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Chile: Bunte Jugendkultur

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Ich sehe etwas Buntes inmitten all der grauen Anzugträger im Zentrum Santiagos. Menschen die mir durch ihr farbenprächtiges, verspieltes Äußeres ins Auge springen. Sie scheinen einem japanischen Trickfilm entsprungen zu sein.

Die Mehrheit der chilenischen Jugendlichen, die sich zu einer der neuen Subkulturen zugehörig fühlt, vertritt eine freie Meinung in Bezug auf das Weltgeschehen und die Sexualität. Bezeichnend ist auch der markante Geschmack, was das Äußere betrifft. Neben der auffälligen Kleidung machen sie in ihrem eigenen Fotolog auf sich aufmerksam, kommunizieren über Chat und verabreden sich dort zur nächsten Party.

Eine der größten Gruppen unter den Subkulturen bilden die Pokemones. Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren, die meist aus der unteren Mittelschicht und den äußeren Stadtteilen Santiagos kommen. Äußerlich gleichen sie den Emos (enge bzw. Skater – Kleidung und Turnschuhe, ein Hauch von Punk gemixt mit verspieltem, japanischen Glamour), hören aber ausschließlich Reggaeton. Die Medien haben sie längst für sich entdeckt, denn ihre lockere Umgangsweise mit Sex ist skandalöser Stoff für die täglichen Talkshows.
Auf den Partys, die am Nachmittag stattfinden und spätestens um 21 Uhr zu Ende sind, tanzen sie zu den heißen Rhythmen und anzüglichen Texten des Reaggeton. Wenn die Party so richtig im Gange ist, wird angefangen, Küsse zu sammeln (ponsear), die man später in seinem Fotolog veröffentlicht.
Es geht darum, mit möglichst Vielen zu knutschen. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle.

Ein ganz neuer Trend:
Am Nachmittag warten an die Hundert Pokemones vor dem Fernsehstudio von Chilevisión, um in ihrer Lieblingtalkshow „El diario de Eva“ (Evas Tagebuch) in den Zuschauerreihen zu sitzen. Diejenigen, die keinen Platz bekommen haben, schmieden Pläne für den weiteren Verlauf des Tages. Es werden Münzen zusammengekratzt und Bier gekauft, für mehr als fünf Flaschen reicht es aber nicht.

Danach macht man sich auf den Weg zum Cerro San Cristobal, einem großen Stadtpark im Herzen Santiagos. Im frisch geschnittenen Gras teilt man sich das Bier und redet über die neusten Blogeinträge und die besten Fotologs. Inzwischen sind auch diejenigen dazu gestoßen, die einen der begehrten Plätze in der Talkshow ergattern konnten und kommentieren das Erlebnis.

Am Rand der inzwischen ziemlich großen Gruppe knutscht ein Pärchen und zieht die Blicke der übrigen auf sich. „Sobajeo!“ ruft jemand und nach und nach tut man es dem Pärchen gleich. Beim Sobajeo was übersetzt soviel wie „Kneten“ heißt, geht es nicht mehr nur darum sich zu küssen. „Sobajeo ist Sex mit Kleidung“ erklärt mir Carolina (17).
Genau wie beim „ponsear“ geht es darum, möglichst viele Partner zu haben. Die meisten der Jugendlichen kennen nicht mal den Namen ihres Gegenübers. ¿vamos a sobajearnos? – „Wollen wir kneten?“ ist die Zauberformel und nein sagen gilt nicht.

Anders als die Hippies, die sich für „Orgien“ in die Natur zurückzogen, sieht man in sich verschlungene Pokemones überall in der Stadt: in Parks, in der Fußgängerzone und in der U-Bahn. Aber auch das „Kneten“ hat eine Grenze, nämlich die Jungfräulichkeit der Mädchen. „Das Gute am Sobajeo ist, dass wir nicht unsere Jungfräulichkeit verlieren, außerdem können wir nicht schwanger werden und holen uns keine Krankheiten“ bestätigt mir Carolina.

Eine andere ungeschriebene „Regel“ unter den Jugendlichen ist, dass das Kneten ganz unverbindlich ist. „Der Sobajeo ist für den Moment. Es muss nicht heißen, dass man sich wieder sieht. „Wenn sich also die Gelegenheit bietet, nutzt man sie“ erklärt mir Pato (18). Dabei ist es unwichtig, ob man mit jemand vom gleichen oder dem anderen Geschlecht zusammenfindet oder ob das Gegenüber dick, dünn, groß oder klein ist. Das einzige was zählt ist, sich keine Gelegenheit auf die Erforschung der anderen Person entgehen zu lassen.

In dieser Hinsicht erstaunlich finde ich den Widerspruch, die das nach Außen gelebte Pokemon – Sein und der Musikgeschmack dieser Jugendbewegung betrifft.
In den Texten des Reggaeton geht es zwar auch um Sex, der allerdings nur auf rein heterosexueller Basis von vor Mann nur so strotzenden Interpreten propagiert wird. Frauen werden in den Texten zum Objekt gemacht und bekommen in den Videos nur einen Platz an der Seite des Sängers, wenn sie knappe Bikinis tragen und Barbiepuppen ähneln. Deswegen wundert es, dass die männlichen Pokemones versuchen, ihre weibliche Seite nach Außen zu kehren. Mit ihren längeren Haaren und dem Plastikschmuck wirken sie fast wie Mädchen.

Ein Freund der als Kinderpsychologe in einer Schule am Rand von Santiago arbeitet, meint dazu: „Jeder Jugendliche durchlebt eine Identitätskrise. Die Suche nach einer Identität ist maßgebend in der Phase des Erwachsenwerdens und zu dieser Suche gehört auch seine Sexualität zu definieren. Die Pokemones benutzen eine romantische Form, um bestimmte Schemata zu brechen. In ihrem Fall ist es, sich zu transformieren und verschiedene Rollen anzunehmen. Genau wie dies die Helden in der japanischen Trickfilmserie tun“.

Pokemones, Pelolais, Otakus, Emos… die chilenische Jugend hinterlässt mit ihren Vorlieben, was Lebensstil, Kleidung und Musik betrifft, offene Münder und Unverständnis bei der Mehrheit der Bevölkerung. Aber dass die Jugend auf ihre Umwelt schockierend wirkt, ist ja nichts Neues und in allen Ecken der Welt gleich.

Der folgende Link führt zu einem auf Youtube veröffentlichten Video, in dem Musik und auch Stil der Pokemon-Kultur verdeutlicht wird. www.viventura.de/p/4de8

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2 Antworten auf “Chile: Bunte Jugendkultur”

  1. alex sagt:

    echt cool haha

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Der Autor:

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