit unendlich vielen Kurven, steile Serpentinen und Windungen, rasen die Balineros mit über 80 km/h überall hinunter, wo sie gebraucht werden. Danach lassen sie sich von anderen Fahrzeugen wieder auf 3.200m hinaufziehen. Balineros bezeichnen sich selbst als “Die Brettpiloten“ und können sich ein Leben ohne die Linea 5 nicht vorstellen. Trotz der Gefahr, ist die Linea 5 deren Wohnort, Arbeitsplatz und Lebenssinn. Balineros sorgen für das Bergen gestürtzte Ladungen, versorgen die Bauarbeiter, bewachen nachts die Trucks, reparieren liegengebliebene LKWs, säubern die Straße, besorgen Ersatzteile und waschen Schwertransporter ab. Feste Tarife verlangen sie für ihre Tätigkeiten nicht.

 

Haben Sie die Balineros schon live erlebt oder könnten Sie sich vorstellen, Ihren Lebensunterhalt mit Seifenkiste zu verdienen?

 

 

Tags: News, El Mocho, Seifenkiste, Seifenkisten, selbst gebaute Seifenkisten, Andenkordillere, Brettpiloten, Balineros, Kolumbien, Linea 5

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