Plastikstühle aus der Salzwüste: Recycling in Bolivien

Von Kaya s 24.04.18 12:49

Abfall ist hässlich, verschandelt die Landschaft und im schlimmsten Fall stinkt er auch noch - so die allgemeine Meinung. Also bloß weg damit, raus aus unserem Sichtfeld und damit auch unseren Gedanken. Was wir nicht mehr sehen können, das beschäftigt uns gleich weniger - meistens zumindest. Doch was, wenn die vermeintlich unbrauchbaren Reste doch noch zu etwas taugen?

Unsere Welt hat ein Müllproblem, unter dem schon heute alle leiden - Natur, Tiere und der Mensch selbst. Doch Müll ist eben nicht gleich Müll, und so finden weltweit Recycling und Upcycling mehr Beachtung. Es gibt Bushaltestellen, die lediglich aus leeren Plastikflaschen gebaut werden, Blumenbeete in ausrangierten Autoreifen und Cafés, deren Inneneinrichtung nur aus Strandgut und Paletten besteht.

 

Eine Bushaltestelle aus Plastikfladschen im Surferparadies Montanita, Ecuador. Quelle: L.Wacker
Eine Bushaltestelle aus Plastikflaschen im Surferparadies Montanita, Ecuador. Quelle: L.Wacker

 

Taschen, Druckpapier oder Klamotten - immer mehr Dinge entstehen aus recyceltem Material. Auch Recycling in Bolivien ist ein immer größeres Thema geworden. 4.000 Tonnen Hausmüll entstehen täglich in Bolivien, davon fast 85% in Metropolen wie La Paz, Santa Cruz und Sucre. In ländlichen Regionen entsteht schon allein deswegen weniger Hausmüll, da organischer Abfall größtenteils nicht als Müll betrachtet und eingesammelt wird, sondern vor Ort auf dem Kompost entsorgt oder als Dünger verwendet wird. Außerdem gibt es schlichtweg weniger Möglichkeiten, direkt in Geschäften oder Supermärkten verarbeitete und verpackte Produkte einzukaufen. Stattdessen muss man viel mehr als in der Stadt konsumieren, was man selbst anbaut oder was es in der unmittelbaren Umgebung auf Märkten gibt.

Doch so, wie bei Städtern auch Biomüll anfällt, da diese natürlich alle organischen Produkte einfach im Supermarkt erstehen können, fällt auch auf dem Land Plastikmüll beziehungsweise Abfall aus Leichtstoffverpackungen an, ebenso wie Elektronikschrott oder Metall-Sperrmüll. Das Problem: Circa 20 % der 4.000 Tonnen Müll täglich bestehen aus recyclebarem Abfall, an Recyclingsmöglichkeiten mangelt es jedoch. Nur in ganz großen Städten wie Santa Cruz ist das Recyclen von Glas, Plastik, Papier oder Metall möglich. Viele der Recyclingstellen werden von privaten Anbietern betrieben, die ein gutes Geschäft mit dem Müll machen und Industriemüll in großen Mengen aufkaufen - doch was geschieht mit dem Hausmüll?

 

Prohibido botar basura - Müll wegwerfen verboten. Doch wo soll der Müll hin, mitten im Nirgendwo? Quelle: Flickr
Prohibido botar basura - Müll wegwerfen verboten. Doch wo soll der Müll hin, mitten im Nirgendwo? Quelle: Flickr

 

Jedes der "departamentos" von Bolivien wird autonom regiert (Bolivien ist in neun verschiedene, aus je 112 Provinzen bestehenden Departamentos aufgeteilt, von denen jedes eine eigene Verwaltungseinheit darstellt) und besitzt daher andere Regelungen zur Abfallverwertung. Das Umweltamt von La Paz konnte den chaotischen Regelungen im eigenen Bezirk kaum Herr werden, geht aber nun mit einer guten eigenen Initiative voran: In La Paz können nun Organisation ihre recyclebaren Abfälle bei den Sammelstellen abgeben oder den Müll bei regelmäßiger Partizipation sogar von der Stadtverwaltung abholen lassen. Nach dem durchlaufenem Recyclingprozess werden neue Produkte aus dem alten Material hergestellt und für einen sozialen Zweck innerhalb der Gemeinde gestiftet. So werden zum Beispiel aus allen Plastikmaterialien Stühle und Tische für Schulen in und um La Paz hergestellt. Grund- und Sekundarschulen, die keine Gelder für neues Mobiliar haben, können so von der gemeinnützigen Initiative GIRS (Gestion Integral de Residuos Sólidos) profitieren - und im Gegenzug gleich ihren eigenen Leichtverpackungsmüll vom Bürgermeisteramt abholen lassen.

Das viventura Büro in La Paz ist seit dem 01.08.2017 Recycling Anlaufstelle: In Kooperation mit dem Umweltamt der Stadt La Paz wurde unser Büro von der Stadtverwaltung zur offiziellen Recyclingabfallsammelstelle der Stadt ernannt. Natürlich suchen wir vor Ort immer nach weiteren Möglichkeiten, auf den von viventura organisierten Reisen einen verantwortlichen Umgang mit dem entstehenden Abfall zu finden. Für die viventura Tailormade Reisen in Bolivien bedeutet das, dass aller während der Reisen und deren Vorbereitungen entstehende Abfall in La Paz im Rahmen von GIRS verwertet wird. Alle Teilnehmer werden direkt von GIRS-Mitarbeitern oder den viventura Reiseleitern vor der Reise über das Recyclingprojekt aufgeklärt. Außerdem werden die Reisenden darum gebeten, dem GIRS Projekt etwas entgegenzuarbeiten und so zum Beispiel allen Müll gleich in die dafür vorhergesehen Transportsäcke zu sortieren und Plastikflaschen so klein wie möglich zusammenzudrücken.

 

Recycling in Bolivien: Müll sammeln und Aufklärungsarbeit für das GIRS Projekt im Salar de Uyuni.
Recycling in Bolivien: Müll sammeln und Aufklärungsarbeit für das GIRS Projekt im Salar de Uyuni.

 

Der Salar de Uyuni ist einer der bei Einheimischen und Touristen beliebtesten Orte des Landes. Auch hier, mitten in der weißglitzernden Salzwüste im Nirgendwo, soll Recycling in Bolivien natürlich vorangetrieben werden. Einer der in Uyuni stationierten lokalen Partner von viventura hat sich dazu verpflichtet, Recyclingabfälle aus Uyuni und von den Ausflügen in den Salar de Uyuni zu sammeln.

 

 Auch in Uyuni soll Recycling in Bolivien natürlich vorangetrieben werden.
Auch in Uyuni soll Recycling in Bolivien natürlich vorangetrieben werden.

 

Aller Müll wird dann einmal im Monat per Bus bis La Paz transportiert, wo die Sammel- und Recyclingstelle von GIRS tatsächlich die näheste Gelegenheit zur Müllverwertung herstellt. Dann beginnt der Kreislauf des Recyclingprozesses, und aus den Flaschen und Tüten aus der berühmten Salwüste werden Stühle und Tische für die Schulkinder von La Paz. Die ersten sind bereits fertig, und wir hoffen, dass noch viele mehr hinzukommen werden. Mehr Partner, Schulen und Agenturen die an GIRS mitwirken, mehr Stühle, Tische und vor allem: mehr Umweltbewusstsein.

Natürlich würden wir uns freuen, in Zukunft mehr von Glas- als von Ein- und Mehrwegflaschen zu berichten, von weniger Müll und neuen Recyclingprojekten. So freuen wir uns jetzt schon einmal, dass das viventura Büro in La Paz zeitgleich eine Recycling-Anlaufstelle ist, und hoffen auf weitere Initiativen, mit denen wir einen Schritt weiter in die richtige Richtung gehen können. Wusstet ihr, dass unsere viventura Kofferanhänger aus recyceltem Material in Bolivien handgefertigt werden?

 

Recycling in Bolivien: die viventura Kofferanhänger werden aus recyceltem Material handgefertigt.
Recycling in Bolivien: die viventura Kofferanhänger werden aus recyceltem Material handgefertigt.

 

Habt ihr schon einmal etwas von Recycling in Bolivien mitbekommen, das Land auf einer Reise kennengelernt oder kennt spannende Recycling- und Upcyclingprojekte?

 

Tags: News, Sozial, Bolivien, Umwelt & Verantwortung

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