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Kolumbien: Bacata – fruchtbarer Boden der Muiscas

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„Isa quen – Ich schätze Dich“, begrüßt mich Sigifredo in der Sprache der Muiscas. Meine erste Begegnung mit einem Priester dieses Stammes hätte kaum überraschender sein können: Siegfried – ein Muisca Priester?

Die Muiscas – sie waren einst die stolzen Herrscher über Bacata (Bogota), Zipaquira, Ubate und viele große Siedlungen auf den Hochebenen der Ost-Kordillere bis hin zu Igauque beim heutigen Villa de Leyva.

Diese Siedlungen waren in den Reichen der Inkas und der Mayas bekannt und galten als Orte des Wohlstands. Der Bergbau, insbesondere die Bodenschätze Kohle und Salz waren die wichtigsten Handelsgüter dieser Völker. Bei Muzo wurden sogar Smaragde abgetragen. Doch der wahre Reichtum kam von Mutter Erde. Die Hochebenen Kolumbiens sind sehr fruchtbar und so betrieben die Muiscas den Ackerbau. Die Früchte der Erde, die Kohle und das Salz tauschten sie vor allem gegen Gold, Schmuck und Kleidung aus anderen Gegenden. In der Goldschmiede brachten sie es zu hoher Fertigkeit. Legendär das Bad des „El Dorado“ (der Goldene) im See von Guatavita.

Wo sind sie hin, diese einstigen Bewohner der Hochebene, aus deren Sprache sich der Name Bogota ableitet? Wo sind ihre Städte und ihre Menschen, Tempel und Traditionen? Als Kolumbianer weiß ich beschämend wenig über die Geschichte Kolumbiens vor den Spaniern. Es scheint als hätte sie erst mit ihnen begonnen. Um Antworten auf meine Fragen zu finden, treffe ich mich mit einem ihrer Priester.

Hier geht’s weiter:

Sigifredo … Siegfried – so urdeutsch habe ich mir den Namen eines Muisca-Priesters nun wirklich nicht vorgestellt. „Daran ist meine Oma schuld“, erzählt mir Sigifredo. „Sie liebte keltische und germanische Sagen und meinte, dass ihr Enkel auch einen Namen braucht, der sich durchsetzt. Und bei den Muiscas bestimmen nun einmal die Mütter und Großmütter, wie die Söhne heißen“.

Ansonsten entspricht Sigifredo aber meinem Bild eines Muiscas. In einem einfachen weißen und weitem Hemd, einer ebenfalls weiten, weißen Hose und mit seinem langen, zum Zopf gebundenen grauen Haar und dem wettergegerbten Gesicht könnte er auch aus einem Bilderbuch stammen. Die Leinen-Tasche, die er seitlich trägt, vervollständigt das Bild. Jeder Indianer in Kolumbien hat mindestens eine davon. In ihnen tragen die Männer das Wichtigste: Koka-Blätter oder gemahlene Koka-Blätter und Tabak, zu Brei gerieben.

Setzen sich Männer zum Gespräch, dann werden die Ahnen eingeladen. Sie mögen das Gespräch gutheissen und Türen in die Zukunft öffnen oder eben nicht – dann bricht man das Gespräch besser ab. „Mambeo“ (gesprochen Mam – be – o) nennt man diese Begegnung der Welten.

Ich bitte Sigifredo also in mein Wohnzimmer und nehme eine Prise von dem Tabak, denn auch meine Ahnen sollen Zeugen unseres Gesprächs werden. Ach je, dass man keine Luft nehmen soll, solange man den Tabak auf der Zungenspitze hat, erfahre ich in dem Augenblick, als ich zum Gespräch ansetzen möchte. Tränen, erhöhter Speichelfluss und meine Stimme verloren in der Ahnenwelt sind die Folgen und ich danke meinen Ahnen, dass sie mir nicht auch noch den Stuhl unter dem Hintern weggezogen haben. Aber Sigifredo ist ganz Priester und reicht mir aus einer zweiten, kleineren Tasche zerriebene Koka-Blätter. Irgendwie wird es besser und ich habe Zeit, seine „Frau“ zu bewundern – das ist die zweite, kleinere Tasche. Für die Indianer ist diese, in der die Koka-Blätter getragen werden, heilig und ihnen eine ständige Begleiterin, die sie niemals weggeben würden.

Ich erfahre nun, dass in den Hügeln in der Nähe meines Hauses eine der großen Kohleminen der Muiscas ist. Die Schächte sind von ihren Architekten vor mehr als 600 Jahren so gut ausgelegt worden, dass sie immer noch stehen. Viele Muiscas sind in diesen Minen gestorben, von den Spaniern zur Arbeit gezwungen. Ich bin sprachlos, das war mir unbekannt. Dreißig Jahre kenne ich nun den Berg Suba und erfahre erst jetzt von den Kohleminen… und dass Indianer dort als Sklaven arbeiteten.

„Sind die Muiscas deswegen ausgestorben?“ frage ich Sigifredo. „Nein, nicht deswegen“. Sie seien auch nicht richtig ausgestorben, denn die Menschen gäbe es noch. Aber sie mussten Spanisch lernen und durften ihre Traditionen nicht leben. So starb dann auch ihre Kultur und Identität aus, obwohl es die Menschen noch gibt. „Muisca“ bedeutet Mensch.

Der Mensch kommt aus dem Wasser, genauer gesagt aus der Lagune von Iguaque, bei Villa de Leyva. Es gibt fünf heilige Lagunen in ihrem Gebiet, dabei ist die vergleichsweise berühmte Lagune Guatavita aber nicht die wichtigste für die Muiscas. Sie war von Bedeutung, weil hier das Ritual der Verschmelzung zwischen Vater Sonne und Mutter Erde symbolisch durch das Eintauchen des mit Goldstaub bedeckten Häuptlings, dem „El Dorado“ dargestellt wurde. Für die Indianer ist die Lagune Igauque, aus der der Mensch stammt, nun mal wichtiger als es die Goldschätze im Guatavita-See für die Spanier waren.

Doch die Gier der Eroberer nach diesen Schätzen kostete die Muiscas ihre Existenz als Volk. Neben Gold hatte Kolumbus der spanischen Königin und der Kirche viele neue Seelen versprochen. Also mussten die Muiscas ihrem Glauben absagen. Damit auch sicher gestellt werden konnte, dass sie nicht heimlich ihre Kultur weiter lebten, mussten sie auch die Sprache der Eroberer lernen. Wer trotzdem beim „Muisca“ sprechen erwischt wurde, erfuhr strenge Strafen bis hin zum Abschneiden der Zunge.

So verloren sie mit der Zeit nicht nur ihre Religion und ihre Sprache, sondern damit auch ihre Identität und ihre Geschichte.

Alles was Muisca war, wurde von den Spaniern verteufelt. So heißt die Sternenwarte bei Villa de Leyva „El Infiernito“ (die kleine Hölle). Schon der Name sollte Angst machen und vor Besuchen abschrecken. Nicht die viventura-Reisenden, denn wir besuchen mit unseren viActive und viYoung-Touren diese Stätte am Fluß. Viele der Kultstätten der Indianer erhielten den Beinamen „Diablo“ (Teufel): „Las Piedras del Diablo“ (die Steine des Teufels), „la Nariz del Diablo“ (die Nase des Teufels) usw.

Mir wird bewusst, wie einseitig meine Bildung ist, denn ich kenne diese Orte nur unter diesen Namen.

Um das zu ändern, graben aktive Mitglieder der Muisca-Gemeinden ihre Erinnerungen aus dem Loch des Vergessens aus. Keine einfache Aufgabe, denn sie müssen die Sprache, in der ihre Geschichten erzählt wurden, erst einmal wieder beleben. Dabei hilft ihnen, dass sie zur Sprachgruppe der Chibchas zählen, die sich vom Norden Chiles bis nach Mexiko ausdehnte. So können sie aus den heute noch lebendigen Sprachen in Kleinstarbeit wieder zu ihrer eigenen Sprache zurück finden.

Die Muiscas heute: sie kämpfen politisch um Anerkennung als Volksstamm. Der Staat zeigt sich dabei sehr zögerlich, denn er muss damit rechnen, dass dann auch die Rückgabe besetzter Indianergebiete gefordert wird. Dabei geht es auch um Böden, die z.B. in den zukünftigen Bebauungsplänen der Stadt schon vorgesehen sind. Teilweise sind bereits bebaute Gebiete den Indianern heilig, wie die Ost-Hänge Bogotas.

Es ist ein zäher Kampf, aber die Musicas werden immer aktiver. Sie beleben ihre Traditionen neu und bieten Nicht-Indianern die Möglichkeit, an Zeremonien und Treffen Teil zu nehmen. Von einem einfachen Abendessen mit ihnen, bei dem traditionelle Gerichte in Blättern serviert und mit der Hand gegessen werden, bis hin zur einwöchigen Wanderung auf den Spuren der Muiscas, mit Übernachtung in ihren Behausungen.

Sigifredos und meine Ahnen heißen unser Mambeo gut und öffnen uns die Türen. Und damit allen viventura Reisenden, die an einer Verlängerung Bogota auf den Spuren der Muiscas interessiert sind … denn die Geschichte Bacatas beginnt lange vor der Ankunft der Spanier!

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