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Kolumbien: Pablo Escobar gestern und heute

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Pablo Escobar, einer der größten Verbrecher aller Zeiten. Der Drogenbaron war einst einer der reichsten und mächtigsten Männer der Welt und beherrschte nicht nur Medellin, sondern ganz Kolumbien. In der „Blütezeit“ seiner Machenschaften in den 80-er Jahren galt Medellin als gefährlichste Stadt der Welt. Jeder, der Pablo nicht nützte oder nicht nach seiner Pfeife tanzen wollte, wurde umgebracht. Auf sein Konto gehen mehrere tausend Morde, ein Flugzeugabsturz mit über 100 Toten, Entführungen, Drogentransporte in unvorstellbaren Größenordnungen und und und.

In Medellin gibt es nur sehr wenige Menschen, die über Pablo Escobar reden – die Meisten möchten diese Zeit vergessen, lokale Stadtführer verweigern sogar manchmal, ihn nur zu erwähnen. Dadurch entsteht so etwas wie eine Mystik um seine Person und auch ein großes Interesse und Neugier. Was war dieser Pablo Escobar für ein Mensch, wie konnte er so brutal sein und warum hört man doch immer wieder Menschen sagen: „Er hat auch Gutes getan.“?

Um diese Fragen zu beantworten und seiner Mystik auf die Spur zu kommen, nehme ich mit einer befreundeten Journalistin an einer Stadttour „Pablo Escobar“ teil. Ich bin gespannt, was uns erwartet.

Unser erster Stopp ist sein „Gefängnis“. Nicht umsonst hieß dies „La Catedral“ – denn es ähnelte auf keinen Fall einem vergitterten, dunklen Gefängnis. Auf einem Berg oberhalb von Medellin gebaut, mit einer spektakulären Aussicht, stand damals eine Villa mit eigenem Fussballplatz und Schwimmbad: Gefängnis in der Sprache von Pablo Escobar! Dazu hatte er seine eigenen Wächter, die natürlich nicht so genau hinsahen, wenn er seine Geschäfte von hier aus weiterführte oder junge Frauen für sein Vergnügen einfliegen ließ. Heute lassen nur noch Kleinigkeiten erkennen, wo „La Catedral“ einmal stand – jetzt gibt es hier ein Kloster!

Weiter geht es zu seinem Grab. Pablo wurde 1993 vom kolumbianischen Militär in einer Hetzjagd erschossen. Seit dem ist Ruhe in Medellin eingekehrt. Ich war schon öfter an seinem Grab, aber Pablos Grabspruch macht mich jedes Mal wieder sprachlos: „Triffst du einen guten Menschen – ahme ihn nach, triffst du einen schlechten Menschen – überdenke dich selbst!“

Am Grab treffen wir Maria und fragen sie, ob sie eine Verwandte Pablos sei. „Nein, ich besuche auf dem Friedhof meine Söhne und immer wenn ich hier bin, komme ich auch an Pablos Grab um zu beten.“ erzählt uns Maria. Sie hat im Drogenkrieg 2 ihrer 3 Söhne verloren, umso verwunderter sind wir, dass sie an Pablos Grab kommt und fragen weiter.

Maria arbeitete als Krankenschwester in einem Krankenhaus. „Ich habe beide Seiten in diesem Drogenkrieg erlebt. Es gab viele Verletzte durch Bombenanschläge von Pablo, aber auch seine Bodyguards wurden verletzt – Menschen, die aus sehr armen Familienverhältnissen stammten. Er hat den armen Menschen zu essen und ein Dach über dem Kopf gegeben. Ich empfinde Dankbarkeit für ihn.“ Maria erzählt weiter, dass sie Pablo Escobar bewundert. Er kam ebenso aus einer armen Familie und hat dort nie liebe erfahren. Maria sagt aber auch, dass sie sehr viel Respekt bzw. Angst vor ihm hatte.

Auf unsere wiederholte Frage, warum sie für einen 1000-fachen Mörder betet, sagt sie: „Ich bete nicht nur für ihn, sondern auch um ihm zu verzeihen“ und vielleicht, um diese schreckliche Zeit zu verarbeiten.

Unsere letzte Station ist das Barrio „Pablo Escobar“, ein Stadtviertel, dessen Häuser früher aus Pappe und ein bisschen Wellblech bestanden. Dann kam Pablo und kaufte den Menschen dort die Grundstücke und teilweise auch die Häuser. Heute gehört dieser Stadtteil immer noch zu den ärmeren, aber die Häuser sind aus Stein, es gibt eine Kirche, fließendes Wasser uns Strom. Ich mache mich auf die Suche nach jemandem, der mir mehr über das Viertel erzählen kann und werde von mehreren Leuten in die Bibliothek von Don Luis geschickt. „Wow- eine Bibliothek hier in diesem Viertel?“ denke ich mir und schon stehe ich vor der Tür eines kleinen  Hauses. Ich trete ein, grüße die Menschen, die sich darin befinden und frage nach Don Luis. Schüchtern meldet sich ein Mann, mittleren alters – er sitzt auf einer Matratze auf dem Boden. Don Luis leidet seit seinem 10. Lebensjahr an Muskelschwund und kann sich kaum noch bewegen. Meine Freundin, die Journalistin setzt sich zu ihm und stellt ihm ein paar Fragen zum Viertel. Don Luis hat sein Haus von Pablo Escobars Mutter bekommen. „Er war ein schlechter Mensch, das will ich gar nicht verneinen, aber ich bin ihm auch dankbar für dieses Haus. Vorher habe ich hier auf einem Stück Karton gelebt.“ Während des Gesprächs beobachte ich die Menschen in der Bibliothek: ein Kind sitzt Don Luis gegenüber und macht seine Hausaufgaben, ein anderes schaut sich die riesige Bücherwand an und eine junge Frau macht sauber.

Anschließend frage ich Don Luis über seine Bibliothek aus – seit 17 Jahren sammelt er Bücher und ist für die Kinder da, wenn sie Hilfe bei den Hausaufgaben benötigen. Sein Platz in seinem Haus ist seine Matratze – der Rest ist Bibliothek, ein kleines Bad und eine kleine Küche. Don Luis fasziniert mich sehr wir haben den Beschluss gefasst ihn ab sofort über viSozial e.v. zu unterstützen. Die rechtlichen Dinge sind bereits in die Wege geleitet, so dass ihr bald mehr über ihn auf unserem Blog erfahren könnt.

Mein Fazit dieser Tour:
Mir fällt es immer noch schwer nachzuvollziehen, wie man einem Menschen wie Pablo Escobar dankbar sein kann – aber ich komme dem Verständnis, besonders aufgrund der Geschichte von Don Luis, näher. Ich glaube, dass niemand, der nicht dabei war, verstehen kann, was die Menschen in der Zeit von Pablo Escobar mitgemacht haben, in welcher Angst und Armut sie lebten. Ich sehe Medellin heute in einem anderen Licht und verstehe, warum die „Paisas“ so ungern über ihn reden. Vielleicht hat ja sogar die Struktur der Stadt damit zu tun. (In Medellin wird alles modernisiert – es gibt keine richtige Altstadt, es scheint, als sollen alle schlechten Erinnerungen ausgelöscht werden.) Alles in allem habe ich heute sehr beeindruckende Menschen kennengelernt, deren mein voller Respekt gehört!

Ich würde mich freuen, euch bei einem Medellin-Besuch die Mystik dieses Mannes und Medellins näher zu erläutern und euch Don Luis vorstellen zu können.

Weitere Artikel zum Thema:

Reisetipp Kolumbien: Hacienda Napoles – das Erbe von Pablo Escobar

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9 Antworten auf “Kolumbien: Pablo Escobar gestern und heute”

  1. Monika sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel, bei dem man eine Menge über die Hintergründe erfährt. Es wird auch ein wenig klarer, warum es immer noch so viele Menschen gibt, die Pablo Escobar so verehren!

  2. volker sagt:

    Unvorstellbares in die Nähe der Vorstellbarkeit zu rücken, dazu ist dieser Bericht sehr gut geeignet. Zwei Bücher dazu, die diesen Weg auch zeigen, sind:
    „Killing Pablo“. Die Jagd auf Pablo Escobar, Kolumbiens Drogenbaron von Mark Bowden und Friedrich Griese,in welchem die ganze Widersprüchlichkeit und der Zusammenhang mit den Herrschaftsverhältnissen in Kolumbien aufgearbeitet werden, freilich aus us-amerikanischer Sicht
    und
    für mich als literarisches Meisterwerk als Roman (bisher nur in spanischer Sprache, soweit ich weiß):
    „Sicario“ von Alberto Vasquez- Figueroa, der aufzeigt, unter welch unvorstellbar grausamen Verhältnissen die aufwwachsen, die später zu zunächst unvorstellbarem,. aber durch ihr Leben erklärbaren Morden fähig sind.

  3. Don-Pedrinio sagt:

    hallo Nicol,
    ich kenne andere Geschichten welche ich aus div. Literaturen über die Stadt Medellin habe. diverses rund um Escobar ist grösstenteils so wie du es schilderst nur: Medellin war in den 90-iger Jahren die gefährlichste Stadt der Welt. (da war Escobar bereits Jahre tot). Medellin hatte in den Jahren bis an 2000 die höchste Mordrate der Welt. (gemessen an Städten). daher ist heute Medellin so enorm sicher, weil die dunkle Vergangenheit noch sehr nahe ist und sie fast jede Familie kennt. nirgens in Kolumbien wird so extrem für Sicherheit für jedermann gemacht wie in Medellin. wer als Ausländer dort lebt merkt es aber erst mit der Zeit, dass er so viel mehr machen kann als in den meisten andern Städten Kolumbiens. nicht umsonst sage ich immer: „man kann mir einen Peilsender an den Arsch heften und ich beweise, dass ich in dieser Stadt in die hinterste Gasse gehen kann ohne dass mir was passiert. rund um die Uhr.“
    Pablo Escbar rekrutierte seine Armee an Kurieren und Gehilfen aus den Slums. aus Gegenden wo die Arebitslosigkeit sehr hoch war. sehr viele Menschen aus jenen Barrios haben davon profitiert und sind aus jenem Elend heraus gekommen. parallel dazu hat er jene Barrios finanziell unterstützt. wenn du mal die neue Gondelbahn fährst. die von San Javier und die armeeligen Barrios da ansiehst: so sah es in den andern auch aus, bis sich Escobar ihrer annahm. Kanalisationen, Stassen Schulen und Parks bauen liess.

    für diejenigen, welche ihn und seine Machenschaften unterstützten war er ein grossartiger Mensch. für diejenigen welche ihn jagten ein Gespenst des Todes. finde etwas über ihn heraus in jenen Barrios und du wirst auf taube Menschen stossen, denn man spricht nicht gerne über ihn weil sich die Gemüter in 2 Lager teilen und keiner genau weiss zu welchem ein anderer gehört….

  4. Burkhard sagt:

    2005 nahm ich an der Kolumbien-Pilotreise teil, und zu den beeindruckendsten Erlebnissen gehörte der Umgang mit Pablo Escobar in Medellin. Unser Eindruck unterscheidet sich aber schon von dem geschilderten in dem Artikel, denn uns wurde damals allerorten über ihn vorgeschwärmt, totgeschwiegen wurde er mitnichten. Er wurde uns als eine Art Robin Hood geschildert, der die Reichen (Amerikaner) schädigt und den Armen (Kolumbianern) gibt.

  5. Andre sagt:

    Hi Burkhard,

    schön dass wir uns immer wieder im Blog wiedertreffen. Ich war 2005 auch bei der Pilottour dabei, eine Tour die mir sehr schön in Erinnerung bleibt, denn sie führte dazu, dass ich nach Kolumbien ziehen sollte…

    Ich gebe dir recht, dass viele Menschen ihm sein Image des „Robin Hoods“ abgenommen haben und positib über ihn sprechen, das sind erstaunlich viele Menschen, aber nicht die Mehrheit. Diejenigen, die die Vergangenheit mit Escobar als Alptraum in Erinnerung haben schweigen es lieber tot anstatt die schrecklichen Erinnerungen herauszuholen.

    Da ich die Zeiten nicht mit erlebt habe, kann ich mich nur schwer hinein versetzen. Aber aus meiner Sicht wäre es gut, ein Museum über diese Zeit zu errichten. Diese schreckliche Vergangenheit kann nicht totgeschwiegen werden, sie gehört zur Geschichte Medellins. Und als diese wäre sie gut in einem Museum aufgehoben.

  6. Kristina sagt:

    Ich hab den Artikel und die Kommentare alle gelesen, super interessant! Ich selber war noch nicht in Kolumbien, viell. sollte ich das schnell nachholen!
    Wsl. ist das mit dem Museum eine gute Idee, denn totschweigen darf man das alles sicher nicht!

  7. Nicole sagt:

    Danke für eure zahlreichen Kommentare, es freut uns immer sehr, wenn über unsere Artikel bzw. über die Themen diskutiert wird.

    Vielleicht sehen wir uns eines Tages in meiner wunderschönen Wahlheimat – ich würde mich sehr freuen!

    Nicole

    PS: Wenn euch das Land interessiert – schaut gerne mal in diesen Artikel:
    http://blog.viventura.de/kolumbien/kolumbien-event

  8. Kristina sagt:

    iHola!
    Ja, Kolumbien würde mich auch sehr interessieren, habt Ihr denn für Feb./März was geplant?
    Würde wirklich gerne in der Zeit mal wieder mit viventura nach Südamerika reisen. Und Kolumbien oder Venezuela wären die Wunschziele!!
    Saludos
    Kristina

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