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Argentinien: Im Restaurant bezahlen – ganz einfach!?

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restaurant.buenos.aires.jeka.toyota.flickrBuenos Aires, Argentinien. Ich sitze gemeinsam mit einem guten Freund, den ich seit langem nicht getroffen haben, in einem Restaurant. Wir reden über alte und neue Zeiten und freuen uns beide, ein Fußballspiel auf dem großen Flachbildschirm in der Ecke des Restaurants zu schauen. Das ist sehr normal in Argentinien, es gibt kaum Restaurants ohne Fußball auf dem Bildschirm.

Foto: Restaurant in Buenos Aires (Jeka Toyota – flickr.com)

Plötzlich betritt eine Gruppe von acht Touristen das Restaurant. Sie setzen sich neben uns an den Tisch, der für sie reserviert zu sein scheint. Sie geben Ihre Bestellung in gebrochenem Spanisch auf und beginnen auf eine lautstarke und nervende Art und Weise über Politik und die aktuelle Wirtschaftslage, Finanzkrise und sonstige wichtige Themen, die man aktuell in den Medien findet, zu diskutieren. Ich drehe mich wieder um und mein Freund und ich schaffen es, die Touristen zu ignorieren und uns in unser Gespräch zu vertiefen. So weit, so gut, bis die Gruppe den Kellner nach der Rechnung fragt.

„Können wir bitte getrennte Rechnungen haben?“
„Nein, das ist nicht möglich.“
„Das wäre aber viel einfacher!“
„Es tut mir Leid, aber getrennte Rechnungen sind nicht möglich.“
„Das wäre aber viel schneller für jeden von uns.“
„Nein, es wäre viel schneller, wenn Sie eine Rechnung für den kompletten Tisch bezahlen.“
„Vertrauen Sie uns, wir kommen aus einem westlichen Land, und ich sage Ihnen, dass…“
„Wir sind in Argentinien. Wir SIND in einem westlichen Land“.

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Foto: typisches Restaurant in Argentinien (barbarobar – flickr.com)

Diese Unterhaltung erregt unsere Aufmerksamkeit und wir schauen wieder zu der Gruppe von Touristen hinüber. Da ich schon seit einiger Zeit in Südamerika lebe, muss ich ein wenig schmunzeln, weil ich genau weiß, was jetzt auf sie zukommen würde. Mein Freund und ich unterbrechen also unsere Unterhaltung und verfolgen den Kampf der Gruppe mit einer gemeinsamen Rechnung, indem sie versuchen herauszufinden, wer was gegessen hatte und wie viel und – das schwierigste – alles zusammenzurechnen. Sie denken sicher, dass das nur einige Sekunden dauert, vor allem für jene Personen, die vor ein paar Minuten noch versucht hatten, ihren Standpunkt zu hoch-intellektuellen Themen mit übertriebenem Selbstwertgefühl und Alphatier-Verhalten deutlich zu machen. Die Realität holte sie zurück auf den Boden, denn die Grundrechenarten ließen sie im Stich.

„15-27-36“
„Sind Sie fertig mit der Rechnung?“
„Nein, ich addiere noch die Zahlen! Ok, noch einmal: 15-27-36-39“
„Wie hieß noch mal das Dessert, dass ich bestellt hatte?“
„Kannst du mir noch einmal die Rechnung herüber reichen?“
„Hast du mein Bier auch mitgezählt? Du hast ja gesagt, du lädst mich ein…“
„Na großartig, vielen Dank für die Unterbrechung. Jetzt kann ich noch einmal von vorne anfangen! 15-27-36…“
„Oh Gott, das dauert ja ewig. Beeilen Sie sich doch ein bisschen!“
„Wenn das hier unser Land wäre, hätten wir schon längst bezahlt…“

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Foto: Steak gehört zu einem Restaurantbesuch in Argentinien dazu (Francois Peeters – flickr.com)

Es ist ziemlich offensichtlich, dass dies das erste Mal ist, dass sie in einem argentinischen Restaurant essen gehen. Nach einem fast unendlich langen Hin- und Herrechnen kommt das nächste Problem auf. Jeder versucht mit einem 100-Peso-Schein zu bezahlen. Sobald jemand einen kleineren Schein dazu gibt, stürzen sich die anderen darauf wie Piranhas auf ein Stück Aas, dass ins Wasser gefallen ist. Nach einem 10-minütigen Kampf folgen Diskussion und Resignation.

„Habt ihr alle schon bezahlt?“
„Hat jeder 10 % Trinkgeld mit eingerechnet?“
„Wer sagt, dass wir das tun müssen?“
„Mein Lonely Planet…“
„Ich will aber nur so viel Trinkgeld geben wie dem Service angemessen…“
„Nein, hier steht aber, dass ein Trinkgeld in Höhe von 10 % erwartet wird.“

Die Diskussion geht also weiter, diesmal geht es darum, ob es angemessen ist, ein Trinkgeld zu zahlen oder nicht. Wenn sie doch nur wüssten, dass die Gehälter in der Tourismusbranche hier sehr niedrig sind und dass Angestellte wie Kellner, Fahrer oder Reiseleiter sehr stark auf die Trinkgelder angewiesen sind! Fast möchte ich aufstehen und ihnen die Sachlage erklären, als ein neues Problem für die Gruppe auftaucht:

„Irgendwie komme ich nicht auf den Gesamtbetrag…“
„Aber ich habe meinen Anteil bezahlt!“
„Ich auch!“
„Ich auch!“
„Ich hab alles bezahlt.“
„Ok, ok, dann lasst uns jeder noch 5 Pesos dazulegen und dann stimmt es.“
„Aber ich habe doch schon mehr als 10 % Trinkgeld gegeben.“
„Ich zahle sicher nicht noch einmal 5 Pesos mehr!“
„Na los, wer von euch hat nicht bezahlt?“

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Foto: die Rechnung bezahlen – andere Länder, andere Sitten (The Consumerist – flickr.com)

Die meisten von Ihnen behaupten, dass sie den korrekten Betrag bezahlt hätten, bis schließlich alle fünf Pesos dazugeben, um der Diskussion ein Ende zu bereiten. Jedoch ist die Rechnung immer noch höher als der Betrag, der auf dem Tisch liegt. Dann sehen sie etwas Seltsames auf der Rechnung:

„Was ist das denn?“
„Hm, da steht ‚8 cubiertos‘, ich bin mir sicher, dass ich so etwas weder bestellt noch gegessen habe…“
„Hat irgendjemand von euch acht ‚cubiertos‘ bestellt?
„War das der wodkaähnliche Schnaps, den uns der Kellner am Ende gebracht hat?“
„Wahrscheinlich. Aber er sagte, dass der Schnaps auf’s Haus gehen würde,  oder?“
„Ok, wir beschweren uns besser. Es scheint, als ob man uns hier betrügen will…“

Die Gruppe ruft nach dem Kellner, um sich über die acht „Getränke“ zu beschweren, die eigentlich auf’s Haus gehen sollten, aber nun trotzdem auf der Rechnung stehen. Eine Minute später ist der Kellner an ihrem Tisch und versucht zu erklären, immer noch in einer sehr ruhigen und freundlichen Stimme, während die Touristen langsam ihre Selbstbeherrschung verlieren.

„Cubiertos bedeutet Besteck – das ist die Besteck-Gebühr, die nicht inbegriffen ist.“
„Das ist ein Witz, oder?“
„Nein, Herr. Sie müssen die Besteck-Gebühr bezahlen…“
„Das kann ich nicht glauben! Das ist unfair! Das wussten wir vorher nicht!“
„Aber es steht in der Karte. Sehen Sie hier…“
„Das ist unverschämt! Ich kann ja wohl erwarten, dass ich sauberes Besteck bekomme, warum soll ich also dafür zahlen?“
„Es wird nur ‚cubiertos‘ genannt, aber beinhaltet auch andere zusätzliche Kosten…“
„Sie sind wahrscheinlich das einzige Restaurant der Welt, in dem man für Besteck zahlen muss!“
„Bei allem Respekt, Herr, aber das ist eigentlich Standard in argentinischen Restaurants.“
„Inakzeptabel. So etwas würde es in meinem Land nicht geben…“

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Foto: die „Besteck-Gebühr“ ist in Argentinien üblich (Ismael Villa Franco – flickr.com)

Du bist aber in Südamerika und nicht in deinem Land, denke ich für mich. Restaurants in den meisten Ländern der Welt rechnen ihre „Besteck“-Gebühr (oder wie auch immer man zusätzliche Kosten im jeweiligen Land nennen mag) in den Preis des Gerichts ein. Es ist lediglich eine zusätzliche Preistransparenz für den Kunden, die argentinische Restaurants anbieten, aber offensichtlich wird es so nicht wahrgenommen. Die Gruppe verlässt das Restaurant murmelnd und grollend.

„In dieses Restaurant werden wir sicherlich nie wieder kommen!“
„Ja, das Steak war großartig, aber der Service war furchtbar!“
„Und unser Kellner – wenn er alles einfach auf unsere Weise gemacht hätte!“
„Und für Besteck bezahlen, ich kann es nicht glauben!“
„Die Länder hier müssen noch einiges lernen, sie liegen so weit zurück!“

Ist das so? Nicht wirklich. Eine Gruppe von zwölf Argentiniern am Nebentisch bezahlt ihre Rechnung innerhalb von 3 Minuten. So schnell hätte das noch nicht einmal mit getrennten Rechnungen in „westlichen Ländern“ funktioniert. Und effektiver als die 30 Minuten, die die Touristen brauchten, war es allemal. Werden sie jemals lernen oder akzeptieren, dass Denkansätze und Herangehensweisen, die sich in ihrem Heimatland als effizient erwiesen haben, nicht zwangsläufig übertragbar auf andere Kulturen sind?  Ich erzähle meinem Freund, dass ich deswegen als Reiseleiter immer die übliche Rechnungs- und Trinkgeldkultur erkläre und auch die „Besteck“-Gebühr, bevor meine Kunden in ein Restaurant gehen.

Ah, das Fußballspiel geht los – wir wenden uns beide wieder dem riesigen Flachbildschirm in der Ecke zu…

Originaltext Englisch: Michael Grubinger. Übersetzung: Reni Kulosa

Haben Sie selbst schon einmal etwas Ähnliches erlebt? Wie bereiten Sie sich auf eine Reise vor, um solchen Ärger zu vermeiden? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit. Wir sind sehr gespannt!

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11 Antworten auf “Argentinien: Im Restaurant bezahlen – ganz einfach!?”

  1. michaela hensel sagt:

    sehr geehrter Herr Grubinger!
    ich weiss nicht welche primitivlinge am nachbartisch gessesen sind, das ist leider die negativseite vom massentourismus!in europa, wenn es nicht gerade mac donalds etc. ist, zahlt man sehr wohl „couvert“, aber dort wo diese herrschaften daheim essen gehen, sind mit ziemlicher sicherheit nur blanke kunststofftische, servietten im papierminiformat-wenn überhaupt zu finden.es ist traurig-wenn man als reiseleiter (ich war es einige zeit selber-ähnliche erfahrungen gemacht)auch noch die primitvsten benimmregeln herunterbeten muss!heute als individualreisende schäme ich sehr oft über diese menschen, die passsen besser daheim ins freibad und am würstelstand, geld alleine includiert leider nicht wie benehme ich mich richtig!liebe grüße aus dem schönen wien- es gibt auch hier viele solche menschen!leider m. hensel

  2. Hakan sagt:

    Hallo Michaela,

    du hast vollkommen recht. Um so schlimmer ist es wenn man in der eigenen Gruppe solche Individuen hat, die ganze Zeit. Überhaupt sollten diese „mein Land“ quaselnden Geschöpfe (unabhängig welches Land, leider gibt es in jedem Land genug davon)“ihr Land“ am besten gar nicht verlassen!!!

    Vielen Dank auch an Herrn Grubinger für die nette Anekdote :)))

    Grüße aus dem verregneten Stuttgart

    Hakan

  3. Charly Hauser sagt:

    Für mich gibt es nichts schöneres auf der Welt als in Argentinien Essen zu gehen.
    Wir haben dieses verhalten schon öfters beobachtet,vor allem bei Touristen au dem Allemannischen Sprachraum.
    Liegt meines erachtens auch an der Reiseleitung,dei es versäumt diese selbstverliebten,alleswissenden,aus dem besten Land kommenden Rüpel über die Gepflogenheiten des Bereisten Landes aufzuklären.

    PS: Wir haben auch schon anständige,Kulturel Interessierte Touris Aus DE kennengelernt.

    Saludos
    Charly

  4. Jasmin sagt:

    Sehr guter Artikel. Zeigt noch mal, dass man sich erkundigen soll bevor nach einem Land zu reisen : )

  5. bavi sagt:

    Das ist ja unglaublich – ich vermute fast, dass das deutsche Landsleute waren – oje.
    Aber in einem anderen „westlichen“ Land habe ich das auch schon mal erlebt – vor 17 Jahren in Italien!
    Saludos
    Bavi

    • Reni sagt:

      Liebe Blog-Leser,

      wir freuen uns sehr über eure zahlreichen Feedbacks, die uns auch zeigen, dass es eben nicht nur solch „rüpelhafte“ Touristen gibt, sondern auch verantwortungs- und respektvolle Menschen, die offen für die Kulturen und Lebensweisen anderer Länder sind. Hoffentlich gibt es bald noch mehr von euch!

      Danke und viele Grüße
      Reni

  6. wosp sagt:

    Hä? Ich hab in argentinien noch nie die cubiertos-gebühr bezahlt. Ist das neu oder gilt nur bei den portenos?
    Saludos cordiales
    Wolfgang

    • Reni sagt:

      Hallo Wolfgang,

      die Cubiertos-Gebühr ist in Argentinien kein neuer Trend, sondern ist bereits seit einigen Jahren geläufig. Es gibt jedoch keine einheitliche Regelung, da es abhängig davon ist, ob das jeweilige Restaurant diese Gebühr erheben will oder nicht. Eine längere Beobachtung hat ergeben, dass Restaurants ab einem bestimmten Standard tatsächlich das Besteck in Rechnung stellen, während günstigere (z. b. die, die nur Papierservietten anstelle von Stoffservietten anbieten) dies oft nicht tun. Es scheint auch eine direkte Verbindung mit dem Tourismus zu geben: Je touristischer ein Lokal ist, umso wahrscheinlicher ist, dass das Restaurant die Gebühr erhebt, weil die meisten Restaurants in touristischen Gegenden eher dazu tendieren einen besseren Service anzubieten, verglichen mit nicht-touristischen Regionen.

      Viele Grüße
      Reni

  7. horsti popa sagt:

    Das passiert wenn man die Sitten und Gebraeuche in einem Land nicht kennt. Darum muss man sich vor der Reise informieren und vorbereiten.
    Die Bestecksache gibt es auch bei uns in Europa in vielen Laendern. Heisst „Couvert“

  8. horsti popa sagt:

    Anfang des Jahres in Peru , mit einer deutsch/oesterreichisch/rumaenischer Gruppe.. Es gab getrennte Rechnung ,man musste aber das am Anfang sagen. In den meissten Faellen gab es eine einzige Rechnung. Einer hat bezahlt und im Hotel mit den anderen abgerechnet. Es ging den wie sie wissen sind die Preise nicht sehr hoch. Es ist auch wahr das dieser „Einer“ immer derselbe war, weil es ihm Spass machte. Wir hatten kein Problem. Wichtig ist aber dass jeder weiss was er gegessen/getrunken hat.
    Viel Spass weiter.

  9. horsti popa sagt:

    Bin in Argentinien Anfang 2014.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

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