Kolumbien - Choco, das schlafende Paradies

Kolumbien

Walbeobachtung an der Pazifikküste und anschließend Affen im Urwald? Das alles ist möglich im Choco. Der Himmel zieht sich langsam zu, verdeckt dabei die Abendsonne und legt sich über das stille und dunkle Meer. Als Kontrast hallen aus dem nahen Urwald die Geräusche der Vögel, Affen und Zikaden. Sie künden den Abend an, aber nicht die Stille, die Nachtschicht beginnt in den Wäldern, während mich ein leichter Nieselregen erfrischt. Bei 27 Grad abends um 18 Uhr eine willkommene Wohltat.

Ich befinde mich umgeben von einer alles bestimmenden Natur, sofern von meinem städtischen Alltag, dass ich auch auf einem anderen Planeten sein könnte: Ich bin im Choco!

Auf 46.500 km² Fläche befindet sich eines der vielleicht letzten Paradiese dieser Welt. Choco verfügt über eine Straße, die die Hauptstadt der Region Choco - Quibdo - mit Medellin verbindet. Die Fahrzeuge, die diese Strecke befahren, verfügen über Allrad-Antrieb und sind speziell höher gebaut um die tiefen Pfützen und Schlaglöcher während der Regenzeit durchfahren zu können.

Von Quibdo führt eine eine Straße in den Norden Bahia Solano. Die Verlängerung führt bis El Valle an den Pazifik. In ganz Südamerika ist der Choco das einzige Departement mit Küsten an beiden Ozeanen, dem pazifischen und dem karibischen. Wenn man sich im Choco fortbewegen will, muss man die Wasserwege nutzen oder fliegen. Der Atrato und der San Juan Fluss sind die wichtigsten und bekanntesten einer Vielzahl an Flüssen. Der Choco ist eine der wasserreichsten Gegenden der Welt und auch der regen- und waldreichsten.

Dagegen kann man bei 8,95 Einwohnern pro km² kaum von einer rekordverdächtigen Bevölkerungsdichte sprechen. Für den Besucher verbergen sich dahinter eine fast unentdeckte Welt, voller Gegensätze und reich an Eindrücken.

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Von Medellín aus fliege ich über diesen endlos erscheinenden grünen Waldteppich nach Condoto. Von hier geht es über die Schotterpiste nach Istmina, wo ich in einem einfachen und bequemen Hotel unterkomme.

Zu meinen besonderen Erinnerungen zählen hier der Bootsausflug auf dem nahen San Juan Fluss. Mein einheimischer Guide erzählt mir über das Fischen und dank seiner Hilfe wähle ich wohl den richtigen Köder, denn in kürzester Zeit haben wir fünf große Mojarras aus dem Wasser gezogen. Ein leckeres und ausreichendes Essen für seine Familie. Mein Gefühl allerdings sagt mir, dass auch ohne Köder und Anglerglück die Beute gut gewesen wäre, so zahlreich scheinen die Fische in diesen Gewässern zu sein. Zurück an Land werde ich zum Mittagessen eingeladen und kann den frisch gefangenen Fisch so geniessen, wie ihn die Einheimischen zubereiten. Zum Fisch gibt es Bratbananen und Kokosreis - köstlich!

 

Am nächsten Tag geht es mit einem Motorboot nach Tado, eine kleine Gemeinde am Fluss San Juan. Da die Menschen hier kaum Besucher sehen, werde ich überall freundlich gegrüßt und angesprochen. Zurück machen wir einen Abstecher zum Nationalpark Tatatama, was in der Sprache der Eingeborenen "Der Großvater der Flüsse" bedeutet, da hier die Geburtsstätte mehrer Gewässer des Choco ist. Die Nacht verbringen wir in einer Lodge im Urwald.

Der dritte Tag beginnt mit einem Flug nach Quibdo, der Haupstadt des Departements. Quibdo ist in Feierlaune. Diese Stadt versetzt den Besucher in das afrikanische Erbe Kolumbiens. Aus den Zuckerrohrplantagen bei Cali vor den spanischen Großgrundbesitzern entflohene afrikanische Sklaven gründeten hier eine Siedlung, in der sie ihre Kultur weiterlebten. Heute, am Fest zu Ehren des heiligen “Pacho”, herrscht Karnevalsstimmung.

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Die Stadt ist voller Komparsen, trotz schwüler 35 Grad sind die Menschen maskiert und bunt verkleidet. An den Straßen bieten Stände Essen, Getränke und viel Schnaps an. “Pacho” ist der Spitzname für Franziskus (Francisco). Als die Spanier während der Entdeckung und Eroberung des Landes mit ihrem Schiffen entlang des Atrato Flusses fuhren, beeindruckten ihre mitgenommenen Figuren des heiligen Franz von Asisis die Einheimischen derart, dass sie ihn zu ihrem Schutzpatron machten. 20 Tage dauern die Festlichkeiten, doch ich muss meine Reise leider weiter fortsetzen.

Von Quibdo den Atrato aufwärts erreicht man den Naturpark Katios, von der UNESCO zum Naturerbe der Menschheit ernannt. Am Fuße des Darien ist die Welt fast noch unberührt. Welch ein Glück konnte auf Grund der klimatischen und topografischen Gegebenheiten die Panamericana-Straße hier nicht weitergebaut werden. So ist dieses Gebiet noch immer Territorium des kleinen Tigers, der Biberrate, des weißgesichtigen kleinen Affens und verschiedenster Vogelarten, viele von ihnen vom Aussterben bedroht. Diese Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben ist ganz sicher eine meiner schönsten Erinnerungen.

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Am nächsten Tag geht es wieder mit dem Flugzeug in den Norden bis Bahia Solano. Von dort erneut über buckelige Pisten und durch den Urwald bis El Valle, an der Küste. Hier besuche ich die Lodge El Almejal, die ich schon von mehreren Aufenthalten in bester Erinnerung habe. Zu dieser Jahreszeit dreht sich alles um die Walbeobachtung. Schon vom Strand aus kann man die Buckelwale nahe an der Küste spielen sehen. Doch ich scheine etwas zu früh da zu sein, denn noch haben die Wale ihren Weg bis hierher nicht gefunden. Wie immer beeindruckt mich in der Lodge El Almejal ihre konsquente und beispielhafte Umsetzung des nachhaltigen Tourismus.

Mein siebter und letzter Tag führt mich nach Nuqui und endlich, jetzt sind sie da, die Wale! Auf der Bootsfahrt nach Nuqui sichten wir in der Nähe der Bucht von Utria die ersten von ihnen. Langsam ziehen sie durch das Wasser und erlauben es uns, bis auf wenige Meter zu ihnen zu kommen. Anscheinend sind sie noch müde von ihrer Anreise und noch nicht zum Springen und Toben aufgelegt. Verständlich, bei bald werdenden Müttern vielleicht auch nicht die angesagteste Betätigung.

Bis Oktober sind sie in den kolumbianischen Gewässern, bevor sie wieder in den Südpazifik ziehen. Hier vor den Küsten des Chocos werden sie ihre Kälber gebären und soweit groß ziehen, dass sie kräftig genug sind für den langen Weg. Besonders im September kann man die jungen Wale ausgelassen springen und den älteren Tiere ihre Streiche spielen sehen. Mit Begeisterung erzählen die Teilnehmer unserer Kolumbien-Pazifik-Tour oder diejenigen, die das Modul Nuqui buchen, von dem Staunen, wenn diese riesigen Tiere mit Leichtigkeit wenige Meter vor einem aus dem Wasser springen und Kapriolen schlagen. Abends kreisen die Kamaras und jeder zeigt stolz sein bestes Foto. Auch das ist ein Ritual hier in Nuqui.

Damit geht mein letzter Tag im Choco zu Ende. Wie immer freue ich mich auf den nächsten Besuch und wie immer stärken meine Erlebnisse das Verantwortungsgefühl, solche Paradiese und letzte Naturreservate unseres Planeten besonders zu schützen. Der Tourismus hat eine besondere Aufgabe, den hier lebenden Menschen eine Zukunft zu geben, die ihren kulturellen Reichtum und den ihrer Umwelt bewahrt.

Hier bekommen Sie einen Überblick über unsere Reisen nach Kolumbien.

 

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