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Je trockener das Gesetz desto feuchter die Wahl

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An einem Donnerstagabend kurz vor den Wahlen… Ich war mit Freunden auf einen Drink im Zentrum von Arequipa verabredet. Das Lokal war voll und alle waren guter Stimmung, als plötzlich um 24 Uhr die Türen verschlossen wurden. „Gut“, dachte ich mir, „die Bar ist voll, es wird keiner mehr reingelassen.“ Als ich dann noch ein Bierchen bestellen wollte, zeigte der Kellner nur auf seine Uhr und sagte: „Ley seca!“ Ich verstand nur Bahnhof. „Trockenes Gesetz?!“ Ich wollte doch nur ein Bier haben.

Meine Freunde lachten und erklärten mir, dass in Peru und auch in vielen anderen Ländern Südamerikas 48 Stunden vor den Wahlen kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf. Alkohol in der Öffentlichkeit ist dann strikt verboten. Jedes Lokal, das sich dem Gesetz widersetzt, muss eine hohe Strafe zahlen. Ich war empört. „Aber ich muss doch gar nicht wählen am Sonntag!“ Egal, auch ich als Ausländerin bekam keinen Tropfen mehr und wir saßen auf dem Trockenen. „Das Wochenende ist gelaufen“ – dachte ich.

Denkste!! So kann man sich täuschen.

Hier geht’s weiter:

Am Freitagabend ging’s mit meinem Mann nach Mollendo. Das liegt zwei Autostunden von Arequipa entfernt. Er musste dort wählen. In Peru besteht nämlich Wahlpflicht. Wer nicht wählt, zahlt Strafe.

Drum kommt jeder zum Wählen in seine Heimatstadt, auch die ganzen alten Freunde. Was für ein Wiedersehen! Schnell war die Stimmung auf dem Höhepunkt. „Nur dumm“, dachte ich, „dass wir nirgendwo gemütlich zusammensitzen können.“ Schließlich sind ja alle Bars dicht.

Aber nein doch. Wo ein Gesetz ist, ist auch eine Lücke: Wie gut, dass einer der Kumpels ein kleines Lokal besitzt und so schlichen wir uns dorthin. Wir dämmten die Lichter und verschlossen die Türen. In gemütlicher Runde tranken wir unser Bierchen.

Bum, bum, bum – es klopfte laut an der Tür. Die Polizei??? Plötzlich war es mucksmäuschenstill. Ich sah mich schon im Gefängnis. Schließlich wird eingesperrt, wer so kurz vor den Wahlen mit dem Bierchen in der Hand erwischt wird, dachte ich.

War das spannend!!! Schnell mussten alle Gläser und Flaschen versteckt werden. Zur Erleichterung aller standen aber nur die nächsten Freunde vor der Tür. Noch mindestens drei Mal stand an diesem Abend mein Herz still: Flaschen weg – Freunde rein – Flaschen raus. So ging es eins um’s andere Mal. Ach, waren wir stolz, dass wir die Polizei so schön an der Nase herumführten.

Am Samstagabend noch einmal das gleiche Spiel. Eigentlich waren wir ja alle längst platt, aber schon aus Trotz gegen die Ley seca suchten alle auch an diesem Abend die Herausforderung. Das Verbotene lockt… Die ley-seca-Veteranen hatten sich natürlich schon Tage vorher mit Bier, Whisky oder Rum eingedeckt. Ich möchte nicht wissen, wie viele feuchtfröhliche Privatparties die ley seca vor jeder Wahl inspiriert. Andere – wie wir – mussten sich erstmal die Getränke beschaffen.

Zum Glück gibt es ja an jeder Ecke kleine Läden die heimlich unter der Hand Alkohol verkaufen. Ausgestattet mit einer Flasche Rum und Coca Cola machten auch wir uns auf die Suche nach einem einsamen Ort.

Schließlich fanden wir in der großen Avenida eine freie Parkbank. Zwar nicht sicher, aber weit genug vom Zentrum entfernt, dass die Polizei hier nicht so oft auftauchen würde und nah genug für das Abenteuer. Ich fühlte mich wie in einem Film. Bei jedem Auto wurde die Flasche Rum unter der Jacke versteckt. Als das erste Mal die Polizei vorbeikam, stockte mir der Atem. Doch sie fuhren einfach weiter, ohne uns zu beachten. Eine halbe Flasche Rum später war ich wesentlich relaxter als die Polizei vorbeikam, obwohl ich sicher war, dass sie unsere kleine Gruppe mittlerweile „entdeckt“ hatten. Die Zeit verging wie im Fluge und als wir uns zum Nachhausegehen (es war schon gegen 4 Uhr morgens) fertigmachten, hielt tatsächlich noch die Polizei an. Mir rutschte das Herz in die Hose. Es sei doch verboten, Alkohol so kurz vor den Wahlen zu trinken und wir sollten uns schleunigst nach Hause begeben. „Ja, ja, senior policia, das machen wir sofort!“ Und um unser Glück nicht zu strapazieren, ging wirklich jeder brav und leicht angeheitert, nach Hause.

Fazit: Die ley seca wirkt wirklich toll. Nie hab‘ ich vor einer Wahl so viele verkaterte Wähler und danach so wenig verkaterte Politiker gesehen.

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