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Kindheit in Bolivien: Schule und was dann?

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„Jedes Jahr werden in Bolivien 255 Tausend Jungen und Mädchen geboren, jedoch nur 4 von 10 bewältigen die „Straße der Hindernisse“ der ersten 17 Lebensjahre: bestehen die Kindheit ohne chronische Unterernährung, beenden die „Primaria“ (Grundschule) und „Secundaria“ (weiterführende Schule) und arbeiten nicht vor ihrem 14 Lebensjahr.“

Dieser einleitende Satz einer Sozialstudie des „Programa de las Naciones Unidas para el Desarrollo“ (Titel:4 milliones de Niños, niñas y adolescentes en Bolivia) spiegelt die Lebenssituation eines Großteils der bolivianischen Bevölkerung wider, nämlich der der Kinder und Jugendlichen. Heute leben ca. 4,1 Millionen Kinder in Bolivien, 44% der nationalen Bevölkerung.

(Quelle: nationales, statistisches Institut: INE, 2006)

Für viele Kinder in Santiago de Okola und im restlichen Bolivien ist es eine Selbstverständlichkeit ihre Familien finanziell zu unterstützten, da sie es nie anders kennengelernt haben. Sie verkaufen Zeitungen und Lebensmittel auf der Straße, arbeiten als Schuhputzer, in Supermärkten als Tütenpacker an den Kassen, oder auch als Schreier in den öffentlichen Busen.

Die ökonomischen, ökologischen und sozialen Schwierigkeiten des Landes sind uns hier im Partnerbüro La Paz alltäglich präsent. La Paz und ihre Schwesterstadt El Alto im Hochland sind stetig wachsende Städte. Die Aussicht auf ein besseres Leben treibt ländliche Bewohner in die Stadtgebiete, hier vor allem nach El Alto.

Zum Teil ziehen auch Kinder ohne ihre Familien in die Stadtgebiete, da es für sie die einzige Möglichkeit ist eine Schule zu besuchen. Sie kommen bei Verwandten oder Freunden unter, arbeiten in Aushilfstätigkeiten und besuchen eine Schule. Im Gegensatz zu unserem Schulsystem, indem der Unterricht in der Regel am Vormittag stattfindet sind die Grund- und weiterführenden Schulen in Bolivien noch bis in die Abendstunden geöffnet. Kinder haben so die Möglichkeit ihren familiären Pflichten nachzugehen und gleichzeitig die Schule zu besuchen.

Trotz der anhaltenden Schwierigketien ist und bleibt Bolivien ein wunderschönes Land und es hat kulturell wie auch durch seine einzigartige, ökologische Beschaffenheit sehr viel zu bieten. Uns liegt es sehr am Herzen unseren Gästen in Bolivien die Besonderheiten des Landes nahezubringen und gleichzeitig unseren Teil dazu beizutragen die Lebenssituation der einheimischen Bevölkerung zu verbessern.

Einen Ansatz hierfür verfolgen wir in der Dorfgemeinde Santiago de Okola. Dieses kleine idyllische Dorf direkt am Titicacasee leidet wie viele andere Dorfgemeinschaften an einer hohen Abwanderung. Zwar haben in Santiago de Okola die Kinder und Jugendlichen der Region bereits heute die Möglichkeit eine gute Schulausbildung zu genießen und einen Abschluss in der Secundaria (weiterführende Schule) zu absolvieren, aber dennoch sind ihre Zukunftsperspektiven gering. Die ca. 100 Familien im Dorf leben in erster Linie von der Landwirtschaft. Die letzte und aktuelle Erntephase sind für die Einwohner Santiago de Okolas schlecht ausgefallen. Die Regenzeit hat zu spät eingesetzt und die Trockenheit hat Teile der Ernte zerstört. Somit gibt es auch für die jüngeren Generationen wenig zu tun im Dorf und es zieht sie in die Stadt, wo sie Arbeit und neue Herausforderungen suchen. Oft halten sie sich mit geringfügigen Tätigkeiten über Wasser, reale Zukunftsperspektiven bleiben aus.

Der Gemeinderat Santiago de Okola reagierte schon frühzeitig auf diese Problematik und erkannte das Potenzial des Dorfes für den Tourismus als mögliche Perspektive. Heute bringen zwei kleine touristische Unternehmen Reisende in das Dorf, wo sie die Möglichkeit haben in den Häusern der Bauern zu wohnen, das Leben der Einheimischen kennenzulernen und die wunderschöne Gegend zu erkunden.

viSozial e.V. unterstützte bereits in der Vergangenheit die Dorfschule in Santiago de Okola mit kleineren Spenden. Nun haben wir uns entschlossen die Unterstützung auszubauen und ein Patenschaftsprogramm in der Schule einzuführen. Die Arbeiten hierfür laufen auf Hochtouren. In erster Linie geht es uns darum für die Kinder verbesserte Rahmenbedingungen zu schaffen. Gelder die durch Patenschaften nach Okola fließen können, sollen für alternative Bildungsangebote und Kampagnen zu den Themen Umwelt und Gesundheit genutzt werden.

Konkret geht es uns darum den Gesundheitszustand der Kinder zu verbessern und das Bewusstsein für das eigene Wohlbefinden, das persönliche Umfeld und die Umwelt auszubauen. Erste Maßnahmen die wir uns wünschen würden umzusetzten ist der Bau von Sanitäranlagen, einen Schulgarten anzulegen, einen Ernährungcheck durchzuführen und eine Kampagne zum Thema Umwelt/Umweltschutz zu starten.

Auch wenn es noch ein weiter Weg ist die Armut im Land zu überwinden und Chancengleichheit zu schaffen, so hat sich in Bolivien schon einiges weiterentwickelt. Die Infrastruktur des Landes wurde ausgebaut und vor allem die Zugänge zu ländlichen Gebieten verbessert. Das Strom und Frischwassernetz wurde erweitert, sowie die Bereiche der Telekommunikation vergrößert. Große Investionen flossen außerdem in die Minimierung des Analphabetismus im Lande, ein Prozess der noch immer im vollen Gange ist. Wir hoffen, dass sich diese positive Tendenz weiterträgt und in Zukunft mehr Menschen die wunderschönen Seiten dieses besonderen Landes kennenlernen werden.

Foto: Eingang zur Schule Santiago de Okola:

Foto: Schülerversammlung auf dem Schulhof

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2 Antworten auf “Kindheit in Bolivien: Schule und was dann?”

  1. Tamara sagt:

    Ich komme aus der Schweiz und gehe an

    der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen TG

    zur Schule. Letze Woche bin ich aus meiner

    Diplomreise aus Bolivien zurückgekehrt, wo

    ich unter anderem auch in La Paz Englisch

    unterrichten durfte.

    Nun möchte ich meine Diplomarbeit gerne

    über Schule in Bolivien, Schulsystem, Bildung

    schreiben.

    Da die meisten Bücher über das Schulsystem

    auf Spanisch sind, wollte ich Sie fragen, ob

    Sie Literatur, Bücher, aktuelle Fakten über

    die Schulsituationen, Ausbildung, Schulsystem

    von Bolivien haben.

    Allenfalls könnte ich auch Ihre Schule in meiner

    Arbeit miteinbeziehen?

    Auf eine Antwort würde ich mich sehr freuen!

    Herzliche Grüsse

    Tamara Frischknecht

  2. Kristina sagt:

    Hallo Tamara,

    danke für deinen Kommmentar und dein Interesse.

    Wie ich von Ana Rosa von viSozial e.V. gehört habe, steht ihr beiden schon in Kontakt 🙂

    Viel Glück bei deiner Diplomarbeit!

    Viele Grüße vom viventura Team,
    Kristina

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