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Peru: Fußball auf 3.800 Meter über Meer – geht das überhaupt?

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Diese Frage geht mir durch den Kopf, als ich Anfang April in Peru in Puno auf 3’810 Meter über Meer von meinem Büroleiter Juan Carlos gefragt werde, ob ich beim Fußballturnier der Reiseagenturen mitspielen möchte. Als begeisterter Fußballspieler sage ich ihm sofort zu und mache mich auf den Weg, auf dem Markt Fußballschuhe und Schienbeinschoner für wenige Soles zu kaufen.

Am Samstag Vormittag trudle ich mit Juan Carlos und sieben weiteren Reiseführern und Mitarbeitern unserer Reiseagentur auf dem Sportplatz Huascar oberhalb Punos ein. Hier findet seit 15 Jahren von Anfang April bis Ende Juni jeweils am Samstag das Fußballturnier einiger Reiseagenturen von Puno statt. Der jeweilige Gewinner einer Saison organisiert im nächsten Jahr das Turnier, das noch vor Beginn der Hauptreisesaison zu Ende geht. In Peru beginnen bereits die kleinsten Kinder mit dem Fußballspiel, so ist es nicht verwunderlich, dass sich zum Beispiel in Puno ungefähr 50 Fußballplätze befinden. Auf diesen werden von verschiedenen Berufsgruppen solche Turniere veranstaltet, dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Lehrer oder ganze Schulen, Taxi- oder Dreirad-Fahrer, die Mitarbeiter des Elektrizitätswerkes oder eben um Reiseagenturen mit ihren Touristenführern handelt.

Als ich das kleine Spielfeld aus hartem Beton betrachte, schlucke ich erst einmal leer, ging ich doch davon aus, dass die Peruaner hier ebenfalls auf weichem Rasen Fußball spielen wie wir Europäer. Ich ziehe mir freudig meine neuen Fußballschuhe und das Trikot an und beobachte vorerst als Ersatzspieler das Geschehen. In der zweiten Spielhälfte werde ich dann erstmals eingewechselt. Sofort bemerke ich, dass mein Puls nach den ersten Schritten aufgrund der Nervosität und der anstrengenden Höhe immer schneller wird. Ich stelle mich trotzdem dieser Herausforderung und komme im ersten Spiel der Saison immerhin fünf Minuten zum Einsatz. Schnell kann ich erahnen, inwiefern sich der peruanische Fußball von unserem unterscheidet – nämlich in dem viel schwereren und härteren Ball! Als ehemaliger Fußballspieler wollte ich für mein Büro unbedingt einen Treffer erzielen, erreiche vor dem Tor jedoch nicht mehr als einen harmlosen Pass…

Nach dem Spiel erklärt mir Juan Carlos, dass es sich bei diesem Fußballturnier nicht um ein herkömmliches Fußballspiel, sondern um den berüchtigten Futsal handelt, der in Peru großen Anklang findet. Der Futsal tauchte in Uruguay bereits im Jahre 1930 auf, als das südamerikanische Land den Zuschlag für die Ausrichtung der ersten FIFA Fußball-Weltmeisterschaft bekam. Deshalb spielte das ganze Volk an jeder Ecke Fußball. Dem argentinischen Sportlehrer Juan Carlos Cerini fiel auf, dass die Kinder aufgrund des Mangels an Fußballfeldern auf den Basketballplätzen spielten. Daraufhin kam ihm die Idee zu einer neuen Form des Spiels und entwickelte dafür spezielle Regeln. Der neue Sport verbreitete sich schnell im ganzen Kontinent, und 1965 wurde der südamerikanische Futsal-Verband gegründet. Mitglieder waren Uruguay, Paraguay, Peru, Argentinien und Brasilien, das Land, in dem sich der Futsal zu einer großen Leidenschaft entwickelt hatte. Durch die vielen spanischen und portugiesischen Einwanderer sprang der Funke auch nach Europa über. Nach der Anerkennung des Futsals durch die FIFA im Jahre 1989 fand in den Niederlanden die erste Futsal-Weltmeisterschaft statt, die von Brasilien gewonnen wurde.

Zwei Monate später stehe ich mit meiner Mannschaft erneut auf dem Spielfeld, und dieses Mal als Stammspieler. Dies nicht aus dem Grund, dass ich mich in der Zwischenzeit zu einem Profispieler entwickelt hätte, sondern weil heute die Ersatzspieler wegen Touren oder Transfers mit Touristen ausbleiben. Gemeinsam mit Juan Carlos bilde ich die Sturmspitze, während Jaime und Julio in der Verteidigung stehen. Unser harter Gegner ist die Reiseagentur Kollasuyo, die uns von Anfang an spüren lässt, dass sie gewinnen will. Das Spiel fängt jedoch sehr ausgeglichen an. Es gibt viele Ballwechsel, und beide Mannschaften haben etliche Torchancen, die von den Zuschauern mit enthusiastischen Rufen begleitet werden. Kurz vor der Spielhälfte sammle ich meine ganze Kraft und spurte nach einem wunderschönen Pass von Juan Carlos vor das Tor. Aber leider ist der Schuss aufgrund des schweren Balles nicht stark genug und wird vom gegnerischen Torhüter abgewehrt. In der Pause steht es 2:2. Erschöpft lege ich mich auf den Boden und atme die kalte Luft ein.

Der Futsal ist eine Sportart für Spieler, die geschickt spielen und Freude an der Herrschaft über den Ball haben. Er wird mit fünf Spielern auf Handballtore mit einem sprungreduzierten Ball gespielt. Der Ball ist kleiner und schwerer als ein herkömmlicher Fußball und hat relativ wenig Druck. Die Spielzeit dauert zweimal 20 Minuten, ausgewechselt werden dürfen die Ersatzspieler unbegrenzt und fliegend, und der Einwurf ist durch den Einkick ersetzt. Im Gegensatz zum normalen Fußball werden Fouls wie Rempeln, Festhalten oder Reingrätschen – eigentlich jeglicher Körperkontakt – mit einem direkten Freistoss geahndet.

In der zweiten Spielhälfte haben wir in unserer Mannschaft ein sehr schönes Zusammenspiel. Doch unsere Gegenspieler lassen sich nicht verunsichern und spielen sehr hektisch, um einen Treffer zu erzielen. Ich habe das Gefühl, dass sie sehr verbissen sind, damit dieses Spiel für sie erfolgreich beendet wird. Kurz vor Schluss scheint es auch danach, doch nach einem Gegenzug kann ich den Ball weit an Juan Carlos passieren, der zum Schluss den Ausgleich auf 4:4 rettet.

Nach dem Spiel sind wir total erschöpft, schweißgebadet und stolz auf das gelungene Spiel und das erfreuliche Resultat. Zwei Monate nach meinem ersten Einsatz ist meine Kondition bedeutend größer, und auch der hohe Puls lässt nach dem Spiel viel schneller nach. In den drei Monaten, die ich bisher in den Anden verbrachte, konnte sich mein Körper sehr gut an die Höhe akklimatisieren, weshalb es mir heute möglich war, die ganzen 40 Minuten durchzuspielen.

Generell werden Höhen von 2’500 bis 5’500 Meter über Meer als große Höhen bezeichnet, bei welchen eine Akklimatisation erforderlich ist. Diese geschieht kurzfristig auf zwei Varianten – durch eine häufigere Atmung und die Bildung von mehr roten Blutkörperchen. Mit zunehmender Höhe reduziert sich einzig der Luftdruck. Die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt deutlich unter 90%, da diese vom Druck abhängt, der das lebensnotwendige Gas in die Lungen presst. Somit wird zum Beispiel der Sauerstoff auf 5’000 Meter über Meer nur noch mit halbem Druck in die Lungenbläschen befördert. Der Körper versucht dabei durch Vermehrung der Atemfrequenz, höheren Herzschlag und geringere Hautdurchblutung, den Sauerstoffbedarf bei abnehmendem Luftdruck zu gewährleisten. Es gibt Leistungssportler, welche gelegentlich Höhentraining betreiben, um so die Anzahl ihrer roten Blutkörperchen zu erhöhen. Damit wird erzielt, mehr Sauerstoff aufnehmen zu können und deshalb kurzfristig leistungsfähiger zu sein.

Kürzlich wurden von der FIFA internationale Fußballspiele auf über 2’750 Meter über Meer verboten. Ausnahmen gibt es nur bei einer Akklimatisationszeit der gegnerischen Mannschaft von zwei Wochen, was im heutigen Profifußball unmöglich ist. Einige Fußballföderationen und auch Boliviens indigener Präsident Evo Morales setzen sich mit aller Kraft gegen den FIFA-Entscheid ein, der sich gegen alle in der Höhe lebenden Menschen richte. Die Diskussion über ein Verbot läuft bereits seit 1993, als Bolivien gegen die brasilianische Auswahl in La Paz 2:0 gewann. Jahre später klagten brasilianische Spieler nach einem Turnier in einer Stadt auf 3’000 Meter über Kopfschmerzen und Übelkeit. Voraussichtlich werden jedoch internationale Spiele weiterhin zum Beispiel in La Paz ausgetragen, da sich sämtliche Länder Südamerikas – außer Brasilien – dafür entschieden haben, die WM-Qualifikation in der bolivianischen Andenstadt auszutragen.

Fußball ist der wichtigste Sport in Peru und erfüllt die Menschen hier mit Leidenschaft und Enthusiasmus. Für mich war es ein unvergessliches Erlebnis, in einer peruanischen Mannschaft ein Fußballturnier der besonderen Art mitzuspielen. Leider erreichte unsere Reiseagentur dieses Jahr nur den achten Platz, doch das nächste Turnier wartet bereits…


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